November 1, 2013 / 3:58 PM / in 5 years

Spannungen in Ägypten wachsen vor Mursi-Prozess

Kairo (Reuters) - In Ägypten wachsen die Spannungen kurz vor Beginn des Prozesses gegen den gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi. Dessen Anhänger protestierten am Freitag in mehreren Städten gegen das Verfahren, in dem Mursi Anstachelung zur Gewalt vorgeworfen wird. Einen Tag vor Beginn des Prozesses am Montag will US-Außenminister John Kerry Ägypten besuchen - zum ersten Mal seit dem Sturz des gewählten Präsidenten Anfang Juli.

Hunderte Demonstranten folgten dem Aufruf von Islamisten, jeden Tag gegen den Prozess gegen Mursi zu demonstrieren. Bei Krawallen in Alexandria zwischen Anhängern und Gegnern Mursis wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen sieben Menschen verletzt. Ein Dutzend Islamisten sei festgenommen worden. Auch in Kairo kam es zu Auseinandersetzungen.

Neben Mursi müssen sich auch 14 Anführer der islamistischen Muslimbruderschaft, die den Ex-Präsidenten unterstützt, vor Gericht verantworten. Die Anklage gegen Mursi bezieht sich auf Folter und Tötung von Demonstranten vor dem Präsidentenpalast. Auch für Montag haben die Muslimbrüder zu Kundgebungen vor einem Polizeigebäude in der Nähe des berüchtigten Tora-Gefängnisses aufgerufen, wo der Prozess vermutlich stattfinden wird. Mursi wird seit seinem Sturz an einem nicht bekannten Ort gefangengehalten.

22 ISLAMISTINNEN FESTGENOMMEN

Bereits am Donnerstag nahmen Sicherheitskräfte 22 Anhängerinnen der Muslimbruderschaft fest. Den Frauen werde vorgeworfen, während Protesten mit Gewalt den Straßenverkehr gestört zu haben, sagte Nasser al-Abd, ein führendes Mitglied der Sicherheitskräfte in Alexandria. Sie hätten Flugblätter verteilt und gehörten einer verbotenen Gruppe an. Ein Anwalt der Frauen sagte, diese seien zwischen 15 und 25 Jahre alt.

Abd wies Vorwürfe von Angehörigen zurück, die Frauen seien misshandelt worden. “Wir behandeln sie mit dem größten Respekt, wie unsere eigenen Kinder”, sagte er. “Wir haben auch erlaubt, dass ihre Eltern sie besuchen.” Seit Mursis Sturz durch das Militär am 3. Juli haben Sicherheitskräfte Tausende Islamisten verhaftet. Frauen waren allerdings selten darunter. Hunderte Muslimbrüder wurden seither getötet, ihre Anführer sitzen hinter Gittern. Das nährt die Sorge, dass sich Islamisten mit Waffengewalt gegen die Führung erheben könnten.

Auch die USA haben sich besorgt geäußert und die ägyptische Führung mehrfach gedrängt, die Demokratie wiederherzustellen und sich nachgiebiger gegenüber den Muslimbrüdern zu zeigen. Am Sonntag will Kerry der staatlichen Nachrichtenagentur Mena zufolge für einige Stunden nach Ägypten reisen.

Islamisten und Menschenrechtsgruppen werfen dem Militär vor, in einem Putsch den gewählten Präsidenten gestürzt zu haben und zum Regime des langjährigen Machthabers Husni Mubarak zurückkehren zu wollen. Die Armee hält dagegen, sie habe auf die anhaltenden Massenproteste gegen Mursi reagiert.

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