January 2, 2020 / 6:29 AM / 25 days ago

Demonstranten ziehen von US-Botschaft im Irak ab - Lage bleibt angespannt

Protesters and militia fighters carry an Iraqi flag outside the U.S. Embassy during a protest to condemn air strikes on bases belonging to Hashd al-Shaabi (paramilitary forces), in Baghdad, Iraq January 1, 2020. REUTERS/Khalid al-Mousily

Bagdad/Berlin (Reuters) - Auch nach dem Ende der Angriffe proiranischer Demonstranten auf die US-Botschaft in Bagdad bleibt die Lage angespannt.

US-Außenminister Mike Pompeo verschob am Mittwoch kurzfristig eine Reise in die Ukraine. Es sei nötig, dass er in Washington bleibe, um die Entwicklung im Irak verfolgen und die Sicherheit der Amerikaner im Nahen Osten garantieren zu können, begründete eine Sprecherin Pompeos den Schritt. Die Botschaft blieb trotz des Rückzugs der Demonstranten für den Publikumsverkehr vorerst geschlossen. Die US-Truppen in der Region sollten nach Angaben amerikanischer Regierungsvertreter verstärkt werden. Der Iran bestellte einen Schweizer Gesandten ein, der die US-Interessen in Teheran vertritt. Anlass seien “kriegstreiberische Äußerungen” der USA, erklärte das iranische Außenministerium.

Unterstützer irakischer Milizen, die vom Iran Rückendeckung erhalten, hatten am Dienstag mit ihren Angriffen auf die US-Botschaft begonnen, und versucht, das Gelände der diplomatischen Vertretung zu stürmen. Sie legten Brände, warfen Steine und zerschlugen Überwachungskameras. US-Truppen setzten Tränengas ein, um die Menge zu vertreiben. Über dem Gelände kreisten amerikanische Kampfhubschrauber. Auch am Neujahrstag setzten sich die Angriffe zunächst fort, ehe die Demonstranten sich zum Abend hin nach Angaben des irakischen Militärs zurückzogen. Sie folgten offenbar einem Abzugsaufruf der Volksmobilmachungskräfte, einer Dachorganisation überwiegend schiitischer Milizen im Irak. Diese erklärte, die Botschaft der Demonstranten sei angekommen.

Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte die Angriffe auf die US-Botschaft. “Wir erwarten von der irakischen Regierung, dass sie ihrer Verantwortung für die Sicherheit diplomatischer Vertretungen nachkommt”, erklärte das Ministerium am Mittwoch. “Übergriffe sind durch nichts zu rechtfertigen.”

STELLVERTRETERKRIEG

Entzündet hatte sich die Wut der Demonstranten an US-Luftangriffen auf Stellungen einer vom Iran unterstützten Miliz, bei denen am Sonntag mindestens 25 Menschen getötet wurden. Die USA hatten damit auf Raketenangriffe in der vergangenen Woche reagiert, bei denen ein Amerikaner im nördlichen Irak getötet worden war.

Der religiöse und politische Führer der Iran, Ajatollah Ali Chamenei, verurteilte die US-Angriffe. US-Präsident Donald Trump wiederum warf dem Iran vor, Strippenzieher der Gewalt zu sein. Am Dienstag drohte er mit Vergeltung gegen die Islamische Republik, erklärte später aber, er wolle keinen Krieg. Trump, der im November seine Wiederwahl anstrebt, will die amerikanischen Soldaten eigentlich aus der Region zurück nach Hause holen. Nun aber ist nach Angaben aus seiner Regierung zunächst eine Verstärkung geplant. Bis zu 4000 Soldaten sollen demnach in die Region in den kommenden Tagen entsandt werden.

Derzeit sind mehr als 5000 Soldaten im Irak stationiert. Sie unterstützen die dortigen Sicherheitskräfte. Der Iran wiederum unterstützt irakische Milizen, die inzwischen in die irakischen Sicherheitskräfte eingegliedert wurden. Viele Iraker fürchten, dass ihr Land zunehmend zum Schauplatz eines Stellvertreterkriegs zwischen den USA und dem Iran wird, in dem beide um die Vormachtstellung in der Region kämpfen.

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