January 8, 2020 / 6:24 AM / 12 days ago

Iran greift US-Truppen im Irak an - "Rache für Soleimani"

Bagdad/Washington (Reuters) - Aus Rache für den Tod von General Kassem Soleimani hat der Iran von den USA angeführte internationale Truppen im Irak angegriffen und damit die Furcht vor einem Krieg in Nahost angefacht.

A picture of Iranian Major-General Qassem Soleimani, head of the elite Quds Force, who was killed in an air strike at Baghdad airport, is seen on the former U.S. Embassy's building in Tehran, Iran January 7, 2020. Nazanin Tabatabaee/WANA (West Asia News Agency) via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY

15 Raketen seien in der Nacht zum Mittwoch auf US-Ziele im Irak abgefeuert worden, meldete das iranische Staatsfernsehen. Das US-Militär teilte mit, mindestens zwei irakische Militärstützpunkte seien getroffen worden, auf denen US-Truppen und Soldaten der internationalen Militärkoalition stationiert seien. Während der Iran von 80 getöteten “amerikanischen Terroristen” sprach, war aus US-Kreisen zu vernehmen, dass es nach ersten Erkenntnissen wohl keine US-Opfer gegeben habe. Mit Spannung wurde auf die Reaktion von US-Präsident Donald Trump gewartet, der den Iran vor Vergeltungsangriffen gewarnt und mit “harten und schnellen” Gegenangriffen gedroht hatte. Auf Twitter kündigte er in der Nacht eine Erklärung im Verlauf des Tages an und fügte hinzu: “Alles ist gut.”

Deutschland, Dänemark, Norwegen und Polen teilten mit, keine ihrer Soldaten seien zu Schaden gekommen. Die deutschen Soldaten wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums vor dem Raketenbeschuss gewarnt und suchten daraufhin Schutzräume auf. Die US-Luftfahrtbehörde sperrte für amerikanische Fluggesellschaften den Luftraum über dem Irak, dem Iran, dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Mehrere internationale Airlines strichen vorläufig Flüge in die Region, darunter die Lufthansa.

Für zusätzliche Aufregung sorgte der Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs kurz nach dem Start in Teheran, bei dem alle 176 Insassen ums Leben kamen. Die ukrainische Botschaft im Iran nannte als Ursache zunächst Triebwerksversagen. Später zog sie diese Erklärung allerdings zurück. Der Absturz löste Spekulationen aus, ob das Flugzeug im Zuge des eskalierenden Konflikts zwischen dem Iran und den USA von einer Rakete getroffen worden sein könnte. Darauf angesprochen warnte der ukrainische Ministerpräsident Oleksij Hontscharuk vor voreiligen Schlussfolgerungen.

Die Furcht vor einer weiteren Eskalation des Konflikts belastete auch die Aktienmärkte in Fernost und Europa. Der Ölpreis legte zu. Mehrere Länder passten ihre Reisehinweise an. Das Auswärtige Amt etwa riet vorläufig von Reisen in die Region Kurdistan-Irak aufgrund der unklaren Sicherheitslage dringend ab. Frankreich riet zur besonderen Vorsicht in der israelischen Stadt Haifa, ohne dies genau zu begründen.

“EIN SCHLAG INS GESICHT DER USA”

Die Raketenangriffe im Irak seien ein “Schlag ins Gesicht” der USA, sagte das religiöse und politische Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei. Die US-Truppen müssten die Region verlassen. “Die USA sind der Feind des Iran.” Außenminister Dschawad Sarif bezeichnet den Angriff als “legitime Selbstverteidigung”. Mit den Raketenschlägen sei Irans Reaktion auf Soleimanis Tötung abgeschlossen. Der Iran wolle keine Eskalation oder einen Krieg. “Aber wir werden uns gegen jede Aggression verteidigen.” Präsidentenberater Hessameddin Aschena warnte die USA vor Gegenschlägen. Jede feindliche US-Militäraktion werde zu einem großen Krieg in der gesamten Region führen.

Die USA hatten Soleimani vergangenen Freitag mit einem gezielten Drohnenangriff in Bagdad getötet. Der General wird im Iran als Nationalheld verehrt. Quer durch den Nahen Osten, darunter auch im Irak, hatte er ein Netzwerk irantreuer Milizen aufgebaut. Für viele westliche Regierungen galt der Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden als einer der gefährlichsten Strippenzieher zahlreicher Anschläge. Nach Angaben der US-Regierung plante er weitere Angriffe auf US-Ziele.Enno2003

Die Bundesregierung verurteilte die Raketenangriffe “aufs Schärfste”. Außenminister Heiko Maas forderte den Iran auf, alle Schritte zu unterlassen, die zu einer weiteren Eskalation führen könnten. Ziel der Raketenangriffe wurden nach US-Angaben der Luftwaffenstützpunkt Al-Assad westlich von Bagdad sowie ein Stützpunkt in Erbil in der Kurdenregion im Nordirak. Auf dem großen Militärstützpunkt am Flughafen von Erbil sind in unterschiedlichen Bereichen Soldaten mehrerer Nationen untergebracht, darunter auch deutsche. Sie seien wohlbehalten, teilte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam mit.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer deutete in Berlin an, dass die Warnung vor dem iranischen Raketenangriff von den USA kam. “Wir waren heute Nacht in ganz enger Abstimmung mit der amerikanischen Seite.” In der ARD sagte sie, die Bundeswehr bereite eine mögliche Verlegung eines Teils der im Nordirak stationierten Soldaten vor. Die Bundeswehr hatte nach der Tötung Soleimanis wie einige andere Staaten bereits Soldaten aus dem Süden Iraks abgezogen und ein Viertel der gut 120 Bundeswehr-Angehörigen nach Jordanien und Kuwait verlegt.

DAS “SCHWÄCHSTE” VERGELTUNGSSZENARIO

Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens wurden neben den 80 getöteten Amerikanern auch US-Hubschrauber und Militärausrüstung beschädigt. Belege dafür lieferte der Sender nicht. Ein Pentagon-Sprecher sagte, man arbeite an ersten Schadenseinschätzungen. “Während wir die Lage und unsere Reaktion abschätzen, werden wir alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um US-Personal, Partner und Verbündete in der Region zu schützen.”

Die Führung in Teheran hatte Vergeltung für Soleimanis Tötung angekündigt und mit einem “historischen Alptraum” für die Amerikaner gedroht. Die Raketen wurden nur wenige Stunden nach der Beerdigung Soleimanis in seiner Heimatstadt Kerman zur selben Uhrzeit abgefeuert, zu der der General am Freitag getötet worden war. Das iranische Staatsfernsehen zitierte Vertreter aus dem Büro Chamaneis mit den Worten, die Raketenangriffe seien das “schwächste” mehrerer Vergeltungsszenarien gewesen. 100 andere potenzielle Ziele seien ins Auge gefasst worden.

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