February 11, 2011 / 6:38 PM / 8 years ago

Demokratiebewegung vertreibt Mubarak aus dem Amt

Anti-government protesters celebrate inside Tahrir Square after the announcement of Egyptian President Hosni Mubarak's resignation in Cairo February 11, 2011. REUTERS/Dylan Martinez

Kairo (Reuters) - Ägyptens Präsident Husni Mubarak hat den Machtkampf mit der Demokratiebewegung verloren und ist nach 30 Jahren im Amt abgetreten.

In dem bevölkerungsreichsten Land der arabischen Welt übernimmt ein Militärrat unter Führung des Verteidigungsministers die Macht. Auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos feierten Hunderttausende Demonstranten euphorisch den herbeigesehnten Schritt. Die Menschen brachen in Tränen aus, umarmten sich und riefen: “Das Volk hat das Regime zu Fall gebracht.” Weltweit äußerten Regierungschefs Respekt für den Schritt des autokratischen Machthabers.

Die Ära Mubarak fand mit der Revolte gegen die hohe Arbeitslosigkeit, eine korrupte Elite und einen repressiven Polizeistaat ein jähes Ende. Beobachter rechnen mit Erschütterungen in weiteren autokratisch regierten Ländern in der arabischen Welt. Der frühere Luftwaffenoffizier hatte in Ägypten seit 1981 mit fester Hand geherrscht. Der Oppositionspolitiker und Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei sprach vielen Ägyptern, die einen Rücktritt seit 18 Tagen auf den Straßen erzwingen wollten, aus dem Herzen: “Das ist der größte Tag in meinen Leben.”

RÜCKTRITT NOCH AM VORTAG ABGELEHNT

Noch am Donnerstagabend hatte der 82-jährige Staatschef einen Rücktritt abgelehnt, seinem Vize Omar Suleiman aber einige Vollmachten übertragen. Die Kernforderung der Demonstranten blieb aber unerfüllt. Auch die Zusicherung des mächtigen Militärs, demokratische Reformen zu garantieren, beruhigte die Massen nicht: Tausende Demonstranten machten sich am Freitag zum Sturm auf den Präsidentenpalast auf.

Mubarak verließ am Nachmittag Kairo und flog nach Angaben aus der Regierungspartei mit seiner Familie zum Badeort Scharm El-Scheich, wo es eine Präsidentenresidenz gibt. Um die Lage zu deeskalieren und die Protestwelle zu beenden, garantierte die Armee die Reformzusagen Mubaraks vom Donnerstagabend. Diese umfassen unter anderem die Aufhebung des seit 30 Jahren bestehenden Notstandes.

MERKEL: MUBARAK HAT SEINEM VOLK DIENST ERWIESEN

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton begrüßten den Schritt Mubaraks ebenso wie die US-Regierung. Der Präsident habe seinem Volk einen letzten Dienst erwiesen, sagte Merkel und drängte auf freie Wahlen, welche die ägyptische Regierung für September zugesagt hat. US-Vizepräsident Joe Biden nannte den Rücktritt einen zentralen Moment in der Geschichte des Landes und des Nahen Ostens. Die Machtübergabe müsse eine nicht mehr rückgängig zu machende Veränderung einläuten. Die oppositionelle Muslimbruderschaft sprach von einem Sieg für das ägyptische Volk. Das Hauptziel sei mit Mubaraks Rücktritt erreicht, teilte die wohl am besten organisierte und bis vor kurzem verbotene Oppositionsgruppe mit. Die sich seit Tagen zuspitzende Konfrontation hatte auch im Westen Sorgen vor einem Ausbruch unkontrollierter Gewalt in der ölreichen Region geschürt.

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