Reuters logo
Sturm auf Mossul - Militär-Allianz meldet Erfolge gegen IS
18. Oktober 2016 / 07:22 / in einem Jahr

Sturm auf Mossul - Militär-Allianz meldet Erfolge gegen IS

Bagdad/Erbil (Reuters) - Das irakische Militär und die kurdische Peschmerga-Miliz melden 24 Stunden nach Beginn der Offensive gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat in Mossul erste Erfolge.

Smoke rises from clashes at Bartila in the east of Mosul during clashes with Islamic State militants, Iraq, October 18, 2016. REUTERS/Thaier Al-Sudani - RTX2PB1X

Bislang seien rund 20 Dörfer eingenommen worden, teilten Vertreter der Armee und der Miliz mit. In Mossul im Norden des Landes leben etwa 1,5 Millionen Menschen, bis zu 8000 IS-Kämpfer halten sich zudem in der Stadt auf. Hilfsorganisationen rechnen mit Zehntausenden Flüchtlingen. Befürchtet wurde, dass die Islamisten auch chemische Waffen einsetzen könnten. Die Soldaten rücken von Süden und Südosten vor, die Peschmerga-Kämpfer von Osten aus. Unterstützt werden sie von einer US-geführten Militärkoalition, zu der auch Frankreich, Großbritannien, Kanada und die Türkei gehören.

Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian dämpfte Erwartungen auf eine schnelle Einnahme der Stadt. “Es wird kein ‘Blitzkrieg’”, sagte Le Drian in Paris. Er unterstrich zugleich die Bedeutung des Einsatzes. Mossul ist die letzte verbliebene Hochburg des IS im Irak. Nach Angaben der Peschmerga griffen Kampfflugzeuge der Koalition an ihrem Frontabschnitt 17 IS-Stellungen an. Im Norden und Nordosten Mossuls hätten kurdische Kämpfer zudem einen beachtlichen Teil der 80 Kilometer langen Straße nach Erbil unter ihre Kontrolle gebracht. Außerdem wurden in dem stark verminten Gelände um Mossul mindestens vier Autobomben zerstört. Informationen über Opfer gab es am Dienstag weder in der irakischen noch in der kurdischen Mitteilung.

Hoschijar Sebari, ein ranghoher Vertreter der Kurden, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der IS sei “desorientiert”, weil die Islamisten nicht wüssten, wo sie mit einem Angriff rechnen müssten. “Es wird keinen spektakulären Angriff auf Mossul selbst geben”, sagte er. “Wir werden vorsichtig sein, es ist ein Einsatz mit hohem Risiko.” Die syrische Armee warf der US-geführten Allianz im Irak unterdessen vor, IS-Kämpfer aus Mossul nach Syrien zu geleiten. “Jeglicher Versuch, die Grenze zu übertreten, ist ein Angriff auf die Souveränität Syriens”, hieß es in einer Erklärung. “Alle verfügbaren Kräfte würden dagegen vorgehen.”

HÄUSERKAMPF WIRD HERAUSFORDERUNG - FLUCHTWELLE ERWARTET

Noch finden die Kämpfe im Vorland von Mossul statt. Der bevorstehende Straßen- und Häuserkampf dürfte nicht nur eine militärische, sondern auch eine humanitäre Herausforderung werden. Die Vereinten Nationen warnen, dass es einen Exodus von bis zu einer Million Menschen geben könnte. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) befürchtet zudem, dass Zehntausende Menschen von den Extremisten als lebende Schutzschilde missbraucht werden könnten. Der IOM-Chef in Irak, Thomas Weiss, sagte, wegen der Gefahr des Einsatzes von chemischen Waffen bemühe sich die Organisation auch um die Beschaffung von Gasmasken.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) fordert alle Kriegsparteien in Mossul auf, die Zivilisten zu schonen und zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser nicht anzugreifen. Das Rote Kreuz hat seine medizinischen Kapazitäten in der Nähe von Mossul ausgebaut und appelliert an die Konfliktparteien, Verwundete aus der Stadt zu lassen, damit sie behandelt werden könnten. Es bereite sich auch darauf vor, Opfer von Chemiewaffen zu behandeln. Das IKRK versuche außerdem, Kontakt mit dem IS in Mossul aufzunehmen, um die Einhaltung grundlegender Regeln des Kriegsrechts zu erreichen.

Amnesty International warnte davor, dass sunnitischen Irakern nach dem Fall Mossuls Menschenrechtsverletzungen durch die Regierungstruppen und schiitischen Milizen drohten. Sie verwies auf eigene Recherchen über Fälle von außergerichtlichen Hinrichtungen und Folter in früheren Fällen wie um Falludscha, wo die IS vertrieben worden sei.

EU-KOMMISSAR: IS-KÄMPFER KÖNNTEN NACH EUROPA KOMMEN

EU-Sicherheitskommissar Julian King warnte unterdessen vor einer erhöhten Terrorgefahr in Europa durch den Sturm auf Mossul. “Die Rückeroberung der nordirakischen IS-Hochburg Mossul kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen”, sagte er der Zeitung “Welt”. “Das ist eine sehr ernste Bedrohung, auf die wir vorbereitet sein müssen.” King sprach davon, dass sich noch 2500 IS-Kämpfer aus EU-Staaten in Irak und Syrien aufhielten. Für Donnerstag hat Frankreich die Außenminister mehrerer europäischer Staaten und des Nahen Ostens zu einer Konferenz eingeladen, um über die Zukunft von Mossul zu beraten.

Unsere Werte:Die Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below