October 25, 2019 / 10:15 AM / a month ago

Zwei Tote im Irak - Demonstranten ziehen zum Regierungsviertel

Iraqi security forces are seen during a protest over corruption, lack of jobs, and poor services, in Baghdad, Iraq October 25, 2019. REUTERS/Khalid al-Mousily

Bagdad (Reuters) - Im Irak eskalieren die Proteste gegen die Regierung.

In der Hauptstadt Bagdad starben am Freitag zwei Menschen, als rund 1000 Demonstranten zur sogenannten Grünen Zone zogen, in der sich das Regierungsviertel und die ausländischen Botschaften befinden. Die beiden Opfer wurden jeweils tödlich von einer Tränengasgranate im Gesicht getroffen wurde, wie es im Umfeld von Polizei und Medizinern hieß. Es gebe mehr als 350 Verletzte. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Blendgranaten ein, um die Menge zurückzudrängen. In der südirakischen Stadt Nasirija stürmten mindestens 3000 Menschen ein Gebäude der Provinzregierung und zündeten es an.

Der Unmut der Bevölkerung richtet sich seit längerem gegen die Regierung von Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi. Tausende hatten Anfang des Monats tagelang gegen hohe Arbeitslosigkeit, Korruption und Misswirtschaft protestiert. Bei schweren Auseinandersetzungen wurden einem am Montag veröffentlichten Regierungsbericht zufolge seinerzeit 149 Menschen getötet, weil die Sicherheitskräfte übermäßige Gewalt angewandt und scharf geschossen hätten.

Nach etwa zwei Wochen Unterbrechung setzten die Proteste nun wieder ein. Der führende schiitische Geistliche des Landes, Großajatollah Ali al-Sistani, rief Demonstranten und Sicherheitskräfte dazu auf, friedlich zu bleiben. Wahre Reformen und ein Wandel im Land müssten mit friedlichen Mitteln erreicht werden. Zugleich erklärte Sistani, der sich allenfalls in Krisen ins politische Geschäft einmischt, die Sicherheitskräfte dürften Gewalt gegen privaten und öffentlichen Besitz nicht zulassen. Am Donnerstag hatte Ministerpräsident Abdul Mahdi erklärt, die Menschen hätten die Freiheit, ihre Meinung kundzutun. Gewalt werde aber nicht toleriert.

Trotz des Ölreichtums leben viele Iraker in Armut und haben nur begrenzt Zugang zu sauberem Wasser, Elektrizität, Bildung und Gesundheitsversorgung. Die Regierung hat Reformen versprochen. Ein 17-Punkte-Plan stellt unter anderem Unterstützung für Arbeitslose sowie Hinterbliebene von getöteten Demonstranten in Aussicht.

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