February 9, 2012 / 5:23 PM / in 8 years

Iran und EU setzen im Atomstreit auf Indien

London/Neu Delhi (Reuters) - Unter dem Druck von internationalen Sanktionen drängt der Iran seinen Handelspartner Indien zu Weizenlieferungen.

Der zweitgrößte Produzent der Welt bestätigte am Freitag die Anfrage eines “privaten Käufers” nach einer “sehr großen Menge”. “Warum sollte ich mir die Geschäftschance entgehen lassen?”, fragte Handelsminister Rahul Khullar in Neu Delhi. Indien respektiere UN-Sanktionen, wolle sich aber am Export-Stop von EU und USA nicht beteiligen. Während der Minister andeutete, den Verkauf in Erwägung zu ziehen, bemühte sich die EU um Hilfe Indiens im Atomstreit. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy will das Schwellenland dazu bringen, seinen Einfluss zu nutzen, um die Führung in Teheran wieder an den Verhandlungstisch zu bringen.

Die jüngst verhängten Sanktionen bereiten dem Iran zunehmend Probleme im internationalen Handel. Das Land hat große Schwierigkeiten, Lebensmittelimporte zu bezahlen und Geld für seine Ölexporte zu empfangen. Nach malaysischen Exporteuren stoppten Händlern zufolge auch Unternehmen aus Singapur die Belieferung des Irans mit Palmöl, das für die Produktion von Bio-Diesel und Speiseöl benötigt wird. In der Folge leidet auch der Schiffsverkehr, über den ein Großteil der Einfuhren ins Land kommen, darunter Lebensmittel und Verbraucherartikel. Die dänische Reederei A.P. Moeller-Maersk hat bereits angekündigt, kein iranisches Öl mehr zu transportieren.

Die internationalen Finanzsanktionen zwingen die Islamische Republik, für den Import von Grundnahrungsmitteln ihre Goldreserven angreifen. “Getreidelieferungen werden mit Goldbarren bezahlt. Zudem werden Gegengeschäfte mit Öl angeboten”, sagte ein europäischer Weizenhändler. Die Strafmaßnahmen beschneiden die Möglichkeiten der Islamischen Republik, in den Besitz von Dollar oder Euro zu gelangen, mit denen die Lieferungen normalerweise bezahlt werden. Ausweichwege über Dubai in den Vereinigten Arabischen Emirate sind versperrt, weil deren Regierung ein Bruch der Sanktionen nicht gestatten will.

Der Iran selber dementiert zwar bislang, dass die Sanktionen seiner Wirtschaft Schaden zufügen. Die von Reuters rund um den Globus befragten Rohstoffhändler zeichnen jedoch ein anderes Bild: Sie berichten einstimmig von gravierenden Handelsstörungen. Der Iran bestreitet Vorwürfe, unter dem Deckmantel der Energieerzeugung nach Atomwaffen zu streben.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below