November 18, 2019 / 6:31 AM / a month ago

Hongkongs Polizei kesselt Demonstranten in Universität ein

Police detain protesters who attempt to leave the campus of Hong Kong Polytechnic University (PolyU) during clashes with police in Hong Kong, China November 18, 2019. REUTERS/Tyrone Siu

- von Jessie Pang und James Pomfret

Hongkong (Reuters) - In Hongkong eskaliert die Gewalt zwischen Sicherheitskräften und Regierungsgegnern zunehmend.

Am Montag kesselte die Polizei Demonstranten in einer Universität ein. Sie errichtete Absperrungen um den Komplex und schlug mehrere Ausbruchsversuche mit Gummigeschossen und Tränengas zurück. Einige Demonstranten wurden von Beamten zu Boden gerissen und mit vorgehaltener Waffe festgenommen. Auf dem Campus der Polytechnischen Universität verschanzten sich Hunderte Menschen mit Brandsätzen und selbstgebauten Waffen. Die Polizei erklärte, man habe die Anführer eine Woche lang aufgefordert, den Komplex zu verlassen. “Alle unserer Warnungen wurden ignoriert.” Aus der Universität seien gefährliche Chemikalien gestohlen worden. Inzwischen sei der Campus “ein Pulverfass”, von dem eine nicht mehr zu überblickende Gefahr ausgehe.

China Großbritannien-Botschafter Liu Xiaoming sprach in London von illegalen Aktivitäten, die nichts mit Demokratie oder Freiheit zu tun hätten. Hongkong sei in eine extrem gefährliche Lage gebracht worden. Er warf dem US-Abgeordnetenhaus vor, sich unverhohlen in die Angelegenheiten Hongkongs eingemischt zu haben. Zugleich kritisierte er das britische Parlament wegen der Veröffentlichung eines Berichts, in dem unverantwortliche Bemerkungen zu Hongkong gemacht würden. Alle externen Kräfte müssten aufhören, sich in die Angelegenheiten Hongkongs und Chinas einzumischen und die Gewalt in Hongkong zu billigen.

Der demokratische Abgeordnete Hui Chi-fung sagte der Nachrichtenagentur Reuters, offenbar wolle die Polizei das Gelände nicht stürmen. Vielmehr sollten die Demonstranten wohl im Zuge einer Flucht gefasst werden. Vermittlungsversuche der Universitätsverwaltung und von Abgeordneten seien fehlgeschlagen. “Ich bin nicht mehr optimistisch.”

Dem Sender RTHK zufolge wurden zahlreiche Personen in der Nähe der Universität festgenommen. Auch aus anderen Teilen der ehemaligen britischen Kolonie wurde neue Gewalt gemeldet. Im Geschäftsbezirk Nathan Road kam es zu Zusammenstößen, Läden blieben geschlossen. Die Polizei feuerte nach eigener Darstellung drei Warnschüsse mit scharfer Munition ab, als sie bei der versuchten Festnahme einer Frau angegriffen worden sei. Die Frau sei entkommen. Einige Demonstranten zogen sich nach Zusammenstößen bis auf die Unterwäsche aus, nachdem sie von einem Wasserwerfer durchnässt worden waren, dessen Wasser Augenzeugen zufolge ein Reizmittel enthielt.

Viele Demonstranten trugen Gasmasken oder Tücher über Mund und Nase, um sich vor Tränengaswolken zu schützen. Zwar hatte die Regierung im Oktober ein Vermummungsverbot erlassen und damit eine Vorschrift aus der Kolonialzeit wiederbelebt. Das wurde jedoch am Montag von dem Obersten Gericht der chinesischen Sonderverwaltungszone als verfassungswidrig kassiert. Die Polizei kündigte an, entsprechende Anklagen nicht weiter zu verfolgen.

Seit Juni demonstrieren immer wieder Zehntausende Menschen für Demokratie und gegen die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone, der sie zu große Nähe zur Führung in Peking vorwerfen. Die anfangs friedlichen Proteste schlagen immer mehr in Gewalt um. Zuletzt wurde ein Beamter mit einem Pfeil verletzt. Der Bürgerrechtler Joshua Wong verteidigte das gewaltsame Vorgehen der Demonstranten. “Mit rein friedlichem Protest werden wir unser Ziel nicht erreichen”, sagte Wong der “Süddeutschen Zeitung” (Montagausgabe). “Allein mit Gewalt allerdings auch nicht. Wir brauchen beides.”

Die Proteste haben zunehmend Folgen für das Alltagsleben und die Wirtschaft Hongkongs. Dem Branchendienst Routes Online zufolge streichen immer mehr asiatische Fluggesellschaften Flüge dorthin. Vergangene Woche hatte Hongkongs größte Fluglinie Cathay Pacific davor gewarnt, dass die Geschäftsaussichten wegen der Auseinandersetzungen in Hongkong “herausfordernd und unsicher” seien.

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