February 8, 2012 / 12:47 PM / 8 years ago

Sanktionen lähmen Lebensmittel-Importe des Iran

Kuala Lumpur/Teheran (Reuters) - Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen im Iran scheinen die internationalen Sanktionen zu greifen.

EDITORS' NOTE: Reuters and other foreign media are subject to Iranian restrictions on their ability to film or take pictures in Tehran. An Iranian employee checks the food shelves at a shopping mall in northwestern Tehran February 3, 2012. With just a month to go before a parliamentary election, Iran has been hit hard in recent months by new U.S. and European economic sanctions over its nuclear programme, which Tehran says is peaceful but the West says is aimed at making a bomb. Picture taken February 3, 2012. REUTERS/Morteza Nikoubazl (IRAN - Tags: POLITICS BUSINESS)

Das wegen seines Atomprogramms isolierte Land hat zunehmend Schwierigkeiten, seine 74 Millionen Bürger mit importierten Grundnahrungsmitteln wie Reis und Speiseöl zu versorgen. Rohstoff-Händler berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, viele internationale Lieferanten hätten ihre Verkäufe an den Iran bereits wegen ausbleibender Zahlungen eingestellt. Dies macht sich auch bereits in den Straßen der Hauptstadt Teheran bemerkbar, wo die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe schießen.

Der Iran selber dementiert zwar bislang, dass die Sanktionen seiner Wirtschaft Schaden zufügen. Die von Reuters rund um den Globus befragten Rohstoffhändler zeichnen jedoch ein anderes Bild: Sie berichten einstimmig von gravierenden Handelsstörungen.

Die von den USA verhängte Finanzblockade lähmt zu allem Überfluss zunehmend die für den Iran lebenswichtigen Einnahmen aus dem Verkauf von Rohöl. So bemühte sich Südkorea - wie schon andere asiatische Länder zuvor - erst Anfang dieser Woche im Nahen Osten um Ersatz für Öl-Lieferungen aus der islamischen Republik. Mehrere asiatische Länder - darunter China und Japan - fahren bereits die Ölimporte aus dem Iran zurück. Damit versiegt die wichtigste Quelle für dringend benötigte Devisen, die das Land etwa für die Bezahlung von importierten Grundnahrungsmitteln braucht. Die EU will im Sommer die Einfuhr iranischen Öls komplett einstellen. Die dänische Reederei A.P. Moller-Maersk gab am Mittwoch bekannt, wegen der Sanktionen keine Verträge mehr mit dem Iran einzugehen.

IMPORT VON PFLANZENÖL UND REIS GERÄT INS STOCKEN

Malaysische Exporteure liefern dem Iran nach Aussagen von Händlern vom Mittwoch kein Palmöl mehr, das etwa zur Produktion von Bio-Diesel und Speiseöl benötigt wird. Aus Malaysia stammte bislang die Hälfte des im Iran verbrauchten Palmöls. Bereits Ende vergangenen Jahres stoppten die Händler fast vollständig die monatliche Lieferung von rund 30.000 Tonnen, wie mehrere Händler berichteten. “Die Zahlungen kommen nicht durch und kein Palmöl-Lieferant will das Risiko eingehen, in dieser angespannten politischen Lage in den Iran zu liefern”, sagte ein Händler, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Anfang der Woche hatte Reuters erfahren, dass der Iran seinem wichtigsten Reis-Lieferanten Indien das Geld für 200.000 Tonnen des Grundnahrungsmittels schuldig geblieben ist. Der indische Exportverband empfahl seinen Mitgliedern deshalb, dem Beispiel von Händlern aus Thailand, Vietnam und Pakistan zu folgen und iranischen Kunden keine Kredite mehr zu gewähren. Vergangene Woche war bereits bekanntgeworden, dass die Ukraine ihre Mais-Lieferungen um nahezu die Hälfte gekürzt hat.

PREISE FÜR LEBENSMITTEL IN TEHERAN EXPLODIEREN

Auch wegen der Talfahrt der iranischen Landeswährung Rial hat sich der Reis-Preis auf iranischen Basaren seit dem vergangenen Jahr bereits auf umgerechnet rund vier Euro pro Kilo mehr als verdoppelt. Da Mais im Iran vor allem als Tierfutter eingesetzt wird, hat sich ein Kilo Fleisch um das dreifache auf mehr als 20 Euro pro Kilo verteuert, so dass auch viele Familien aus der Mittelschicht auf Fleisch verzichten müssen.

Der Besitzer einer Margarinen-Fabrik im Iran, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden wollte, berichtete von Engpässen bei der Versorgung mit Pflanzenöl, die schon bald die Einstellung der Produktion erfordern könnten. “Ich erwarte, dass in drei bis vier Monaten unsere Vorräte an Speiseöl wegen der Sanktionen zur Neige gehen werden.” Ein Großhändler in Teheran erklärte: “Es gibt wegen des Importrückgangs bereits einen großen Mangel an Margarine. Was jetzt verkauft wird, sind bestehende Vorräte.”

Die Parlamentswahlen im Iran finden Anfang März statt.

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