March 12, 2018 / 6:07 PM / 3 months ago

May - Russland wohl für Vergiftung von Ex-Spion verantwortlich

London (Reuters) - Nach der Giftattacke auf einen russischen Ex-Spion in England hat die britische Premierministerin Theresa May die Regierung in Moskau scharf angegriffen.

The forensic tent, covering the bench where Sergei Skripal and his daughter Yulia were found, is repositioned by officials in protective suits in the centre of Salisbury, Britain, March 8, 2018. REUTERS/Peter Nicholls

Russland sei “sehr wahrscheinlich” für die Vergiftung von Sergej Skripal und dessen Tochter Julia verantwortlich, sagte May am Montag im Parlament in London. Entweder sei Russland bei der Attacke federführend gewesen oder habe zugelassen, dass das Gift weitergegeben worden sei. Das vom Militär genutzte Mittel aus der Gruppe der Nowitschok-Nervengifte sei in Russland entwickelt worden. Die Regierung in Moskau wies die Vorwürfe zurück. Präsident Wladimir Putin hatte bereits vor voreiligen Schlüssen gewarnt.

May sagte, sie könne im Umgang mit Russland nicht zur Tagesordnung übergehen. Der russische Botschafter sei daher einbestellt worden und müsse Erklärungen liefern. Großbritannien sei bereit, “noch weit drastischere” Maßnahmen gegen Russland zu ergreifen, als man dies bereits getan habe. Am Mittwoch werde ihr Land die Antwort Moskaus bewerten. “Sollte es keine glaubwürdige Antwort geben, werden wir feststellen, dass es einen gesetzeswidrigen Einsatz von Gewalt des russischen Staates gegen das Vereinigte Königreich gab.” Beide Seiten haben ohnehin schon angespannte Beziehungen.

Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums wies die Anschuldigungen zurück. “Das ist eine Zirkusvorstellung im britischen Parlament”, sagte Maria Sacharowa der Agentur Tass. “Es ist eine weitere politische Kampagne, die auf Provokationen gründet.” Putin hatte zuvor nach Angaben eines BBC-Reporters gesagt, Großbritannien müssen den Vorfällen erst auf den Grund gehen. “Dann werden wir darüber sprechen.”

Der 66-jährige Sergej Skripal und seine 33-jährige Tochter waren am 4. März vor einem Einkaufszentrum in der südenglischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einer Klinik um ihr Leben. Auch ein Polizist, der vor Ort war, wird schwer erkrankt behandelt.

ERINNERUNGEN AN LITWINENKO

Skripal hatte Dutzende russische Agenten an den britischen Geheimdienst verraten, bevor er 2004 im Moskau inhaftiert wurde. 2006 wurde er zu 13 Jahren Haft verurteilt. 2010 fand er dann in Großbritannien Zuflucht, nachdem er im Gegenzug für die Freilassung von russischen Spionen auf freien Fuß kam. Aus US-Geheimdienstkreisen hieß es zuletzt, die Hauptannahme der Ermittler sei, dass das Nervengift von russischer Seite eingesetzt worden sei, um Skripal für seinen Verrat als russisch-britischer Doppelagent zu bestrafen.

Im staatlichen russischen Fernsehen hieß es am Sonntag indes, die Briten könnten Skripal selbst vergiftet haben, um die Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer zu stören, deren Gastgeber Russland ist.

Der Fall Skripal weckt Erinnerungen an den russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko. Er wurde 2006 in London mit radioaktivem Polonium-210 vergiftet. Putin wurde in einem britischen Untersuchungsbericht vorgeworfen, die Tat wahrscheinlich persönlich gebilligt zu haben. Das russische Präsidialamt hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

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