February 2, 2011 / 4:21 PM / 9 years ago

Eskalation in Ägypten - Angriff auf Oppositionelle

Kairo (Reuters) - Der Machtkampf in Ägypten eskaliert.

Einen Tag nach der Rückzugs-Ankündigung von Präsident Husni Mubarak griffen dessen mutmaßliche Anhänger zum Teil auf Pferden eine Kundgebung der Opposition auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos an. Die Armee sah tatenlos zu. Dutzende Menschen wurden durch Steinwürfe, Knüppel und Faustschläge verletzt. Schüsse waren zu hören. Unter den Angreifen machten Regierungsgegner Polizisten in Zivilkleidung aus. Nobelpreisträger Mohamed ElBaradei äußerte sich besorgt und warf der Regierung Mubaraks kriminelle Methoden vor. Das Ausland verstärkte den Druck auf den Staatschef, der im September nach 30 Jahren aus dem Amt scheiden will, den sofortigen Rücktritt aber ablehnt.

Kurz vor den Zusammenstößen auf den Tahrir-Platz hatte die Armee am Mittwoch die Opposition zur Einstellung der Proteste aufgerufen. Die Forderungen der Demonstranten seien erfüllt. Nun gelte es, zum normalen Leben zurückzukehren. Dessen ungeachtet bekräftigte die Opposition, wie geplant am Freitag erneut gegen Mubarak zu demonstrieren. Sie rief zu einem Sternmarsch auf Kairo auf. Mit Vizepräsident Omar Suleiman werde die Opposition erst nach Mubaraks Rücktritt über politische Reformen reden.

Am Nachmittag griffen Hunderte mutmaßliche Anhänger Mubaraks den Tahrir-Platz an, auf dem sich etwa 1500 Regierungsgegner versammelt hatten. Einige der Angreifer ritten auf Pferden und Kamelen auf den Platz und schwangen Peitschen oder Knüppel. Andere lieferten sich Schlägereien mit Oppositionellen, die sich mit Steinen und Stöcken zur Wehr setzten. Auf dem Tahrir-Platz hatten am Dienstag Hunderttausende ohne Zwischenfälle für den Rücktritt des seit drei Jahrzehnten autoritär regierenden Staatschefs demonstriert.

ElBaradei verurteilte den Sturm auf den Tahrir-Platz. Das Vorgehen der Mubarak-Anhänger sei “ein weiteres Anzeichen, dass sich ein kriminelles Regime krimineller Methoden bedient”, sagte ElBaradei dem BBC-Hörfunk. Er sei zutiefst besorgt. “Ich habe Sorge, dass es in einem Blutbad endet.” Die Pro-Mubarak-Demonstranten seien ein “Haufen Schläger”. Das Innenministerium wies Vorwürfe der Opposition zurück, unter den Angreifern des Tahrir-Platzes seien Polizisten in zivil.

INTERNATIONALER DRUCK AUF MUBARAK

Auch die USA hielten den Druck auf ihren langjährigen Verbündeten Mubarak aufrecht. Präsident Barack Obama telefonierte kurz nach dessen Rückzugsankündigung mit dem Staatschef und forderte den sofortigen Machtwechsel. “Ich habe Präsident Mubarak heute Abend klargemacht, dass ein ordnungsgemäßer Machtwechsel bedeutsam, friedlich und sofort sein muss”, sagte Obama nach dem 30-minütigen Telefonat. Ähnliche Forderungen kamen vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte vor einem Herausschieben der Veränderungen. Der demokratische Wandel müsse jetzt beginnen, forderte Westerwelle in Berlin. Die Bundesregierung stehe in Kontakt mit der Regierung in Kairo und mit Oppositionspolitikern.

Die internationale Unterstützung für Mubarak, der sich jahrelang erfolgreich als Bollwerk gegen den Islamismus angepriesen hatte, ist in den vergangenen Tagen dramatisch geschwunden. Ermunterung kam lediglich von Saudi-Arabien, dem nach Einschätzung einiger Experten ebenfalls eine Volkserhebung droht.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below