November 24, 2017 / 3:24 PM / 21 days ago

Mindestens 235 Tote bei Anschlag auf Moschee auf dem Sinai

Kairo (Reuters) - Bei einem Anschlag auf eine Moschee im Norden der ägyptischen Halbinsel Sinai haben Extremisten während des traditionellen Freitagsgebets mindestens 235 Menschen getötet und 109 weitere verletzt.

A minaret of mosque is seen in front of the Giza pyramids area, on the outskirts of Cairo, Egypt Septamber 10, 2017. REUTERS/Amr Abdallah Dalsh

Zunächst explodierte bei dem schlimmsten Anschlag dieser Art in Ägyptens jüngerer Geschichte eine Bombe in dem Gotteshaus. Als die Gläubigen dann aus dem Gebäude flüchteten, gerieten sie in den Kugelhagel von etwa 40 Bewaffneten, die vor der Moschee in vier Jeeps gewartet hatten und das Feuer aus unterschiedlichen Richtungen eröffneten. “Sie schossen auch auf die Krankenwagen”, sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur Reuters. Wenige Stunden später flog das Militär Sicherheitskreisen zufolge mehrere Luftangriffe in der Region. “Die Streitkräfte und die Polizei werden unsere Märtyrer rächen und Sicherheit und Stabilität mit äußerster Gewalt wieder herstellen”, sagte Präsident Abdel Fattah al-Sissi in einer Fernsehansprache.

Die Tat reklamierte zunächst niemand für sich. Der Verdacht fiel jedoch auf Extremisten, die Verbindungen zur Extremistenmiliz Islamischen Staat (IS) haben. Ein Angriff auf eine Moschee wäre jedoch eine neue Vorgehensweise der Islamisten. Bislang haben sie auf dem Sinai vornehmlich gegen Soldaten und Polizisten gekämpft und Hunderte von ihnen getötet. Auch lokale Stämme und deren Milizen, die mit den staatlichen Einheiten zusammenarbeiten, wurden angegriffen. Vor einigen Monaten stellte der IS ein Video online, das die Enthauptung von zwei Anhängern des Sufismus zeigt. Der IS warf ihnen Hexerei vor. Der Sender Arabija berichtete, die Menschen in der Moschee seien Sufis gewesen.

“Sie haben auf die Menschen geschossen, als diese aus der Moschee kamen” berichtete ein Bewohner des Orts Bir al-Abed, in dem der Angriff verübt wurde. Die staatlichen Medien zeigten Bilder aus der Al-Rawdah-Moschee, auf denen blutüberströmte Opfer und mit Tüchern abgedeckte Leichen zu sehen waren. Präsident Sissi berief ein Krisentreffen mit dem Verteidigungsminister und dem Geheimdienstchef ein. Der frühere General, der sich als Bollwerk gegen den islamischen Extremismus sieht, versprach, dass die Tat nicht ungesühnt bleiben werde. Alle, die “an diesem feigen Angriff” in irgendeiner Form beteiligt gewesen seien, würden zur Rechenschaft gezogen werden.

TRUMP: MÜSSEN TERRORISTEN MILITÄRISCH BESIEGEN

US-Präsident Donald Trump sprach von einem “schrecklichen und feigen terroristischen Angriff” auf unschuldige Gläubige. Auf Twitter schrieb er, die Welt dürfe Terrorismus nicht tolerieren. “Wir müssen sie militärisch besiegen und die extremistische Ideologie, die die Basis ihrer Existenz bildet, diskreditieren.” Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte in einem Kondolenzschreiben an Sissi “diesen niederträchtigen Anschlag auf das Schärfste”. Deutschland werde im Kampf gegen den Terror weiter an der Seite Ägyptens stehen. Ähnlich äußerte sich Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian. Die ägyptische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Die Sicherheitslage auf dem Sinai ist seit Jahren angespannt. Besonders zugespitzt hat sie sich nach dem Militärputsch 2013 unter Sissis Führung gegen den damaligen Präsidenten Mohammed Mursi von der islamistischen Muslimbruderschaft. Seitdem starben Hunderte Menschen bei Anschlägen und Kämpfen. Im Juli etwa kamen bei zwei Selbstmordanschlägen auf Kontrollposten des Militärs mindestens 23 Soldaten ums Leben. Zu diesen Taten hat sich der IS bekannt.

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