February 22, 2009 / 12:00 PM / 11 years ago

Schröder wirbt bei Iran-Besuch für Integration

Teheran (Reuters) - Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat bei einem Besuch im Iran die Leugnung des Holocaust durch Präsident Mahmud Ahmadinedschad sowie dessen Äußerungen über Israel kritisiert.

Gleichzeitig warb Schröder bei seinem als privat eingestuften Besuch für eine wirtschaftliche Einbindung der Islamischen Republik. “Die Integration auch eines so wichtigen Landes wie Iran in die Weltwirtschaft scheint mir ein erfolgversprechenderer Ansatz zu sein als die Isolierung”, sagte Schröder dem ARD-Fernsehen. Im Westen steht Iran im Verdacht, heimlich Atomwaffen zu entwickeln. Westliche Regierungen, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, drohen dem Land mit Sanktionen und somit mit der wirtschaftlichen Isolation, sollte es sein Atomprogramm nicht offenlegen.

SCHRÖDER: IRAN MUSS REALITÄTEN ANERKENNEN

Schröder kam am Samstag mit Ahmadinedschad zusammen, der mehrfach mit der Leugnung des Holocausts von sich reden gemacht hat. Von dem Treffen selbst wurden keine Details bekannt. Das staatliche iranische Fernsehen berichtete, die beiden hätten regionale und internationale Themen besprochen.

Vor der Unterredung mit dem Präsidenten kritisierte Schröder in einer Rede vor der iranischen Industrie- und Handelskammer Ahmadinedschads Äußerungen zur Ermordung von etwa sechs Millionen Juden unter dem deutschen Nazi-Regime. “Der Holocaust ist eine historische Tatsache”, sagte Schröder. Es mache keinen Sinn, “dieses einmalige Verbrechen zu leugnen”. Iran müsse die Realitäten anerkennen und internationale Regeln beachten, wenn es als Regionalmacht ernstgenommen werden wolle.

Der Präsident der iranischen Industrie- und Handelskammer, Mohammad Nahavandian, warnte, es wäre falsch, die Entwicklungen im Nahen Osten mit zweierlei Maß zu messen. “Wir dürfen das jüngste Massaker an Bewohnern des Gazastreifens nicht vergessen und sollten Israel deswegen international verurteilen”, sagte Nahavandian. Ahmadinedschad, der Israel einen “Tumor” nannte und den Holocaust als Mythos geleugnet hat, hatte die israelischen Luftangriffe im Gaza-Streifen als Völkermord bezeichnet.

Im Gaza-Krieg waren im Januar über 1300 Menschen getötet worden. Mit der Bombardierung des palästinensischen Gaza-Streifens hatte Israel nach eigener Darstellung auf den andauernden Raketenbeschuss Israels durch die Hamas reagiert.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland kritisierte Schröder wegen seines Treffens mit Ahmadinedschad. Für den Präsidenten sei die Begegnung eine Aufwertung und Unterstützung für seinen Wahlkampf, sagte der Generalsekretär des Zentralverbands, Stephan Kramer, der in Hannoverschen “Neuen Presse”. Schröder schade damit dem Ansehen der Bundesregierung und Deutschlands.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below