December 1, 2011 / 7:04 AM / in 8 years

Großbritannien schließt nach Krawallen Botschaft im Iran

London (Reuters) - Nach dem Sturm auf ihre Botschaft in Teheran hat die britische Regierung alle Diplomaten abgezogen und die Schließung der iranischen Vertretung in London verlangt.

EDITORS' NOTE: Reuters and other foreign media are subject to Iranian restrictions on leaving the office to report, film or take pictures in Tehran. Protesters burn a British flag taken down from the British embassy in Tehran November 29, 2011. REUTERS/Raheb Homavandi (IRAN - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)

Alle iranischen Diplomaten müssten innerhalb von 48 Stunden Großbritannien verlassen, sagte Außenminister William Hague am Mittwoch im Parlament. Alle britischen Botschaftsmitarbeiter seien bereits aus dem Iran abgereist. Die Regierung in Teheran warnte eine Schließung der Botschaft werde Konsequenzen haben. Großbritannien erwäge nun sogar ein Verbot von Ölimporten aus der islamischen Republik, sagte ein Diplomat in London. Deutschland und Frankreich beriefen ihre Botschafter in Teheran zu Konsultationen zurück. Frankreich kündigte zudem an, sich beim Treffen der EU-Außenminister am Donnerstag für verschärfte Sanktionen gegen den Iran einzusetzen.

Nachdem die Regierung in London vor einigen Tagen im Atomstreit ihre Sanktionen gegen die iranische Regierung verschärft hatte, stürmten Demonstranten am Dienstag die britische Vertretung in Teheran. Hague sagte, man könne keine funktionierende Botschaft in Großbritannien erwarten, wenn dies seinem Land im Ausland nicht ermöglicht werde. Es sei unbegreiflich, dass iranische Behörden die Vertretung nicht hätten schützen können. Die Regierung in Teheran müsse zumindest zu einem gewissen Grad den Angriffen zugestimmt haben. Nach den Worten des Ministers werden die Beziehungen zum Iran auf die niedrigste Stufe heruntergefahren.

Wie westliche Diplomaten der Nachrichtenagentur Reuters erklärten, wurden sowohl die Botschaft selbst als auch die Unterkünfte der Mitarbeiter in einem anderen Stadtteil schwer beschädigt. Die aufgebrachte Menge habe viele dienstliche und persönliche Gegenstände zerstört oder gestohlen, als sie in den Gebäuden gewütet habe.

Außenminister Guido Westerwelle nannte die Vorfälle “in gar keiner Weise akzeptabel” und kündigte an, im Rahmen der Afghanistan-Konferenz am Montag das Gespräch mit der iranischen Führung zu suchen. “Wir haben heute den iranischen Botschafter in Berlin ins Auswärtige Amt einbestellt und ihm auch unzweideutig klargemacht, dass wir solche Übergriffe in keiner Weise akzeptieren können, und ich habe den deutschen Botschafter in Teheran nach Berlin berufen, um mit ihm die Angelegenheit und die Lage weiter zu konsultieren”, sagte Westerwelle am Rande des EU-Außenministertreffens in Brüssel. Auch die Sicherheitsvorkehrungen in der Vertretung seien verstärkt worden. Die deutsche Schule, die ebenfalls vom Angriff betroffen war, soll vorerst geschlossen bleiben.

Bei den Krawallen am Dienstag warfen Demonstranten Scheiben der Botschaft ein, zündeten Brandsätze und verbrannten die britische Fahne. Das iranische Außenministerium sprach zwar sein Bedauern über die Vorfälle aus und versprach, für die Sicherheit von Diplomaten zu sorgen. Parlamentspräsident Ali Laridschani kritisierte jedoch den UN-Sicherheitsrat für eine nach seinen Worten voreilige Verurteilung der Erstürmung durch Studenten. Diese unaufrichtige Entscheidung diene nur dazu, frühere Verbrechen durch die USA und Großbritannien zu vertuschen und werde die globale Sicherheit gefährden, warnte Laridschani.

ZEITUNGEN: “FUCHSBAU EROBERT”

Eine iranische Zeitung zitierte aus einer angeblichen Stellungnahme der beteiligten Demonstranten. Die Erstürmung gehe auf das Konto revolutionärer Studenten und sei von keiner Organisation angeordnet worden, hieß es darin. “Jeder freie Iraner sollte wissen, dass die Besetzung dieser alten Botschaft im Interesse des Iran ist.”

Die meisten iranischen Zeitungen druckten auf ihren Titelseiten Fotos der Erstürmung. Ein konservatives Blatt titelte “Fuchsbau erobert” - eine Anspielung auf die im Iran geläufige Bezeichnung für Großbritannien als “der alte Fuchs”, der weiter im Hintergrund die Strippen zieht. Viele Zeitungen bezeichneten die Erstürmung als Wiederholung der Besetzung der US-Botschaft 1979. Damals wurden 52 US-Bürger für 444 Tage als Geiseln gehalten - der Zwischenfall besiegelte das Ende der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Iran und den USA.

Es handelt sich um die schwerste diplomatische Krise zwischen dem Iran und Großbritannien seit 1999, als volle diplomatische Beziehungen wiederaufgenommen wurden. Schon davor war das Verhältnis wegen eines Streites über Salman Rushdies Roman “Die satanische Verse” belastet. Der iranische Revolutionsführer Ruhollah Chomeini hatte wegen des Werkes zur Tötung Rushdies aufgerufen.

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