January 8, 2020 / 10:35 AM / 7 months ago

176 Tote bei Absturz von ukrainischer Maschine im Iran

Dubai/Kiew (Reuters) - Beim Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs im Iran sind am Mittwoch alle 176 Insassen ums Leben gekommen.

Debris of a plane belonging to Ukraine International Airlines, that crashed after taking off from Iran's Imam Khomeini airport, is seen on the outskirts of Tehran, Iran January 8, 2020. Nazanin Tabatabaee/WANA (West Asia News Agency) via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY

Für Verwirrung über die Ursache des Vorfalls sorgte die Ukraine. Deren Botschaft im Iran sprach zunächst von Triebwerksversagen der Maschine vom Typ Boeing 737 und schloss “Terrorismus” als Ursache aus. Später zog sie diese Erklärung allerdings zurück, weil die iranischen Behörden darum gebeten hätten. Deren anfängliche Erklärung habe auf lediglich vorläufigen Informationen beruht, sagte ein Botschaftsvertreter. In einer zweiten Stellungnahme hieß es, die Absturzursachen seien nicht ermittelt. Unter den Absturzopfern sind nach ukrainischen Angaben drei Deutsche.

Der Absturz löste unmittelbar Spekulationen aus, ob das Flugzeug im Zuge des eskalierenden Konflikts zwischen dem Iran und den USA von einer Rakete getroffen worden sein könnte. Darauf angesprochen warnte der ukrainische Ministerpräsident Oleksij Hontscharuk vor Schlussfolgerungen, bevor die Ergebnisse einer Untersuchung bekannt seien. Vor Journalisten in Kiew gab er zugleich ein Flugverbot für ukrainische Maschinen im iranischen Luftraum bekannt. Angesichts der jüngsten iranischen Raketenangriffe auf US-Ziele im Irak strichen Fluggesellschaften Verbindungen und umflogen den Luftraum von Iran und Iran. Die Lufthansa strich am Mittwoch zunächst einen Flug nach Teheran. Später erklärte die Airline, die Verbindung zur iranischen Hauptstadt wieder aufzunehmen. Der Flughafen Teheran sei offen, für die Anflugsroute sowie den Bereich um den Airport gebe es keine Sicherheitsbeschränkungen.

An der Wall Street geriet die Boeing-Aktie kräftig unter Druck. Sie büßte im vorbörslichen Handel 2,6 Prozent ein. Für den US-Flugzeugbauer Boeing kommt der Vorfall zur Unzeit. Die Geschäfte des Airbus-Rivalen werden derzeit massiv beeinträchtigt durch das Flugverbot für die 737 Max.

Der Flieger von Ukraine International Airlines startete auf dem Imam-Chomeini-Flughafen in Teheran und ging kurz darauf südwestlich der iranischen Hauptstadt zu Boden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, es habe keine Überlebenden gegeben. Das iranische Fernsehen sprach von technischen Problemen, ohne dies näher zu erläutern. Einer der beiden Flugschreiber sei gefunden worden. Iranische Medien berichteten ferner unter Berufung auf einen Vertreter der Flugaufsicht, der Pilot habe keinen Notruf abgesetzt. TV-Bilder zeigten Trümmerteile und schwelende Triebwerkteile sowie Rettungskräfte mit Schutzmasken, die mit der Bergung der Leichen beschäftigt waren. Auf einem von iranischen Nachrichtenagenturen verbreiteten Amateurvideo ist ein rasch an Höhe verlierender Lichtstrahl am Himmel zu sehen. Die Bilder werden kommentiert mit den Worten, das Flugzeug brenne. Ihre Echtheit konnte Reuters zunächst nicht von unabhängiger Stelle prüfen lassen.

An Bord der Maschine befanden sich 167 Passagiere und neun Besatzungsmitglieder. Nach Auskunft des ukrainischen Außenministers Wadym Prystajko hatten 82 Insassen eine iranische Staatsangehörigkeit, 63 eine kanadische, elf eine ukrainische, zehn eine schwedische, vier eine afghanische und je drei eine deutsche beziehungsweise britische. Die meisten Fluggäste wollten demnach in der Ukraine umsteigen und in andere Länder weiterreisen.

UKRAINE KÜNDIGT UMFASSENDE PRÜFUNG AN

Bei der Maschine handelt es sich um eine drei Jahre alte Boeing 737-800NG. Die 737-800 ist einer der weltweit meistgenutzten Flugzeugtypen mit einer guten Sicherheitsstatistik. Er verfügt nicht über die Softwarefunktion, die bei den beiden Abstürzen von Maschinen des Typs Boeing 737 Max eine Rolle spielten. Wegen dieser Unglücksfälle mit insgesamt 346 Toten wurden alle 737 Max im März bis auf weiteres aus dem Verkehr gezogen.

Für die Fluggesellschaft Ukraine International Airlines ist es der erste Absturz mit Todesopfern. Sie erklärte, die Unglücksmaschine sei eines der besten Flugzeuge ihrer Flotte gewesen. Die jüngste planmäßige Wartung sei am Montag, die Piloten seien sehr erfahren gewesen. Der ukrainische Präsident Selenskyj kündigte an, alle zivilen Flugzeuge des Landes würden auf ihre Flugtauglichkeit geprüft. Zugleich werde es strafrechtliche und technische Ermittlungen zur Absturzursache geben. Nach internationalem Recht kommt allerdings dem Iran die Federführung bei den Untersuchungen zu, weil sich der Vorfall auf iranischem Boden ereignete.

Ein Boeing-Sprecher sagte, das Unternehmen sammele noch Informationen. Hersteller der Triebwerke ist das Unternehmen CFM International. Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaftsfirma des US-Konzerns General Electric (GE) und der französischen Safran. CFM erklärte in Paris, Spekulationen über die Absturzursache seien verfrüht. Normalerweise können Flugzeuge den Ausfall eines Triebwerks kurz nach dem Start kompensieren und längere Strecken nur mit einem anderen Triebwerk zurücklegen. Sicherheitsexperten zufolge sind üblicherweise monatelange Ermittlungen nötig, um alle Faktoren herauszufinden, die zum Absturz von Flugzeugen führen.

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