February 3, 2010 / 4:30 PM / in 10 years

Iran deutet Einlenken in jüngster Atomstreit-Runde an

Teheran (Reuters) - Der Iran hat erstmals ein Einlenken in der aktuellen Runde des Atomstreits mit der internationalen Gemeinschaft signalisiert.

Iranian President Mahmoud Ahmadinejad speaks during a ceremony to introduce the domestically produced Simorq propulsion system, for rockets to carry satellites into space, during a ceremony in Tehran February 3, 2010. REUTERS/Ebrahim Noroozi/IIPA.ir

Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte, das Land sei bereit, sein schwach angereichertes Uran zur Weiterverarbeitung ins Ausland zu schicken. Damit rückte er von der bisherigen Bedingung ab, das Material nur auf iranischem Boden gegen Kernbrennstoff auszutauschen. Erste Reaktionen westlicher Regierungen fielen zurückhaltend aus. Unterdessen meldeten iranische Medien am Mittwoch den Testflug einer im eigenen Land gebauten Rakete zum Transport von Satelliten in All. Experten maßen dem keine große militärische Bedeutung bei.

“Wir haben kein Problem damit, unser angereichertes Uran ins Ausland zu schicken”, sagte Ahmadinedschad am Dienstagabend im staatlichen Fernsehen. Bis der Iran im Gegenzug Brennstoff erhalte, werde es wohl vier bis fünf Monate dauern. Das von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vermittelte internationale Angebot sieht vor, große Teile des schwach angereicherten iranischen Urans im Ausland zu Brennstoff für einen iranischen Forschungsreaktor weiterzuverarbeiten.

Falls sein Land nach der Verschickung des Urans ins Ausland den zugesagten Brennstoff nicht erhalte, könne es ihn auch selbst herstellen, sagte Ahmadinedschad. Irans Außenminister Manuchehr Mottaki bezeichnete im türkischen Fernsehen Zeitpunkt und Ort eines Uran-Austauschs als verhandelbar und nannte die Türkei, Brasilien oder Japan als Optionen. Bei einer Pressekonferenz in Ankara sagte er, es gebe Gespräche in Wien mit der IAEA, Russland, Frankreich und den USA.

Der IAEA-Vorschlag zielt einerseits auf Vertrauensbildung im festgefahrenen Atomstreit zwischen dem Iran und der internationalen Gemeinschaft, die hinter dem Atomprogramm der Islamischen Republik geheime militärische Absichten vermutet. Andererseits würde er dazu führen, dass das Land vorerst nicht mehr genug Uran hätte, um daraus das für eine Atombombe nötige Material zu gewinnen. Dies würde Verhandlungen mehr Zeit verschaffen. Wegen der Weigerung Irans, seine Anreicherung zu stoppen, bemühen sich die USA, Deutschland, Großbritannien und Frankreich derzeit um eine vierte Runde von UN-Sanktionen.

Ein Sprecher von US-Präsident Barack Obama sagte in einer ersten Reaktion, falls Ahmadinedschads Äußerungen eine neue iranische Position bedeuteten, freuten sich die Vereinigten Staaten darauf, dass die IAEA darüber informiert werde. Ein US-Vertreter, der ungenannt bleiben wollte, ergänzte: “Wenn der Iran etwa Neues zu sagen hat, sind wir bereit zuzuhören.”

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte in Berlin, der Iran werde nicht an seinen Worten, sondern an seinen Taten gemessen werden: “Es ist am Iran, das Ende seiner Verweigerungshaltung mit Fakten zu unterlegen.” Nur bei einer ernsthaften Rückkehr Irans zu Verhandlungen werde auf weitere Maßnahmen und Sanktionen verzichtet. Experten vermuten, der Iran wolle angesichts der Sanktionsdrohung Zeit gewinnen.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow begrüßte die iranische Ankündigung, den IAEA-Vorschlag anzunehmen. China drang auf eine baldige Verhandlungslösung.

EXPERTEN: GETESTETE RAKETE KEINE MILITÄRISCHE BEDROHUNG

Zu dem Raketentest hieß es im englischsprachigen iranischen Fernsehsender Press TV, eine “Kawoschgar-3”-Rakete sei erfolgreich gestartet worden. Laut der Nachrichtenagentur Isna kehrte sie mit einer Maus, zwei Schildkröten und einigen Würmern an Bord planmäßig auf die Erde zurück. Ahmadinedschad sprach bei einer vom Fernsehen übertragenen Feier in Teheran von einem Durchbruch: “Wir hoffen, dass wir bald unsere Astronauten ins All schicken können.” Mit Hilfe von Wissenschaft und Technik ließen sich die globalen Dominanzverhältnisse aufbrechen.

Experten bezeichneten den Raketenversuch als Teil einer Serie und nicht besonders bedeutend. Er deute nicht auf eine Fähigkeit zum Bau von Interkontinentalraketen oder zu einer anderen Bedrohung Westeuropas oder des US-Staatsgebiets, sagte Mark Fitzpatrick vom Londoner International Institute for Strategic Studies. Vergangenen Mai hatten die USA und Russland gemeinsamen die Einschätzung abgegeben, der Iran werden erst in sechs bis acht Jahren eine ballistische Rakete bauen können, mit der sich ein 1000-Kilogramm-Atomsprengkopf 2000 Kilometer weit transportieren lasse.

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