September 5, 2018 / 11:03 AM / 2 months ago

Europäischer Haftbefehl gegen zwei Russen im Fall Skripal

Alexander Petrov and Ruslan Boshirov, who were formally accused of attempting to murder former Russian intelligence officer Sergei Skripal and his daughter Yulia in Salisbury, are seen on CCTV at Salisbury Station on March 3, 2018 in an image handed out by the Metropolitan Police in London, Britain September 5, 2018. Metroplitan Police handout via REUTERS FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

London/Moskau (Reuters) - Im Fall des vergifteten Ex-Spions Sergej Skripal hat die Staatsanwaltschaft in Großbritannien zwei Russen als Tatverdächtige identifiziert und einen europäischen Haftbefehl beantragt.

Die Behörde warf Alexander Petrow und Ruslan Boschirow am Mittwoch Mordversuch an Skripal und seiner Tochter Julia vor. Premierministerin Theresa May bezeichnete die beiden Männer als Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Der Nervengift-Anschlag sei womöglich eine Botschaft an andere Russen im Ausland gewesen. Das russische Außenministerium erklärte der Nachrichtenagentur RIA zufolge, bei Ermittlungen wie im Fall Skripal seien eine enge Kooperation und eine genaue Analyse nötig. Die beiden Verdächtigen seien unbekannt. Russland hat eine Verstrickung in den Fall stets bestritten.

May sagte dagegen im Parlament, der Geheimdienst GRU sei eine sehr disziplinierte Organisation mit einer straffen Kommandokette. Es sei daher kaum vorstellbar, dass die Staatsführung von dem Einsatz keine Kenntnis gehabt habe. “Es ist fast sicher, dass er auch von außerhalb des GRU auf hoher staatlichen Ebene genehmigt war”, sagte May. “Ich vermute, dass sie eine Botschaft an diejenigen Russen schicken wollten, die anderswo leben und die mit Angelegenheiten des russischen Staates zu tun hatten.” Es sei aber Sache Russlands zu erklären, was in Salisbury geschehen sei.

Skripal ist ehemaliger GRU-Offizier und hat als Doppelagent zahlreiche russische Spione an die Regierung in London verraten. Dafür war er in Russland zu langer Haft verurteilt worden. Er kam im Zuge eines Gefangenenaustauschs frei und lebte seitdem in England. Den britischen Behörden zufolge wurden Skripal und seine Tochter mit einem Mittel aus der Gruppe der Nowitschok-Nervengifte vergiftet, die das sowjetische Militär in den 1970er und 1980er Jahren entwickelt hatte.

Der Berater des russischen Präsidialamtes, Juri Uschakow, zeigte sich nach Bekanntgabe des Haftbefehls irritiert. Es sei schwer zu verstehen, was Großbritannien Russland damit sagen wolle, dass es die Namen zweier Verdächtiger veröffentliche. “Wir haben zwei Namen gehört oder gesehen”, sagte Uschakow. “Diese beiden Namen sagen mir persönlich gar nichts.”

POLIZEI: VERDÄCHTIGE WAREN ANFANG MÄRZ IN SALISBURY

“Wir werden bei Russland keine Auslieferung der beiden Männer beantragen, weil die russische Verfassung keine Auslieferung der eigenen Staatsbürger erlaubt”, sagte Sue Hemming von der britischen Staatsanwaltschaft. Allerdings sei der russische Geschäftsträger in London einbestellt worden, meldete die russische Nachrichtenagentur RIA. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax besprach der britische Botschafter in Moskau den Fall mit einem Europa-Abteilungsleiter im Außenministerium.

Neil Basu, der Chef der britischen Anti-Terror-Polizei, sagte, die beiden Männer seien unter falschem Namen gereist und etwa 40 Jahre alt. Sie hätten russische Pässe. Spuren des Nervengifts Nowitschok seien in dem Hotelzimmer in London entdeckt worden, wo sich die Verdächtigen aufgehalten hatten. Sie seien am 2. März in London-Gatwick mit einem Aeroflot-Flug angekommen und am 4. März abgereist. An zwei Tagen seien sie mit dem Zug nach Salisbury gefahren. Das zeigten Aufnahmen von Überwachungskameras in der Nähe von Skripals Haus. Am 4. März wurden Sergej und Julia Skripal Opfer des Nervengift-Anschlags.

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