January 3, 2020 / 3:03 PM / 24 days ago

USA töten Irans Nummer zwei - Chamenei droht mit Vergeltung

Bagdad/Washington (Reuters) - Die gezielte Tötung einer der wichtigsten iranischen Führungsfiguren durch die USA im Irak schürt weltweit die Furcht vor einer militärischen Eskalation in der gesamten Region.

Burning debris is seen on a road near Baghdad International Airport in Iraq, January 3, 2020. Iran threatened to retaliate after a U.S. air strike in Baghdad on Friday killed Qassem Soleimani, commander of Iran's elite Quds Force and architect of its growing military influence in the Middle East. Iraqi Security Media Cell via REUTERS

Das geistliche und staatliche Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, drohte am Freitag mit massiver Vergeltung für den Tod des Kommandeurs der Al-Kuds-Brigaden, General Kassem Soleimani. Er galt als mächtigste Figur nach Chamenei und als Architekt von Irans wachsenden militärischen Einfluss im Nahen Osten. “Alle Feinde müssen wissen, dass der Dschihad des Widerstandes mit doppeltem Ansporn weitergehen wird”, sagte Chamenei. US-Außenminister Mike Pompeo versicherte, die USA blieben der Deeskalation verpflichtet. “Wir wollen keinen Krieg mit dem Iran. Aber wir werden nicht dastehen und zusehen, wie das Leben von US-Bürgern in Gefahr ist.” Der Ölpreis zog an. Die Börsenkurse gaben rund um den Globus nach.

US-Präsident Donald Trump twitterte, über einen langen Zeitraum hinweg habe Soleimani “Tausende Amerikaner getötet oder schwer verletzt”. Soleimani habe geplant, “viele weitere US-Bürger zu töten”. Außerdem sei er für den Tod zahlreicher Demonstranten im Iran verantwortlich, die gegen die Führung protestiert hatten. Pompeo bezeichnete bei Fox News und CNN den Angriff auf Soleimani als rechtmäßig. Es bestehe kein Zweifel, dass seine Tötung das Leben von US-Bürgern gerettet habe.

Soleimani wurde US-Kreisen zufolge durch einen Drohnenangriff auf dem Flughafen der irakischen Hauptstadt Bagdad getötet. Dabei starb auch der führende Kommandeur irakischer Schiiten-Milizen, Abu Ahdi al-Muhandis. Die iranischen Revolutionsgarden, zu denen Soleimanis Al-Kuds-Brigaden gehören, teilten mit, US-Hubschrauber hätten den Angriff geflogen.

“Auf Befehl des Präsidenten hat das US-Militär einen entschlossenen Akt der Verteidigung unternommen, um durch die Tötung Kassem Soleimanis US-Soldaten im Ausland zu schützen”, erklärte das US-Verteidigungsministerium. “Der Angriff zielte darauf, künftige Angriffspläne des Irans zu verhindern.”

SOLEIMANI WAR ARCHITEKT DES IRANISCHEN EINFLUSSES IN REGION

Die Al-Kuds-Brigaden, die Soleimani seit 1998 führte, sind jenseits der iranischen Grenzen im Einsatz. Sie unterstützten den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, als ihm in dem seit 2011 dauernden Bürgerkrieg die Niederlage drohte. Soleimani sorgte auch für enge Beziehungen zur schiitischen Hisbollah-Miliz im Libanon.

Im Irak kämpften Soleimanis Einheiten an der Seite schiitischer Milizen gegen den radikal-islamischen IS. Zu den Schiiten-Milizen gehört die Kataib Hisbollah, die der ebenfalls getötete Muhandis gegründet hatte, und deren Stellungen die USA erst vor wenigen Tagen angegriffen hatten. Als Reaktion darauf hatten aufgebrachte Iraker die US-Botschaft in Bagdad gestürmt. Muhandis war ein führender Kommandeur der irakischen Volksmobilmachungskräfte, einer Dachorganisation meist schiitischer Milizen, die vom Iran unterstützt werden und die inzwischen in die irakischen Streitkräfte integriert sind.

“WELT KANN SICH KEINEN WEITEREN KRIEG IM GOLF ERLAUBEN”

Wenige Stunden nach dem Angriff rief die US-Botschaft in Bagdad alle US-Bürger auf, den Irak umgehend zu verlassen. Dessen Ministerpräsident Adel Abdul Mahdi verurteilte die Tötung Soleimanis als Aggression gegen sein Land und als empörenden Verstoß gegen die Voraussetzungen für die Präsenz der US-Truppen. Er sprach von einer “gefährlichen Eskalation, die die Lunte zu einem zerstörerischen Krieg im Irak, in der Region und in der ganzen Welt entzündet”. Ähnlich äußerte sich der im Irak führende schiitische Geistliche, Großajatollah Ali al-Sistani. Er mahnte auch zur Besonnenheit. “Wir rufen alle betroffenen Parteien auf, sich zurückzuhalten und klug zu agieren.”

Die Bundesregierung rief ebenfalls zur Zurückhaltung auf und äußerte sich besorgt. “Das amerikanische Vorgehen ist eine Reaktion auf eine ganze Reihe von militärischen Provokationen, für die der Iran Verantwortung trägt”, sagte eine Regierungssprecherin. Sie verwies auf Attacken auf Öl-Tanker in der Straße von Hormus und einen Angriff auf eine Öl-Anlage in Saudi-Arabien, zu dem sich die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen bekannt haben.

Russland, das im Syrien-Konflikt mit dem Iran zusammenarbeitet, nannte die Tötung Soleimanis kurzsichtig. China rief die Beteiligten auf, Ruhe zu bewahren. Die Türkei warnte vor wachsender Unsicherheit und Instabilität in der Region. UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte, die Welt könne sich keinen weiteren Krieg im Golf erlauben.

Die Hisbollah-Miliz im Libanon kündigte an, sie werde den Kurs Soleimanis fortsetzen. Das israelische Militär ist dem Armee-Hörfunk zufolge in erhöhter Alarmbereitschaft, weil Vergeltung durch die Hisbollah, die Hamas oder den Islamischen Dschihad im Gazastreifen befürchtet wurden. Der amtierende Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, die USA hätten das Recht auf Selbstverteidigung - genau wie Israel.

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