September 10, 2019 / 5:54 AM / 2 months ago

VW-Chef geht auf Auto-Kritiker zu - Debatte mit Klimaschützerin

Herbert Diess, CEO of German carmaker Volkswagen AG, poses in an ID.3 pre-production prototype during the presentation of Volkswagen's new electric car on the eve of the International Frankfurt Motor Show IAA in Frankfurt, Germany September 9, 2019. REUTERS/Wolfgang Rattay

Frankfurt (Reuters) - Volkswagen-Chef Herbert Diess stimmt Kritikern der Autobranche in Teilen zu.

Er teile die Ansicht, “dass das Auto in der Stadt für die Mobilität ein schlechter Kompromiss ist”, sagte Diess am Montag in Frankfurt bei einer Diskussion mit einer Spitzenvertreterin der Protestbewegung gegen die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA). Die Zukunft der Mobilität in den Städten liege in einer Mischung aus öffentlichem und individuellem Verkehr. Viele Menschen seien allerdings auch künftig auf das Auto angewiesen.

Das einzelne Auto werde auch in Zukunft deutlich mehr Fäche benötigen als andere Verkehrsmittel. Es werde aber duch elektrische Antriebe nachhaltiger und durch Fahrassiszenzsysteme wesentlich sicherer werden als heute. Um die Akzeptanz von Elektroautos bei der Kundschaft zu fördern, erneuerte Diess seinen Ruf nach der Politik. Es habe sich gezeigt, dass die Autobranche keine Chance habe, wenn der Kunde ein Drei-Liter-Auto nicht haben wolle. “Das kann auch dem Elektroauto passieren.” Deshalb müsse der Staat die Ladeinfrastruktur fördern und steuerliche Anreize schaffen.

Die Sprecherin der Protestbewegung “Sand im Getriebe”, Tina Velo, forderte bei dem von der Tageszeitung “taz” organisierten Streitgespräch eine radikale Verkehrswende. Städte müssten sofort autofrei gemacht werden. “Ich glaube, dass wir sehr viel gewinnen können, wenn wir die Autos zurückdrängen”, sagte Velo. Eine Klimakatastrophe müsse abgewendet weren. “Es geht für uns darum, das Leben für alle zu verbessern.” Der Name Tina Velo ist nach ihren Angaben ein Pseudonym, um sich vor Morddrohungen zu schützen.

Ein halbes Dutzend Organisationen - darunter Greenpeace, der Fahrradclub ADFC und die vor allem gegen den Diesel kämpfende Deutsche Umwelthilfe (DUH) - planen eine Großdemonstration mit einer Fahrrad-Sternfahrt gegen die IAA am Samstag. “Solange SUVs statt kleiner Elektromobile das Bild bestimmen, bleibt der Autoverkehr das Sorgenkind des Klimaschutzes”, erklärten die Autogegner. SUVs seien gefährlich, weil sie den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) noch steigerten, sagte Marion Tiemann von Greenpeace. Über die Demonstration am Samstag hinaus haben die Organisationen Attac und “Sand im Getriebe” für Sonntag Blockadeaktionen angekündigt.

Autoindustrie und Autofahrer sollten nach Auffassung von Umweltschutzverbänden für den Klimaschutz auf spritschluckende Geländewagen verzichten. Die Hersteller müssten die Entwicklung von SUVs und allen anderen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren beenden und umgehend auf Elektroautos umstellen, forderte das Bündnis “Aussteigen” am Montag in Frankfurt mit Blick auf die in dieser Woche beginnende Automesse IAA. Zum Erreichen der Klimaschutzziele müsse es generell weniger Autos geben, die Menschen sollten mehr zu Fuß gehen, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.

Die Industrie begegnet der wachsenden Kritik mit Gesprächsangeboten und stellt heraus, dass sie die Umstellung auf Elektroautos schon begonnen hat. Dennoch wächst die Nachfrage nach schweren SUV und Geländewagen mit hohem Spritverbrauch weltweit stark, sodass Volkswagen, Daimler oder BMW noch länger auf solche renditeträchtigen Fahrzeuge setzen. Bei BMW legte der Absatz von SUVs im August um 34,5 Prozent auf 76.833 Stück zu. Damit entfiel im vergangenen Monat fast die Hälfte aller verkauften Fahrzeuge beim Münchner Autobauer auf dieses Segment.

Die Umweltschutzverbände haben unterdessen auch Vorschläge, was aus den mehr als 800.000 Beschäftigten der Autoindustrie in Deutschland werden soll, wenn die wichtigste Branche des Landes verschwinden soll. Nach einer Studie des Verkehrsclubs Deutschland könnten eine halbe Million Arbeitsplätze bei einem Ausbau von Bahn und öffentlichem Nahverkehr entstehen, erklärte ADFC-Vizechef Ludger Koopmann. Attac rät zu einer Umschulung auf Lokführer oder zu Pflegeberufen.

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