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Syrische Beobachtungsstelle meldet Tod von IS-Chef Bagdadi
July 11, 2017 / 2:25 PM / 5 months ago

Syrische Beobachtungsstelle meldet Tod von IS-Chef Bagdadi

Kairo/Beirut (Reuters) - Der Anführer der IS-Miliz, Abu Bakr al-Bagdadi, ist nach Erkenntnissen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte tot.

A boy poses while showing one of the fake U.S. 100 dollar banknotes depicting Islamic State's leader Abu Bakr al-Baghdadi (L) and al-Nusra Front's leader Abu Mohammed al-Joulani (R), that were dropped by Syrian army jets in the Douma neighborhood of Damascus, Syria December 27, 2015. REUTERS/Bassam Khabieh

Der Direktor der oppositionsnahen Gruppe, Rami Abdulrahman, sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag, ihm lägen Informationen vor, die bestätigten, dass der Islamist getötet worden sei. Die Angaben ließen sich unabhängig nicht überprüfen. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es könne den Tod Bagdadis nicht bestätigen. Ähnlich äußerten sich auch irakische und kurdische Vertreter.

Bagdadis Tod wurde bereits mehrfach gemeldet, seitdem er 2014 im irakischen Mossul ein Kalifat ausgerufen hatte. Im Juni hatte das russische Verteidigungsministerium erklärt, der Chef des sogenannten Islamischen Staats sei möglicherweise bei einem Luftangriff am 28. Mai am Rande der syrischen Stadt Rakka ums Leben gekommen. Die USA hatten auch damals erklärt, sie könnten dies nicht bestätigen. Vertreter der irakischen Regierung äußerten sich damals skeptisch. Ende Juni meldete die amtliche iranische Nachrichtenagentur Irna, Bagdadi sei ums Leben gekommen.

Die Beobachtungsstelle hat ihren Sitz in Großbritannien. Sie verfügt über ein breites Netz an Informanten in Syrien und ist bekannt dafür, glaubhafte Informationen zur Lage in dem Bürgerkriegsland zu verbreiten. Abdulrahman berief sich auf hochrangige IS-Informanten, die gesagt hätten, dass Bagdadi gestorben sei. Einen konkreten Zeitpunkt hätten sie aber nicht genannt.

Die jüngsten Berichte über den Tod Bagdadis fallen zusammen mit schweren Niederlagen des IS. Am Montag erklärte der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi den Sieg über die Miliz in Mossul. Allerdings lagen auch am Dienstag noch Meldungen über anhaltende Gefechte in und um der Metropole vor. So eroberten schwer bewaffnete IS-Kämpfer nach Armeeangaben südlich von Mossul den Großteil eines Dorfes. Auch die Gefechte um Rakka, der Hauptstadt des IS in Syrien, hielten an. Das Rebellenbündnis SDF, dem Kurden und Araber angehören, war im Juni mit US-Unterstützung in die Metropole vorgedrungen.

AMNESTY: VÖLKERRECHTSVERSTÖSSE BEI SCHLACHT UM MOSSUL

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf indes den irakischen Truppen und ihren internationalen Verbündeten vor, bei der Schlacht um Mossul gegen das Völkerrecht verstoßen zu haben, weil sie bei Angriffen auf dicht besiedelte Gebiete ungenaue Munition eingesetzt hätten. Möglicherweise handele es sich gar um Kriegsverbrechen. Das Verteidigungsministerium in Bagdad und die internationale Anti-IS-Koalition äußerten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Zeid Ra‘ad Al Hussein, erklärte, es lägen Berichte über Racheakte an gefangenen IS-Kämpfern vor. Die Regierung in Bagdad müsse dies untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Amnesty kritisierte auch den IS: Die Extremisten hätten Bewohner als Schutzschilde missbraucht.

Mossul war neben Rakka die wichtigste Hochburg der Islamisten, die mehrere schwere Anschläge in europäischen Großstädten wie Paris und Berlin, aber auch in der Türkei, im Iran und Saudi-Arabien für sich reklamiert haben. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht vor etwa zwei Jahren kontrollierten sie ein Gebiet, das vom Norden Syriens bis an den Rand der irakischen Hauptstadt Bagdad reichte, in dem Millionen Menschen lebten. Die USA setzten auf die Ergreifung Bagdadis eine Belohung von 25 Millionen Dollar aus, genau so viel wie seinerzeit für Osama bin Laden.

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