January 12, 2012 / 12:07 PM / 7 years ago

Britische RBS flüchtet aus dem Investmentbanking

London (Reuters) - Drei Jahre nach der Finanzkrise gibt die Royal Bank of Scotland ihre einstige Vorzeigesparte zu großen Teilen auf.

Das inzwischen teilverstaatlichte Institut legt die Axt an sein Investmentbanking, mit dem es vor der Krise groß im Geschäft war. Von der Sparte soll nur das Geschäft mit festverzinslichen Papieren und Devisen bleiben, teilte RBS am Donnerstag mit. Der Aktienhandel, das Geschäft mit Börsengängen und Kapitalerhöhungen, die Beratung bei Fusionen und Übernahmen und die Betreuung von börsennotierten Unternehmen sollten aufgegeben oder verkauft werden. Dem Kahlschlag fallen weitere 3500 Arbeitsplätze zum Opfer. Der Ausstieg ist Teil eines Drei-Jahres-Plans, mit dem die RBS ihre Risiken reduzieren und sich mehr auf das heimische Privat- und Firmenkundengeschäft konzentrieren soll.

Die Bank reagiert damit auf die Forderungen des britischen Finanzministers George Osborne: Ihm gehen die Verschlankungs- und Sparmaßnahmen auf dem Weg zur Re-Privatisierung noch nicht weit genug. Er hatte der RBS, die seit der Finanzkrise zu 83 Prozent in Staatsbesitz ist, aufgegeben, die Investmentbank nochmals einzudampfen - obwohl die Sparte in den vergangenen drei Jahren schon um die Hälfte geschrumpft ist. Die Bilanzsumme im Investmentbanking soll damit um rund 120 Milliarden auf 300 Milliarden Pfund zurückgehen. Analysten begrüßten den Abbau der Risiken. Die Aktie legte um 7,5 Prozent zu.

Die RBS hatte das nun zur Disposition stehende Geschäft größtenteils mit dem Kauf der niederländischen ABN Amro - der größten Bankfusion überhaupt - übernommen, an dessen Ende sie vom britischen Staat mit 46 Milliarden Pfund aufgefangen werden musste. Und die britischen Steuerzahler sitzen immer noch auf einem Verlust von 25 Milliarden Pfund. Mit den Bereichen, die sie aufgeben muss, verdiente die RBS in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres noch 220 Millionen Pfund, das Geschäft gilt derzeit aber als unprofitabel.

EIN GROSSES RAD

Die RBS hatte vor der Finanzkrise auch in Deutschland ein großes Rad gedreht und sich vor allem in der Finanzierung von milliardenschweren kreditfinanzierten Übernahmen engagiert - etwa als der Autozulieferer Schaeffler Continental schluckte. Damit holte sich die Bank unter der Ägide von Fred Goodwin hohe Risiken ins Haus. Zeitweise war sie - von den einheimischen Instituten abgesehen - der größte Kreditgeber deutscher Großkonzerne. Nun soll vom Investmentbanking nur das Geschäft mit festverzinslichen Papieren bleiben, in dem die RBS traditionell stark ist: dem Anleihehandel, Verbriefungen, der Begleitung bei der Begebung von Anleihen - und Devisenhandel. Die Investmentbanking-Sparte wird in “Märkte” und “Internationales Bankgeschäft” aufgeteilt.

Ende September beschäftigte die RBS im Investmentbanking insgesamt 18.900 Mitarbeiter. Bereits im zweiten Halbjahr 2011 wurden rund 2000 Stellen abgebaut. “Genug ist genug”, schimpfte David Fleming von der Gewerkschaft Unite. Seit 2008 seien bei der RBS schon 22.000 Stellen gestrichen worden. Während es an der Spitze der Bank um riesige Boni gehe, verlören immer mehr hart arbeitende Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Bei der in Irland und Nordirland vertretenen Ulster Bank sollen weitere 950 Stellen wegfallen. Die Bank steht unter öffentlichem Druck, seit ruchbar wurde, dass Vorstandschef Stephen Hester und der Chef der Investmentbanking-Sparte, John Hourican, millionenschwere Sonderzahlungen erwarten könnten. Hourican soll das verkleinerte Geschäft auch künftig führen.

Die Investmentbank Lazard war schon damit beauftragt worden, Käufer für Teile des RBS-Investmentbanking zu finden. Die Bank of China, die japanische Mizuho Financial und die britische Oriel Securities haben bereits ein Auge darauf geworfen. Für das australische Geschäft interessieren sich die australische ANZ und die Commonwealtn Bank of Australia, wie zwei Insider am Donnerstag sagten.

STREICHKONZERT ALLERORTEN

Die RBS folgt mit ihrem Streichkonzert einem Trend: Viele Großbanken trennen sich von Teilen des Investmentbanking, in denen sie keine Chance auf große Marktanteile sehen, und konzentrieren sich auf weniger risikoreiche Aktivitäten. So hatte die UBS kürzlich das Anleihen-Geschäft massiv zurückgefahren. Auch die hochfliegenden Pläne der japanischen Bank Nomura im Investmentbanking mit der Übernahme des Europa- und Asien-Geschäfts von Lehman Brothers sind einer Ernüchterung gewichen. Der von Lehman gekommene Sparten-Chef Jesse Bhattal, der die Übernahme damals mit eingefädelt hatte, hatte in dieser Woche nach hohen Verlusten seinen Rücktritt eingereicht. Auch die französische SocGen fährt derzeit riskante Geschäfte zurück und baut Arbeitsplätze ab, um sich wetterfest zu machen.

Geldhäuser haben seit dem Ausbruch der Finanzkrise weltweit mehr als 100.000 Jobs gekappt, da sie wegen der stärkeren Regulierung und der Schuldenkrise mit schrumpfenden Einnahmen rechnen.

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