November 15, 2019 / 7:56 AM / a month ago

Hongkong berichtet von Angriff auf Justizministerin in London

Secretary of Justice Teresa Cheng attends a ceremony to mark the beginning of the legal year in Hong Kong, China January 8, 2018. REUTERS/Bobby Yip

Hongkong/London (Reuters) - Die Proteste gegen die Hongkonger Regierung haben eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Nach Angaben der Führung in der chinesischen Sonderverwaltungszone wurde Justizministerin Teresa Cheng bei einem Besuch in London von Demonstranten angegriffen und verletzt. Das wäre die erste direkte Auseinandersetzung zwischen einem Hongkonger Regierungsmitglied und Demonstranten - noch dazu im Ausland. Cheng war in der britischen Hauptstadt, um für Hongkong unter anderem als Geschäftsmetropole zu werben. Die britische Polizei erklärte, die mutmaßliche Attacke werde überprüft.

Der Hongkonger Regierung zufolge hat Cheng “schwere körperliche Schäden” erlitten. Die chinesische Botschaft in London teilte mit, Cheng sei zu Boden gedrückt und an der Hand verletzt worden. China legte offiziell Beschwerde in Großbritannien ein und forderte, dass die mutmaßlichen Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Die Polizei in London teilte dazu lediglich mit, eine Frau sei in ein Krankenhaus gebracht worden. Sie sei am Arm verletzt worden. Die genauen Umstände würden nun ermittelt. Es habe bislang keine Festnahme gegeben.

In Hongkong selbst hat sich die Lage in den vergangenen Tagen zugespitzt. Demonstranten legten erneut weite Teile der Stadt lahm. Schulen blieben geschlossen, Autobahnen wurden blockiert. Nach Behördenangaben starb am Donnerstag ein 70 Jahre alter Straßenkehrer, der offenbar der erste Tote infolge von Gewalt seitens der Demonstranten ist. Auf Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, dass der Mann am Kopf von einem Ziegelstein getroffen wurde, der von einem maskierten Demonstranten geworfen worden war. Anfang des Monats war ein Student gestorben, nachdem er bei Protesten in einem Parkhaus von einem Stockwerk gestürzt war.

Die Kundgebungen hatten im Juni als Widerstand gegen einen inzwischen zurückgezogenen Gesetzentwurf begonnen, der Auslieferungen Beschuldigter an China ermöglichen sollte. Doch die Demonstranten sehen auch allgemeine Freiheiten gefährdet, die die ehemalige britische Kronkolonie seit der Übergabe an die Volksrepublik China 1997 genießt und setzten ihre Proteste fort.

Diese und die zunehmende Gewalt auf beiden Seiten wirken sich auf die Wirtschaft Hongkongs aus. Touristen bleiben aus. Die Umsätze der Einzelhändler und Hotels brechen ein. Die Regierung bestätigte ihre vorläufigen Daten für das dritte Quartal, wonach die Finanzmetropole erstmals seit einem Jahrzehnt in die Rezession gerutscht ist. Danach schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt saisonbereinigt von Juli bis September um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Es ist das zweite Vierteljahr in Folge mit einem Rückgang, was eine technische Rezession bedeutet. Hongkong steckt in der schwersten Krise seit der Übergabe an China.

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