March 6, 2018 / 8:52 AM / 3 months ago

Briten drohen Russland im Fall des Ex-Spions mit Sanktionen

Salisbury (Reuters) - Großbritannien hat Russland mit neuen Sanktionen gedroht, falls die Regierung in Moskau hinter der schweren Erkrankung eines Ex-Doppelagenten stecken sollte.

Police officers stand at crime scene tape, as a tent covers a park bench on which former Russian inteligence officer Sergei Skripal, and a woman were found unconscious after they had been exposed to an unknown substance, in Salisbury, Britain, March 6, 2018. REUTERS/Toby Melville

Der britische Außenminister Boris Johnson verwies am Dienstag vor dem Parlament in London auch auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland im Sommer. Regierungskreisen zufolge steht dabei aber nicht die Teilnahme des englischen Teams infrage, sondern der Besuch britischer Politiker und Würdenträger in Russland. Die britische Polizei suchte mit Hochdruck nach der Substanz, mit der der bewusstlos aufgefundene Ex-Spions Sergei Skripal und dessen Tochter in Kontakt kamen. Der Gesundheitszustand von beiden war nach Polizeiangaben weiter kritisch.

“Wenn ich an die Weltmeisterschaft in diesem Sommer denke, meine ich, dass eine normale Teilnahme des Vereinigten Königreichs sehr schwer vorstellbar ist”, sagte Johnson mit Blick auf Spekulationen über eine Rolle Russlands im Fall Skripal. Für die Fußball-WM vom 14. Juni bis 15. Juli in Russland hat sich das Team aus England qualifiziert, das in Gruppe G gegen Belgien, Tunesien und Panama antritt.

Johnson sagte zudem, es könne sehr gut sein, dass die britische Regierung gezwungen sei, sich die Sanktionen und andere Maßnahmen erneut anzusehen, wenn sich ein Verdacht gegen Russland bestätige. Es wäre aber falsch, voreilige Schlüsse aus den Ermittlungen zu ziehen. Die Regierung in London werde angemessen und robust reagieren. Klar sei, dass Russland auf verschiedene Art eine böse und zerstörerische Macht sei und Großbritannien in aller Welt versuche, diesen Aktivitäten entgegenzuwirken. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums nannte Johnsons Aussagen “wild”.

Johnson sagte nicht, ob er britische Sanktionen gegen Russland oder eine Verschärfung von EU-weiten Maßnahmen bevorzugt, die wegen der russischen Unterstützung von Separatisten in der Ost-Ukraine verhängt wurden. Er bestätigte, dass es sich bei den in der englischen Stadt Salisbury bewusstlos Aufgefunden um den 66-jährigen Skripal und dessen 33-jährige Tochter Yulia handelt. Sie waren Sonntag auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum aufgefunden worden. Beide befinden sich in einem kritischen Zustand in der Intensivstation eines Krankenhauses. Die Polizei riegelte das Gebiet, wo Skripal gefunden wurde, und eine Pizzeria im Stadtzentrum ab.

Es würden Zeugen befragt, forensische Proben genommen und toxikologische Untersuchungen ausgeführt, sagte der Chef der britischen Anti-Terror-Einheit Mark Rowley dem BBC-Hörfunk. Mit Blick auf den Giftmord am ehemaligen russischen Spion Alexander Litvinenko sagte er, man müsse sich der Tatsache bewusst sein, dass es eine staatliche Bedrohung gebe.

Für die Öffentlichkeit besteht nach offiziellen Angaben keine Gefahr. Zwei Polizeibeamte, die nach ihrem Einsatz mit Krankheitssymptomen ebenfalls ins Krankenhaus gebracht worden waren, konnten das Hospital einem BBC-Bericht zufolge wieder verlassen.

Skripal war Agent des russischen Militärgeheimdienstes GRU. 2006 wurde er in einem Geheimprozess in Russland wegen des Verrats russischer Spione an den britischen Geheimdienst zu 13 Jahren Haft verurteilt. 2010 kam er im Zuge eines Austauschs von Spionen zwischen Russland und westlichen Staaten nach Großbritannien.

Der Fall weckt Erinnerungen an den russischen Ex-Spion Litvinenko, der 2006 in London mit radioaktivem Polonium-210 vergiftet worden war. In einem britischen Untersuchungsbericht wurde dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, die Tat wahrscheinlich persönlich gebilligt zu haben. Das russische Präsidialamt hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Putin-Sprecher Dmitri Peskow bot den britischen Behörden eine Zusammenarbeit im Fall Skripal an. Bislang sei jedoch keine solche Anfrage eingegangen. Der Präsidialamtssprecher bezeichnete den Vorgang als “tragische Situation”. Über die Hintergründe habe er keine Informationen, auch nicht darüber, ob Skripal noch russischer Staatsbürger sei.

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