August 4, 2013 / 12:52 PM / 5 years ago

Erste Kompromisssignale in Ägypten seit Mursis Sturz

Kairo (Reuters) - In Ägypten gibt es einen Monat nach dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi erstmals Zeichen einer Entspannung.

Supporters of deposed Egyptian President Mohamed Mursi survey the surroundings behind a makeshift barrier of sand bags built to demarcate their sit-in area around Raba' al-Adawya mosque, east of Cairo, August 3, 2013. Egypt's army-backed rulers and allies of its deposed Islamist president gave the first signs on Saturday of a readiness to compromise, pressed by Western envoys trying to head off more bloodshed. REUTERS/Asmaa Waguih (EGYPT - Tags: POLITICS CIVIL UNREST) - RTX129NL

Unter dem Druck westlicher Vermittler signalisierten am Wochenende die seit Wochen in Protestcamps ausharrenden Mursi-Anhänger wie auch die vom Militär eingesetzte Übergangsregierung Kompromissbereitschaft. Während das islamistische Mursi-Lager den Willen zu Gesprächen mit den weltlichen Parteien bekundete, sicherte das Innenministerium den Demonstranten freies Geleit und eine “politische Integration” zu. Beide Seiten hatten zuvor mit Gesandten aus den USA und der EU verhandelt, die zunächst vor allem weitere tödliche Zusammenstöße verhindern wollten. Seit Mursis Absetzung am 3. Juli sind bei Unruhen fast 300 Menschen ums Leben gekommen.

Die Pro-Musi-Allianz erkannte zum ersten Mal überhaupt an, dass aus Unzufriedenheit mit dem damaligen Präsidenten Millionen Menschen gegen eine schleichende Islamisierung des bevölkerungsreichsten arabischen Landes und gegen die Wirtschaftsmisere protestiert hatten. “Ich respektiere und halte die Forderungen der Massen in Ehren, die am 30. Juni auf die Straße gegangen sind”, sagte ein Sprecher der Allianz der Nachrichtenagentur Reuters. Er forderte eine Lösung, die “alle Wünsche des Volkes” respektiere, und äußerte die Bereitschaft zu Verhandlungen mit der Nationalen Heilsfront, in der die weltlichen Parteien der Übergangsregierung zusammengeschlossen sind. Die vom Militär ausgesetzte Verfassung müsse wieder in Kraft gesetzt werden. Ferner dürfe Armeechef Abdel Fattah al-Sissi nicht am politischen Dialog über die Zukunft Ägyptens beteiligt werden, verlangen Mursis Anhänger.

Zugleich halten sie offenbar nicht mehr zwingend daran fest, dass Mursi, der vom Militär an einem unbekannten Ort festgehalten wird, als Präsident wieder eingesetzt wird. Das sei ein Detail für künftige Gespräche, sagte der Sprecher der Pro-Mursi-Allianz. Dieser ist nach den Worten eines westlichen Diplomaten zwar klar, dass Mursi nicht ins Amt zurückkehren könne. Sie gehe aber mit dieser Forderung in die Verhandlungen, um ihre Position zu stärken.

ZUM ZUSAMMENLEBEN VERDAMMT

Die Übergangsregierung pocht zwar weiter auf eine Schließung der beiden Camps von Mursi-Anhängern in Kairo. Sie machte aber deutlich, dass sie auf eine Blockade setze und nicht auf eine Stürmung - die wohl neues Blutvergießen nach sich ziehen würde. Interimsvizepräsident Mohamed ElBaradei sagte im Fernsehen: “Es gibt keine Lösung in Ägypten, die sich auf Ausschluss gründen kann. Salafisten, Muslimbruderschaft, Säkulare, Liberale und wer auch immer - wir sind zum Zusammenleben verdammt.” Die Gespräche mit den ausländischen Gesandten konzentrierten sich auf konkrete Schritte, um die Spannungen abzubauen.

Militärchef Al-Sissi, der seit dem Sturz Mursis der starke Mann Ägyptens ist, deutete in einem Interview der “Washington Post” an, dass er trotz steigender Popularität das Präsidentenamt ausschließe. Er beschrieb sich darin als einen Menschen, der nicht nach der Herrschaft strebe.

AL-KAIDA FÜR SCHARIA STATT DEMOKRATIE IN ÄGYPTEN

Unterdessen schaltete sich die Extremisten-Organisation Al-Kaida per Internetbotschaft in den Konflikt ein und forderte die Muslimbrüder auf, sich für eine Regierung auf Grundlage des islamischen Rechts einzusetzen. In einer auf mehreren radikal-islamischen Webseiten veröffentlichten Tonaufnahme sagte Al-Kaida-Chef Ajman al-Sawahri, die Entwicklungen in Ägypten seien der beste Beweis dafür, dass Demokratie als Weg zur islamischen Herrschaft nicht tauge. Hintergrund sind Äußerungen von US-Außenminister John Kerry, der die Absetzung Mursis am Donnerstag als “Wiederherstellung der Demokratie” verteidigt hatte. Dies war von den Muslimbrüdern, aber auch von etlichen deutschen Politikern kritisiert worden.

- von Tom Perry und Matt Robinson

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