May 12, 2020 / 7:47 AM / 16 days ago

Ryanair plant Neustart mit Maskenpflicht ab Juli

A Ryanair aircraft stands on the tarmac at Frankfurt-Hahn Airport during a strike of their pilots and cabin crew in Hahn, near Frankfurt, Germany, September 12, 2018. REUTERS/Ralph Orlowski

Dublin (Reuters) - Der Billigflieger Ryanair plant nach dem erhofften Ende der Coronavirus-Flugpause einen Neustart mit fast 1000 Flügen täglich ab 1. Juli.

Damit sollen aus dem Stand 40 Prozent der Linienflüge wieder aufgenommen und 90 Prozent des Streckennetzes bedient werden, wie die Fluggesellschaft am Dienstag mitteilte. Derzeit bietet Europas größter Billigflieger gerade noch 30 Flüge täglich an. Der Neustart steht allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Reisebeschränkungen innerhalb der EU aufgehoben werden und die Flughäfen Gesundheitsvorkehrungen gegen Covid-19 treffen. “Nach vier Monaten ist es an der Zeit, Europa wieder zum Fliegen zu bringen”, erklärte Ryanair-COO Eddie Wilson. Freunde und Familien müssten sich wieder besuchen können, Beschäftigte an ihre Arbeitsplätze zurückkehren und die von der Corona-Krise schwer getroffene Tourismusindustrie wieder hochfahren.

Derzeit gelten in der Schengen-Zone mit ihren 26 europäischen Ländern, in denen in normalen Zeiten die Grenzen nicht kontrolliert werden, in mindestens 17 Ländern Reisebeschränkungen wegen der Pandemie. Dabei gab es unter den EU-Staaten keine Koordination. Die EU-Kommission dringt nun darauf, dass sich die Mitgliedstaaten abstimmen, um die Abschottung schrittweise aufzuheben. Erst dann könne auch die EU-Außengrenze wieder geöffnet werden, die zumindest noch bis Mitte Juni für nicht notwendige Einreisen geschlossen ist. Zu Einzelheiten einer Lockerung will die EU-Kommission am Mittwoch einen Vorschlag machen.

Ryanair erklärte weiter, ab Juli sollten die meisten der 80 Basen den Flugbetrieb wieder aufnehmen. Die Frequenz auf den Hauptstrecken werde zunächst niedrig sein, denn die Flugzeuge sollten auf möglichst vielen Strecken wieder abheben statt nur wenige Verbindungen mit hoher Frequenz zu bedienen. Ryanair-Chef Michael O’Leary sagte der Nachrichtenagentur Reuters, derzeit gebe kaum Buchungen. Doch es habe sich genug Nachfrage aufgestaut, um im Juli und August 50 bis 60 Prozent der Sitzplätze zu füllen.

Die Lufthansa kündigte vergangene Woche den Start eines regulären Flugplans für Mitte Juni an, nannte aber keine Zahl für die geplanten Flüge.

STRENGE HYGIENEMAßNAHMEN - MASKENPFLICHT FÜR REISENDE

Ryanair stellte einen Katalog mit Hygienemaßnahmen vor, durch die die Ansteckungsgefahr auf Flügen gebannt werden soll. Die Kunden sollen weniger Gepäck aufgeben, online einchecken und Bordkarten auf das Smartphone laden. Beim Betreten des Flughafens soll die Körpertemperatur kontrolliert werden. Die Menschen sollen Abstand halten, wo immer möglich. Die Flugzeuge werden mit Desinfektionsmittel gereinigt. Für Passagiere und Crews soll künftig Maskenpflicht gelten. Schlangestehen vor der Flugzeugtoilette wird untersagt. Die Flugbegleiter lassen die Passagiere auf Anfrage zur Toilette gehen. Die Fluggäste sollen außerdem Formulare ausfüllen mit Angaben zu Aufenthaltsdauer und -ort. Die Daten werden an die EU weitergeleitet, damit gegebenenfalls Quarantänevorschriften überwacht werden könnten. Eine Vorschrift, den mittleren Platz frei zu lassen, lehnt Ryanair ab. Die Idee sei in der EU schon gestorben, sagte O’Leary.

Den Plan der britischen Regierung, für Einreisende aus allen Ländern - abgesehen bisher von Frankreich und Irland - eine 14-tägige Quarantänepflicht zu verhängen, nannte Ryanair-Chef Michael O’Leary in der BBC “idiotisch”. Das sei nicht umsetzbar und werde voraussichtlich auch nicht befolgt.

Bei der österreichischen Tochter Lauda will O’Leary Ende Mai die Basis in Österreich schließen, wenn die Gewerkschaften weiterhin Verhandlungen verweigern sollten. Zudem soll die Flotte von 30 Airbus-Flugzeugen schrumpfen und in den kommenden Jahren durch Boeing-Maschinen ersetzt werden. Alle Bestellungen für die nächsten zwölf Monate wollen die Iren stornieren. Dass Ryanair ausschließlich Modelle des US-Herstellers einsetzt, trägt zu niedrigen Kosten bei.

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