February 10, 2012 / 4:18 PM / 8 years ago

Handelssorgen zwingen Asien-Mächte zur Iran-Diplomatie

Peking/Hamburg (Reuters) - Unter dem Druck neuer Handelshemmnisse schalten sich China und Indien verstärkt in den Atomstreit mit dem Iran ein.

Die beiden asiatischen Wirtschaftsmächte signalisierten am Freitag, sie wollten mit diplomatischen Mitteln eine Lösung des Konflikts vorantreiben. So will China einen Vertreter nach Teheran schicken. Die indische Regierung betonte ihrerseits, der Atomstreit könne und müsse vor allem durch Diplomatie gelöst werden. Zuvor hatte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy das Schwellenland dazu gedrängt, wie die EU und die USA den Druck auf den Iran zu erhöhen. China und Indien sind wichtige Wirtschaftspartner des Ölexporteurs. Durch internationale Beschränkungen kommt der Handel aber immer mehr ins Stocken.

“Wir haben stets den Dialog als das einzig probate Mittel zur Lösung des Atomstreits mit dem Iran befürwortet”, teilte das Pekinger Außenministerium mit. Mit dem Besuch am Sonntag werde ein weiterer Meinungsaustausch angestrebt. China gehört mit Großbritannien, Frankreich, Russland, den USA und Deutschland in dem seit Jahren schwelenden Konflikt zu den internationalen Verhandlungspartnern des Iran. Die Gespräche liegen aber seit rund einem Jahr auf Eis. Vor allem die USA und die EU verdächtigen den Iran, heimlich Nuklearwaffen zu entwickeln - was die Teheraner Regierung zurückweist. Der Iran soll nun mit einer neuen Runde internationaler Sanktionen zur Aufgabe seines umstrittenen Atomprogramms gebracht werden.

Zu diesem Zweck müsse auch Indien seinen Einfluss im Iran geltend machen, sagte EU-Ratspräsident Van Rompuy bei einem Besuch in Neu Delhi. Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh verteidigte daraufhin die Handelsbeziehungen des aufstrebenden Schwellenlandes mit dem Iran. “Der Iran ist für uns eine wichtige Energiequelle”, sagte er mit Blick auf die immensen Rohöleinfuhren seines Landes aus der Islamischen Republik.

Indien gehört mit China zu den größten Ölkunden des Iran. Doch neue Finanzsanktionen der USA und der EU erschweren aber den Handel des stark von Importen abhängigen Islamischen Republik, die eingeführte Grundnahrungsmitteln und andere Produkte aus dem Ausland nur auf Umwegen bezahlen kann - im Tausch gegen Goldbarren und Tankerladungen Öl, weil die Sanktionen den Iran von Geschäften mit internationale Banken ausschließen.

Diese Probleme zeigen sich auch im Handel mit Indien und China immer deutlicher. So berichten indische Händler von Schwierigkeiten, ihr Geld für Reis- und Teelieferungen in den Iran zu bekommen. Die Einfuhr von Baustahl in den Iran ist nach neusten Erkenntnissen zum Erliegen gekommen, weil iranische Händler nicht mehr an Devisen kommen.

IEA: SANKTIONEN ÄNDERN SCHON IM VORAUS ÖL-HANDELSFLÜSSE

Auch die geplanten Einfuhrbeschränkungen wichtiger Öl-Abnehmer bekommt der Iran bereits deutlich zu spüren. Zwar würden die auf iranische Exporte zielenden internationalen Sanktionen erst ab Juli wirksam, teilte die Internationale Energiebehörde (IEA) mit. Auf die Öl-Handelsflüsse in Europa, Asien und dem Nahen Osten hätten sie aber im voraus schon Auswirkungen. “Obwohl es noch fünf Monate dauert, bevor Einschränkungen der bestehenden Verträge in Kraft treten, haben europäische Kunden bereits ihre Rohöl-Importe aus dem Iran gedrosselt”, heißt es in dem monatlichen Ölmarktbericht der IEA. Die Europäer suchten wahrscheinlich Ersatz in Russland, dem Irak und Saudi-Arabien. Die EU will im Sommer die Öl-Einfuhr aus dem Iran komplett einstellen.

Nutznießer der Handelsbeschränkungen könnte China sein, dessen Verhandlungsposition gegenüber den iranischen Ölgesellschaften deutlich besser geworden sei. Die Volksrepublik drängt den Iran zu Preisnachlässen - was sie mit der Verringerung der Einfuhren durchsetzen will. Aber nur mit noch höheren Käufen Chinas könnte der Iran die Auswirkungen der Sanktionen ausgleichen.

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