June 16, 2011 / 11:18 AM / 7 years ago

Börse schickt Kofferhersteller Samsonite in den Keller

Hongkong (Reuters) - Samsonite hat mit seinem Börsendebüt ein Debakel erlebt:

Der Aktienkurs des weltgrößten Kofferherstellers rutschte am ersten Handelstag in Hongkong um bis zu elf Prozent ab. Damit bekam das Unternehmen am Donnerstag die derzeit schlechte Investorenstimmung voll zu spüren. Sie hat längst auch den heiß begehrten Handelsplatz Hongkong erfasst. Das wirft zugleich dunkle Wolken auf den mit Spannung erwarteten Börsengang von Prada an selber Stelle kommende Woche. Das italienische Modehaus gibt sich mittlerweile vorsichtiger und engte die Spanne für seine Preisvorstellungen ein. Am Freitag will es entscheiden, wie viel die Anleger für die Prada-Aktie zahlen müssen.

Bei Samsonite war die Nachfrage bereits vor dem Start sehr mäßig. Die Titel wurden zu je 14,50 Hongkong-Dollar ausgegeben. Das war das untere Ende der Preisspanne, die das in Luxemburg ansässige Traditionsunternehmen bereits deutlich nach unten korrigiert hatte. Und zum Handelsbeginn warfen Investoren die Anteilsscheine gleich in rauen Mengen auf den Markt: Der Kurs brach ein auf bis zu 12,96 HK-Dollar. Später erholte er sich wieder auf 13,38 HK-Dollar.

Die Nachfrage von Kleinaktionären war nur 1,23 Mal so hoch wie das Angebot. Zum Vergleich: Beim bislang populärsten Börsengang in diesem Jahr, dem des Handtaschen-Händlers Milan Station Holdings, lag der Faktor bei 2000. Samsonite und seine Alteigner - darunter der Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Royal Bank of Scotland Group - verkauften Aktien im Wert von umgerechnet 882 Millionen Euro.

HARTE BODENLANDUNG FÜR DEN “GOTT DES GEPÄCKS”

Trotz des enttäuschenden Empfangs an der Börse äußerte sich Samsonite-Chef Tim Parker zufrieden. Er sprach von einem relativ guten Start, berücksichtige man die derzeit starken Schwankungen an den Märkten. “Ich bin überhaupt nicht verstimmt”, sagte Parker, der einen scharlachroten Samsonite-Koffer hinter sich herzog. Das Emblem darauf zierten die Worte “Gott des Gepäcks”, in Englisch wie Kantonesisch. Der Name der 101 Jahre alten Marke leitet sich her vom biblischen Helden Samson, dessen Stärke sprichwörtlich ist.

Hongkong hatte sich zuletzt zu einem Mekka für Börsenkandidaten entwickelt. Die Unternehmen hofften auf großes Interesse zugkräftiger Investoren und auf mehr Aufmerksamkeit bei den asiatischen Verbrauchern. Vor allem in China hat sich im Zuge des Wirtschaftsbooms eine neue, kaufkräftige Mittelklasse herausgebildet, die nach Luxusschuhen, Handtaschen und Schmuck geradezu giert. Doch mittlerweile ist Katerstimmung eingekehrt. Die chinesische Regierung und die Notenbank treten auf die Konjunkturbremse, um eine Überhitzung zu vermeiden und die Inflation im Zaum zu halten. Hinzu kommen enttäuschende Konjunkturdaten in den USA und die Schuldenkrise in Europa. Der Hang-Seng-Index in Hongkong hat zuletzt deutlich nachgegeben.

ASPIRANT PRADA WIRD NERVÖS

Kein Wunder also, konstatierten Börsianer, dass auch Samsonite kräftig Federn lassen muss. “Natürlich muss man das der schwachen Stimmung im Markt zuschreiben”, sagte Alex Wong von Ample Finance Group. “Inzwischen haben die Leute kein besonderes Interesse mehr an Börsengängen.” Das bekamen zuletzt auch der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore und der führende chinesische Windturbinenhersteller Sinovel zu spüren, deren Kurse an den ersten Handelstagen nach unten gingen. Eine Ausnahme unter den großen Börsenneulingen in Asien in diesem Jahr machte lediglich der Kasinobetreiber MGM China, der ein schwungvolles Debüt gab.

Den nächsten wichtigen Markttest macht Prada. Der Börsengang sollte nach bisheriger Planung bis zu 1,84 Milliarden Euro einspielen. Der erste Handelstag ist für Freitag kommender Woche geplant. Und die Nervosität wächst: Der Mittelwert der neuen Preisspanne von 39,50 bis 42,25 HK-Dollar liegt um mehr als drei Prozent unter dem der bisherigen von 36,50 bis 48 HK-Dollar. Als weiteres Schwergewicht drängt es China Everbright Bank an den Aktienmarkt. Der für Anfang Juli geplante Börsengang soll ein Volumen von rund 4,25 Milliarden Euro haben.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below