February 1, 2011 / 2:17 PM / 8 years ago

Über eine Million Ägypter protestieren gegen Mubarak

Kairo (Reuters) - Mehr als eine Million Ägypter haben mit landesweiten Protesten den Rücktritt des zunehmend isolierten Präsidenten Husni Mubarak gefordert.

Demonstration auf dem Tahrir-Platz in Kairo am 1. Februar 2011. REUTERS/Amr Abdallah Dalsh

Es waren die größten Demonstrationen in der modernen Geschichte des arabischen Landes. Allein im Zentrum Kairos kamen am Dienstag mehr als 200.000 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten zusammen. Das Militär, bislang die wichtigste Säule im Machtapparat Mubaraks, hielt sich demonstrativ zurück. Zwar errichteten die Soldaten auf dem zentralen Tahrir-Platz Stacheldrahtbarrikaden, aber anders als die Polizei am vergangenen Freitag griffen sie nicht ein, als immer mehr Demonstranten am Dienstag auf den Platz strömten und ihrem Ärger auf den 82-Jährigen sowie wegen Korruption, Misswirtschaft und jahrzehntelanger Unterdrückung Luft machten.

Auch in anderen Großstädten wie Alexandria und Suez folgten Zehntausende dem Aufruf der Opposition zum “Marsch der Million”. Mit Sprechchören wie “Hau ab, hau ab, Revolution überall” oder “Wach auf, heute ist Dein letzter Tag” forderten sie ein Ende der seit 30 Jahren währenden Ära Mubarak. Das Auswärtige Amt in Berlin riet von Reisen nach ganz Ägypten einschließlich der Urlaubsgebiete am Roten Meer ausdrücklich ab. Einige Touristikkonzerne strichen Ägyptenreisen bis Mitte Februar.

Viele Menschen hatten bereits die ganze Nacht auf dem Tahrir-Platz ausgeharrt. Zumindest teilweise von den Vorgängen in Tunesien inspiriert, wo der Präsident nach wochenlangen Protesten vor seinem Volk floh, machen die Ägypter seit gut einer Woche ihrem Unmut Luft. Mit einer als halbherzig empfundenen Regierungsumbildung oder den vom neuen Vize-Präsidenten Omar Suleiman in Aussicht gestellten Zugeständnissen wie eine Verfassungsreform wollen sie sich nicht abspeisen lassen. “Wir akzeptieren von Mubarak nichts anderes, als dass er sich in ein Flugzeug setzt und verschwindet”, sagte ein Demonstrant.

Der Wortführer der Opposition, Mohamed ElBaradei, forderte Mubarak auf, das Land zu verlassen. “Es kann einen Dialog geben”, sagte der Friedensnobelpreisträger im Fernsehsender Al-Arabija. Das sei aber nur möglich, wenn die Forderungen des Volkes erfüllt seien. Die erste Forderung laute, dass Mubarak zurücktrete. “Wenn Präsident Mubarak geht, dann wird alles korrekt laufen.” Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan riet Mubarak, auf die Forderungen der Bevölkerung zu hören. Die politischen Probleme müssten mit Wahlen gelöst werden.

WEITERE ENTWICKLUNG UNGEWISS

Experten räumen Mubarak kaum noch Chancen auf einen Machterhalt ein. Es gehe jetzt darum, dem Staatschef einen Abgang zu ermöglichen, bei dem dieser sein Gesicht waren könne, sagte etwa Steven Cook vom renommierten Council on Foreign Relations. Den vermutlich entscheidenden Stoß bekam Mubarak von seinen Generälen versetzt, die am Montag klargemacht hatten, dass sie keine Gewalt gegen friedliche Demonstranten einsetzen würden. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte während eines Israel-Besuchs, es sei ein wichtiges Signal gewesen, “dass die Armee gesagt hat, es ist ein Recht der Menschen zu demonstrieren”. Trotzdem sei damit eine Unbestimmtheit verbunden, wie der politische Prozess in Ägypten weitergehen werde. “Wir können nur hoffen, dass all das wirklich friedlich verlaufen wird.”

Es wird befürchtet, dass radikal-islamische Gruppierungen an die Macht kommen könnten. Der Autokrat Mubarak hat sich im Westen erfolgreich als Bollwerk gegen Islamisten verkauft. Doch im Zuge der seit einer Woche anhaltenden Proteste treten nun oppositionelle Gruppen zunehmend selbstbewusster auf, etwa die Muslimbrüder, die zwar in den 50er Jahren der Gewalt abschworen, aber unverändert antiisraelisch und antiamerikanisch sind.

Ihren Reisehinweis verschärfte die Bundesregierung angesichts der Entwicklung in Ägypten abermals. “Das Auswärtige Amt rät von Reisen nach ganz Ägypten dringend ab”, sagte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin. “Das schließt ausdrücklich die Touristengebiete am Roten Meer ein.” Die US-Regierung zog einen Großteil ihrer Mitarbeiter in dem Land ab.

- von Shaimaa Fayed und Alexander Dziadosz -

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