February 11, 2010 / 3:02 PM / 9 years ago

Iran: Können Uran auf mehr als 80 Prozent anreichern

Teheran (Reuters) - Der Iran kann nach Angaben von Präsident Mahmud Ahmadinedschad Uran bis nah an die die Schwelle zur Waffentauglichkeit anreichern.

Iran Präsident Mahmud Ahmadinedschad während einer Feier zum 31. Jahrestag der islamischen Revolution in Teheran am 11. Februar 2010. REUTERS/Raheb Homavandi

Bei einer Großkundgebung in Teheran sagte Ahmadinedschad am Donnerstag, die ersten Chargen von Uran seien bereits auf 20 Prozent verdichtet worden. Eine weitere Anreicherung sei ohne weiteres möglich, das Land verfolge aber keine militärischen Absichten. “Wenn wir sagen, dass wir keine Atombomben bauen, dann werden wir es auch nicht tun, weil wir nicht auf die Atombombe setzen”, sagte Ahmadinedschad vor flaggenschwenkenden Anhängern am 31. Jahrestag der Islamischen Revolution. Und an den Westen gerichtet fügte er hinzu: “Die iranische Nation ist mutig genug, dass wir es öffentlich ohne Furcht vor Ihnen verkünden würden, wenn wir Atombomben bauen wollten.”

Mit der Ankündigung, die Anreicherung in seiner Atomfabrik Natans auf 20 Prozent voranzutreiben, hatte der Iran zu Wochenbeginn neue Zweifel an seinen Absichten geweckt. Bislang verfügte das Land über Uran mit einer Reinheit von 3,5 Prozent, was zur Produktion von Atomstrom ausreicht. Nach offiziellen Angaben wird das höher verdichtete Uran für Brennelemente in einem Forschungsreaktor benötigt, der Isotope für medizinische Zwecke herstellt und bald Nachschub braucht. Die Regierung in Teheran wird aber verdächtigt, insgeheim eine Atombombe entwickeln zu wollen. Dazu müsste Uran auf rund 90 Prozent angereichert werden.

“In Natans haben wir jetzt die Fähigkeit, auf mehr als 20 Prozent und auch auf mehr als 80 Prozent anzureichern”, sagte Ahmadinedschad. “Aber weil wir das nicht benötigen, werden wir es nicht tun.” Die Produktion des 20-prozentigen Urans solle in naher Zukunft verdreifacht werden.

Auslöser der jüngsten Eskalation ist das vorläufige Scheitern der internationalen Bemühungen um einen Austausch leicht angereicherten iranischen Urans gegen Brennelemente für den Teheraner Forschungsreaktor. Der von der Internationalen Atomenergiebehörde vermittelte Vorschlag sieht vor, das gesamte Material - rund drei Viertel der iranischen Bestände - auf einen Schlag ins Ausland zu bringen und später die daraus hergestellten Brennelemente zu liefern. Dadurch würde der Iran vorerst nicht mehr genug Spaltmaterial haben, um daraus das für eine Atombombe nötige hochangereicherte Uran zu gewinnen.

Die iranische Regierung gibt an, weiter zu dem Austausch bereit zu sein, stellt aber für den Westen unannehmbare Bedingungen: Es sollten jeweils nur kleine Mengen auf iranischem Boden ausgetauscht werden. Experten zufolge könnte die jetzige Eskalation auch durch den Machtkampf mit der Opposition motiviert sein. Der Druck wegen des Atomstreits solle Repressionen gegen Kritiker im eigenen Land rechtfertigen, sagte Mustafa Alani vom Gulf Research Center in Dubai.

Ein Grund für die Skepsis des Auslands gegen die jüngsten Schritte ist, dass der Iran sein auf 20 Prozent angereichertes Uran gar nicht selbst zu Brennelementen weiterverarbeiten könnte. Ebenso müsste das Land aber bei einer noch höheren Verdichtung auch noch die weiteren Schritte meistern, um aus dem Material funktionstüchtige Atombomben zu bauen.

Der britische Premierminister Gordon Brown sagte der BBC, neue Sanktionen rückten näher. Die Welt verliere zusehends die Geduld. Im Gespräch sind Diplomaten zufolge etwa Sanktionen gegen die iranische Zentralbank, die fünf größten Geldinstitute des Landes sowie Vertreter und Firmen der Revolutionswächter.

Vor allem China fordert stärkere diplomatische Bemühungen, hat sich zuletzt aber nicht zu Sanktionen geäußert. Dies deute darauf hin, dass es nicht entschieden gegen eine Resolution des UN-Sicherheitsrats sei, sagte Nahost-Experte Yin Gang von der staatlichen Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften.

- von Hossein Jaseb und Ramin Mostafavi -

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