October 1, 2018 / 10:50 AM / in 14 days

Tausende Opfer nach Tsunami-Katastrophe in Indonesien befürchtet

Palu (Reuters) - Drei Tage nach dem schweren Erdbeben und Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi ist das Ausmaß der Katastrophe immer noch nicht klar.

An Indonesian policeman uses a dog to search for victims at a destroyed building in Petobo, South Palu, Central Sulawesi, Indonesia, October 1, 2018. REUTERS/Stringer NO RESALES. NO ARCHIVES.

Die Behörden befürchteten, dass Tausende Menschen ums Leben gekommen sein könnten. Offiziell wurde die Totenzahl am Montag auf 844 angehoben, nachdem die Leichen von 34 Kindern, die an einem Bibelcamp teilgenommen hatten, aus Trümmern geborgen worden waren. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich chaotisch. Nur nach und nach traf schweres Gerät ein. Die Regierung erklärte sich inzwischen bereit, Hilfe aus dem Ausland anzunehmen. Unter anderem Thailand und Australien haben Hilfe angeboten.

Fieberhaft wurde versucht, das von zahlreichen Nachbeben erschütterte Katastrophengebiet, in dem 1,4 Millionen Menschen wohnen, zu evakuieren oder zumindest die Versorgung aus der Luft in den Gang zu bekommen. Teile der Insel waren wegen zerstörter Straßen von der Außenwelt abgeschnitten. In der besonders betroffenen Großstadt Palu wurde ein Massengrab ausgehoben, in dem Tote nach Feststellung ihrer Identität beigesetzt werden sollten.

An Tankstellen bildeten sich kilometerlange Schlangen. Für Palu bestimmte Konvois mit dringend benötigten Lebensmitteln, Trinkwasser und Benzin warteten auf Polizeieskorten, die sie vor Überfällen schützen sollten. Am Flughafen der Stadt mit ihren etwa 380.000 Einwohnern drängten sich Massen, um an Bord einer der Militärmaschinen zu gelangen, die die Menschen ausflogen.

In einem Stadtteil Palus, in dem etwa 1700 Häuser vom Erdboden verschluckt wurden, als die Erde am Freitag zu beben begann, wurde nach Angaben eines Sprechers der Katastrophenschutzbehörde eine Frau in der Nacht lebend aus den Ruinen gezogen. “Wir wissen nicht, wie viele Opfer hier begraben sein könnten. Geschätzt sind es Hunderte.” Besonders besorgniserregend war die Lage in der nördlich von Palu gelegenen Region Donggala, wo 300.000 Menschen leben, sowie in zwei weiteren Bezirken unweit des Epizentrums, in denen die Kommunikation zusammengebrochen war.

Gleichzeitig wuchs die Kritik an den Behörden, sie hätten nicht rechtzeitig und ausreichend vor dem Tsunami gewarnt. Der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde sagte, sämtliche Tsunami-Warngeräte Indonesiens funktionierten seit 2012 nicht mehr, da die Gelder nicht reichten. Eine Sprecherin des Potsdamer Geoforschungszentrums sagte dagegen, das Tsunami-Warnsystem habe fünf Minuten nach dem Erdbeben vor einem Tsunami gewarnt. Danach habe es ein Zeitfenster von 20 Minuten bis zum Auftreffen der Monsterwelle auf das Festland gegeben. Warum in dieser Zeit keine Warnung von den indonesischen Behörden herausgegeben worden sei, könne sie nicht sagen. Das Geoforschungszentrum habe das Tsunami-Warnsystem 2012 indonesischen Behörden übergeben. In Potsdam habe man verfolgen können, wann das System Tsunami-Alarm gegeben habe.

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