February 27, 2019 / 7:32 AM / 6 months ago

Konflikt zwischen Indien und Pakistan um Kaschmir eskaliert weiter

People chant slogans during a rally after Pakistan shot down two Indian military aircrafts, in Peshawar, Pakistan February 27, 2019. REUTERS/Fayaz Aziz

- von James Mackenzie und Alasdair Pal

Islamabad/Neu-Delhi (Reuters) - Der Konflikt zwischen den Atommächten Pakistan und Indien um die umstrittene Region Kaschmir eskaliert.

Beide Seiten erklärten am Mittwoch, sie hätten Kampfjets der anderen Nation abgeschossen. Am Dienstag hatte Indien erstmals seit dem Krieg 1971 einen Luftangriff auf Pakistan geflogen. In der Folge kam es zu Artilleriebeschuss durch beide Seiten. Pakistans Regierungschef Imran Khan rief Indien zu Gesprächen auf. “Die Geschichte lehrt uns, dass Kriege voller Fehlkalkulationen sind. Wenn wir uns anschauen, über welche Waffen wir verfügen: Können wir uns Fehlkalkulationen erlauben?” fragte er in einer Fernsehansprache an die Nation. “Wir sollten uns hinsetzen und miteinander reden”. Die USA, Deutschland und Großbritannien riefen beide Seiten zur Deeskalation auf.

Pakistan schloss wegen der Kämpfe seinen Luftraum. Indien ordnete einen Stopp des Luftverkehrs am größten Flughafen von Kaschmir, in Srinagar, und an mindestens drei weiteren Flughäfen in Nachbarstaaten an. Welches Ausmaß die gegenseitigen Angriffe hatten, war zwischen beiden Seiten umstritten. Das pakistanische Militär erklärte, man habe über dem eigenen Territorium zwei indische Jets abgeschossen. Das indische Militär teilte mit, man habe ein pakistanisches Flugzeug zum Absturz gebracht. Indien selbst habe nur einen und nicht zwei Jets verloren. Man prüfe pakistanische Angaben, wonach ein vermisster indischer Pilot sich im Gewahrsam Pakistans befinde. Pakistan bestritt, überhaupt ein Flugzeug verloren zu haben.

OPFER DURCH NÄCHTLICHEN ARTILLERIEBESCHUSS

Durch nächtlichen Artillerie-Beschuss wurden nach indischen Angaben fünf indische Soldaten leicht verwundet. Unter der Zivilbevölkerung gebe es keine Opfer. Die pakistanischen Behörden sprachen von mindestens vier Toten und sieben Verwundeten, darunter auch Zivilisten. Tausende Menschen seien evakuiert und Schulen im Grenzgebiet geschlossen worden.

Entzündet hatte sich der jüngste Konflikt an einem Selbstmordanschlag im von Indien kontrollierten Teil Kaschmirs, bei dem Mitte Februar mindestens 40 indische Polizisten getötet wurden. Der indische Luftangriff am Dienstag zielte auf die Dschihadistengruppe Jaish-e-Mohammed (JeM), die ihr Rückzugsgebiet in Pakistan hat und sich zu dem Attentat bekannte. Pakistan und Indien haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 drei Kriege über die umstrittene Himalaja-Region Kaschmir ausgefochten. Beide Länder beanspruchen ganz Kaschmir für sich, kontrollieren aber jeweils nur Teile der Region. Noch im November hatte Khan davon gesprochen, die Beziehungen zu Indien kitten zu wollen.

US-Außenminister Mike Pompeo telefonierte nach dem Luftangriff am Dienstag mit seinen Kollegen in Indien und Pakistan und forderte sie auf, sich mit Militäraktionen zurückzuhalten. Eine Eskalation müsse auf jeden Fall vermieden werden, erklärte er am Mittwoch. Auch die Bundesregierung äußerte große Sorge. “Das ist eine Lage, die uns schon sehr beunruhigt”, sagte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes, Maria Adebahr. “Wir möchten als Bundesregierung beide Seiten dringend dazu aufrufen, davon abzusehen, den Konflikt weiter zu eskalieren.” Zugleich müsse Pakistan konsequent gegen militante Gruppen auf seinem Territorium wie Jaish-e-Mohammed vorgehen. Auch die britische Premierministerin Theresa May forderte beide Seiten zur Zurückhaltung auf.

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