April 6, 2010 / 3:14 PM / 9 years ago

Geheimes US-Video zeigt Tod von Reuters-Fotografen im Irak

Diese Aufnahme aus einem geheimen US-Militärvideo vom 12. Juli 2007 zeigt einen verwundeten Iraker in Bagdad, der auf einen Transporter geladen wird, veröffentlicht von der Internet-Organisation WikiLeaks am 5. April 2010REUTERS/WikiLeaks/Handout

Washington (Reuters) - Im Internet ist ein bislang geheimes US-Militärvideo veröffentlicht worden, das den Tod von zwei Reuters-Mitarbeitern bei einen Luftangriff im Irak zeigt.

Die auf Enthüllungen vertraulicher Regierungs- und Unternehmensdokumente spezialisierte Website WikiLeaks erklärte am Montag, sie habe die Aufnahmen vom 12. Juli 2007 in verschlüsselter Form von einer Armee-Quelle erhalten. Ihr sei es gelungen, den Code zu knacken. US-Militärkreise bestätigten die Echtheit der Aufnahmen und der begleitenden Tonspur. Bei dem Angriff in Bagdad waren zwölf Menschen getötet worden, darunter der damals erst 22 Jahre alte Reuters-Fotograf Namir Noor-Eldeen und sein Assistent und Fahrer Saeed Chmagh (40).

Reuters hatte vom US-Militär eine umfassende Aufklärung des Vorfalls verlangt. Am 25. Juli 2007 waren der Nachrichtenagentur während eines vertraulichen Hintergrundgesprächs auch Videos aus den zwei beteiligten “Apache”-Kampfhubschraubern sowie Fotos vom Angriffs-Ort gezeigt worden. Reuters-Chefredakteur David Schlesinger erklärte, der Tod von Noor-Eldeen und Chmagh verdeutliche die extremen Gefahren der Berichterstattung aus Kriegsgebieten “und die Tragödien, die sich daraus ergeben können”.

Das Schwarz-Weiß-Video besteht aus Aufnahmen von der Zielerfassungskamera eines der beteiligten Kampfhubschrauber. Darauf ist eine Gruppe von Männern zu sehen, die sich auf einem Platz in der irakischen Hauptstadt bewegten. Zu hören ist die Bemerkung der Besatzung, einige der Männer seien bewaffnet. WikiLeaks identifiziert zwei der Personen auf dem Platz als die beiden Reuters-Mitarbeiter. Deren Kameras werden demnach von den Soldaten als Waffen beschrieben. Der Hubschrauber eröffnet daraufhin das Feuer auf die Gruppe. Mehrer Menschen werden getötet oder verletzt.

Als später ein Transporter ankommt, um den Verletzten zu helfen, befürchtet die Besatzung, es handele sich um Extremisten, die Waffen aufsammeln und ihre Verletzten in Sicherheit bringen wollen. Sie erhält die Erlaubnis, das Feuer auf den Wagen zu eröffnen. Dabei werden offenbar mehrere Menschen im und um das Fahrzeug herum getötet. Unter den Verletzten sind zwei Kinder. Sie werden später von anrückenden US-Soldaten in Sicherheit gebracht, während der Hubschrauber weiter über dem Ort kreist. “Nun, es ist ihre Schuld, wenn sie ihre Kinder in die Schlacht mitnehmen”, sagt eines der Besatzungsmitglieder.

Der US-Militärsprecher Shawn Turner verwies nach Auftauchen des Videos im Internet auf eine Untersuchung des Vorfalls. Demnach war den Soldaten damals nicht bewusst, dass sich Journalisten auf dem Platz befanden. “Wir bedauern den Tod Unschuldiger”, sagte Turner. “Aber der Vorfall wurde schnell untersucht und es gab nie einen Versuch, irgendeinen Aspekt dieses Einsatzes zu verheimlichen.” Nach seinen Angaben war Thomson Reuters im vergangenen Jahr Material zu dem Vorgang nach vorherigem Antrag überlassen worden.

Das Video wurde im Internet unter der Adresse www.collateralmurder.com veröffentlicht.

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