June 21, 2018 / 11:36 AM / a month ago

Britische Notenbank nährt Spekulationen für Zinserhöhung

London (Reuters) - In der britischen Notenbank mehren sich die Stimmen für höhere Zinsen und machen so eine Anhebung im August wahrscheinlicher.

People sunbathe on the banks of the River Thames in view of London financial district in London, Britain May 7, 2018. REUTERS/Simon Dawson

Die Bank of England (BoE) beließ den geldpolitischen Schlüsselsatz am Donnerstag zwar bei 0,5 Prozent. Doch drei der neun Führungsmitglieder votierten für eine Erhöhung - darunter der einflussreiche Chefvolkswirt Andy Haldane. Experten hatten nur mit zwei Gegenstimmen gerechnet, die es auch bei vorigen Zinssitzungen bereits gab. Für eine Erhöhung spricht auch, dass die BoE mit einer Belebung der Wirtschaft rechnet, nachdem die Konjunktur zu Jahresbeginn eingebrochen war. “Sie hält die Tür für eine Zinserhöhung im August weit offen”, meint Ökonom James Smith von der Bank ING.

Die Spekulationen auf eine nahende Zinsanhebung beflügelten den Pfund-Kurs. Die Währung kletterte um 0,4 Prozent auf 1,3228 Dollar. Zuvor war sie mit 1,3139 Dollar so billig gewesen wie zuletzt vor sieben Monaten. Die Wirtschaft auf der Insel war zu Jahresbeginn durch ungewöhnlich raues Winterwetter mit viel Eis und Schnee ausgebremst worden. Notenbankchef Mark Carney hatte das Mini-Wachstum von 0,1 Prozent jüngst als vorübergehend bezeichnet. Dieser Einschätzung schloss sich das Führungsgremium der Bank of England nun an. Es erwartet für das zweite Quartal ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 0,4 Prozent.

Zugleich signalisierten die Währungshüter, dass künftige Zinserhöhungen wahrscheinlich schrittweise und begrenzt ausfallen dürften. Mit einer strafferen Geldpolitik soll nach der Delle zu Jahresbeginn mittelfristig einer Überhitzung der Wirtschaft vorgebeugt werden, die derzeit von der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit 1975 gekennzeichnet ist. Die Londoner Währungshüter hatten im November 2017 erstmals seit einem Jahrzehnt die Zügel gestrafft - nicht zuletzt wegen der vergleichsweise hohen Inflation. Grund dafür ist, dass das Pfund seit dem Brexit-Votum im Sommer 2016 schwächelt, wodurch sich Importe verteuern. Dies zehrt an der Kaufkraft der Briten. Zudem investieren viele Firmen weniger, auch wegen der Unsicherheit über die künftigen Handelsbeziehungen nach dem geplanten EU-Ausstieg Ende März 2019.

Die BoE hatte in der zurückliegenden Wirtschaftskrise wie andere Notenbank auch damit begonnen, Staatsanleihen in großen Stil aufzukaufen um so die Konjunktur anzukurbeln. Sie hat mittlerweile einen Bestand an solchen Wertpapieren im Volumen von 435 Milliarden Pfund (495,2 Milliarden Euro) in ihrer Bilanz. Sie bereitete die Märkte nun darauf vor, dass sie diesen früher als bislang signalisiert abzuschmelzen gedenkt. Sie will damit beginnen, wenn der Leitzins eine Höhe von 1,5 Prozent erreicht hat. Zuvor hatte sie für dieses geldpolitische Straffungsmanöver ein Niveau von zwei Prozent für nötig gehalten.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below