January 6, 2020 / 12:57 PM / 6 months ago

Experten - Iran-USA-Konflikt eine Gefahr mehr für Konjunktur

FILE PHOTO: A staff member removes the Iranian flag from the stage after a group picture with foreign ministers and representatives of United States, Iran, China, Russia, Britain, Germany, France and the European Union during the Iran nuclear talks at the Vienna International Center in Vienna, Austria July 14, 2015. REUTERS/Carlos Barria/File Photo

Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft und Ökonomen zeigen sich besorgt wegen der Eskalation zwischen dem Iran und den USA.

“Das ist eine Gefahr mehr für die Weltkonjunktur im Jahr 2020 und damit auch für die international besonders stark verflochtene deutsche Wirtschaft”, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. So bestehe Anlass zur Sorge, dass die höheren Ölpreise als Folge des Konfliktes von längerer Dauer sein könnten. “Allein der Anstieg seit vergangenem Donnerstag von fünf Prozent kostet die deutsche Volkswirtschaft auf das Jahr hochgerechnet zwei Milliarden Dollar mehr”, sagte Treier. “Das schöpft Kaufkraft ab.”

Auch das Institut für Weltwirtschaft (IfW) warnt vor einer Gefahr durch die Spannungen zwischen dem Iran und den USA. “Die Möglichkeit, dass der Konflikt eskalieren könnte, belastet die Weltwirtschaft und gefährdet dadurch auch die Konjunktur in Deutschland”, sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr zu Reuters. Neben der Gefahr eines Krieges sei vor allem die befürchtete Zunahme terroristischer Aktivitäten belastend. “Ein verheerender Terroranschlag in einer westlichen Großstadt hätte massive wirtschaftliche Auswirkungen weltweit”, sagte Felbermayr. “Die Börsen sind zu Recht verunsichert.”

“ERST EINMAL GEGENWIND”

Die USA und der Iran verschärften zuletzt ihre gegenseitigen Drohungen nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch das US-Militär. Dies schürt die Furcht vor einer Eskalation in der Region. Die direkte Betroffenheit Deutschlands im Iran ist dem IfW zufolge gering. “Die deutschen Exporte in den Iran dürften im Jahr 2019 weniger als zwei Milliarden Euro betragen haben, die Importe vielleicht 100 Millionen Euro”, sagte Felbermayr. Ein neuer Golfkrieg würde aber die ganze Region destabilisieren. “Hier wären die direkten Effekte schon stärker”, warnte der IfW-Präsident. Insgesamt gingen 2018 etwa 51 Milliarden Euro an deutschen Exporten in den Nahen Osten einschließlich der Türkei und Ägypten. Deutschland beziehe allerdings kaum noch Erdölimporte aus der Region. Die Importe in allen Gütersparten betrugen 2018 vergleichsweise geringe 24 Milliarden Euro.

Die von den Außenhandelskammern befragten Unternehmen hatten sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass es im Nahen und Mittleren Osten 2020 zu einem zarten konjunkturellen Aufschwung kommt. “Stattdessen spüren sie nun erst mal Gegenwind”, sagte DIHK-Experte Treier. “Die Hoffnungen sinken, dass die deutschen Exporte in die Region in diesem Jahr zunehmen.” Deutsche Unternehmen beschäftigen dort demnach rund 80.000 Mitarbeiter. Sie haben etwa elf Milliarden Euro investiert. “Der Konflikt ist alles andere als ein Konjunkturprogramm für die deutsche Wirtschaft, die sich ohnehin schon in einer schwierigen Lage befindet”, fasste Treier zusammen.

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