January 9, 2020 / 6:11 AM / 14 days ago

Technisches Problem als Absturzursache vermutet

Relatives of the flight crew members of the Ukraine International Airlines Boeing 737-800 plane that crashed in Iran, mourn at a memorial at the Boryspil International airport outside Kiev, Ukraine January 8, 2020. REUTERS/Valentyn Ogirenko

Dubai/Kiew (Reuters) - Einen Tag nach dem Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs im Iran mit 176 Toten mehren sich die Hinweise auf eine technische Ursache.

Sowohl ein am Donnerstag bekanntgewordener vorläufiger Bericht der iranischen Ermittler als auch eine erste Einschätzung westlicher Geheimdienste tendieren in diese Richtung. Die Erkenntnisse der iranischen Behörden für die zivile Luftfahrt beziehen sich auf Äußerungen von Augenzeugen. Demnach wurde sowohl am Boden als auch in einer anderen Maschine aus großer Flughöhe beobachtet, dass die Boeing 737-800 von Ukrainian International Airlines bereits in der Luft in Brand geriet.

Dem Bericht zufolge trat kurz nach dem Start am Mittwoch in Teheran ein technisches Problem auf, und das Flugzeug steuerte einen nahe gelegenen anderen Flughafen an, bevor es zu Boden ging. Unklar blieb, ob es sich um einen mechanischen Defekt oder ein fehlerhaftes Bauteil handeln soll. Die Autoren bezeichnen den Vorfall als “Unfall”. Die Vorlage eines vorläufigen Berichts binnen 24 Stunden ist selten. Es kann Monate dauern, bis die Ursachen von Flugzeugabstürzen geklärt sind.

Westliche Geheimdienste kamen Sicherheitskreisen zufolge zu einer ähnlichen Ersteinschätzung. Auch sie gehen demnach von einer technischen Fehlfunktion aus - und nicht davon, dass die Maschine von einer Rakete getroffen wurde. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von drei Informanten aus den USA, einem aus Europa und einem aus Kanada. Kanada war das Ziel von zahlreichen Passagieren. Darunter befanden sich größtenteils Iraner und iranischstämmige Kanadier. Kiew war für sie nur ein Zwischenhalt. In kanadischen Kreisen war die Rede von Hinweisen auf eine Überhitzung von einem der Triebwerke. Angesichts der jüngsten Raketenangriffe des Iran auf US-Ziele im Irak waren auch Spekulationen aufgekommen, das ukrainische Flugzeug könnte von einem Geschoss getroffen worden sein.

Nach Erkenntnissen der iranischen Luftfahrtbehörde befanden sich keine Deutschen an Bord der Maschine. Die Ukraine hatte zunächst auch von drei deutschen Todesopfern gesprochen. Zudem hatte die ukrainische Botschaft im Iran den Absturz anfänglich auf Triebwerksversagen zurückgeführt, diese Erklärung später aber wieder zurückgenommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj betonte in Kiew, die Regierung ziehe mehrere mögliche Ursachen in Betracht. In einer Fernsehansprache warnte er vor übereilten Bewertungen des Vorfalls und Verschwörungstheorien. Zugleich erklärte er den 9. Januar zum nationalen Trauertag.

Der nationale Sicherheitsrat der Ukraine brachte eine weitere Spur ins Spiel. Gremiumsleiter Oleksij Danylow erklärte via Facebook, ukrainische Ermittler wollten die Absturzstelle nach möglichen Trümmern einer russischen Rakete absuchen. Informationen über derartige Teile seien im Internet aufgetaucht. Als mögliche Absturzursachen nannte Danylow einen Raketenangriff, eine Kollision, eine Triebwerksexplosion oder einen Terrorakt.

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