September 16, 2012 / 2:12 PM / 8 years ago

Westen alarmiert nach Protesten gegen Mohammed-Film

Dubai/Berlin (Reuters) - Nach der Eskalation der Proteste gegen das Mohammed-Schmähvideo haben zahlreiche westliche Länder ihre Botschaften in muslimischen Staaten in Alarmbereitschaft versetzt.

Protesters shout anti-U.S. slogans during a protest against a film produced in the U.S. that they said that was insulting to the Prophet Mohammad in front of the U.S. Embassy in Ankara September 16, 2012. A wave of furious anti-Western protests against a film mocking the Prophet Mohammad abated on Saturday, but U.S. policy in the Muslim world remained overshadowed by 13 minutes of amateurish video on the Internet. REUTERS/Umit Bektas (TURKEY - Tags: POLITICS RELIGION CIVIL UNREST)

Deutschland und die USA zogen am Sonntag einen Teil ihrer Mitarbeiter aus ihren Vertretungen im Sudan ab, wo in der Hauptstadt Khartum nach den Freitagsgebeten ein Mob die Botschaften gestürmt hatte. Im Laufe des Tages wollten eine Reihe islamistischer Gruppen erneut demonstrieren. Auch in vielen anderen Ländern gingen erneut Muslime auf die Straßen. Die Proteste richteten sich vor allem gegen die USA, wo der Film entstand.

Im Vergleich zum Freitag, als mindestens neun Menschen ums Leben kamen, hielten sich die Ausschreitungen am Wochenende zwar in Grenzen. Gleichwohl blieb die Lage angespannt, zumal der Flügel der radikal-islamische Al-Kaida im Jemen Muslime weltweit zu weiteren Angriffen auf US-Diplomaten aufrief. Im indischen Hyderabad starb am Sonntag ein Mensch, als plötzlich während eines Protests geschossen wurde. In der pakistanischen Stadt Karachi skandierten 5000 Menschen anti-amerikanische Slogans. In der türkischen Hauptstadt Ankara verbrannte eine kleine Gruppe Demonstrierender eine amerikanische Flagge vor der US-Botschaft.

Die Proteste gegen das Video, in dem der Prophet Mohammed als Kinderschänder, Schürzenjäger und Homosexueller verunglimpft wird, dauern seit gut einer Woche an. Am Dienstag waren am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi der amerikanische Botschafter und drei Mitarbeiter getötet worden. Mittlerweile haben die Proteste zahlreiche islamisch geprägte Länder erfasst. Selbst in Australien und Frankreich kam es zu vereinzelten Kundgebungen.

DEUTSCHE RECHTSEXTREME WOLLEN FILM IN BERLIN ZEIGEN

In Deutschland kündigte die rechtspopulistische und islamfeindliche “Bürgerbewegung pro Deutschland” an, den 13-minütigen Film in Berlin zu zeigen. Zudem stellte sie das amateurhafte Video, das unter anderem unter dem Namen “Innocence of Muslims” (“Die Unschuld der Muslime”) im Internet kursiert, auf ihre Website. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich forderte, dagegen müsse mit allen rechtlich zulässigen Mitteln vorgegangen werden. “Solche Gruppen und Organisationen wollen die Islamisten auch in Deutschland provozieren. Damit gießen sie grob fahrlässig Öl ins Feuer”, sagte er in einem “Spiegel”-Interview.

Pro Deutschland kündigte zudem an, die Möglichkeit zu prüfen, den wegen einer Koranverbrennung berüchtigt gewordenen US-Hassprediger Terry Jones nach Berlin einzuladen. Das Bundesinnenministerium verfügte am Sonntag prompt ein Einreiseverbot für Jones, der Medienberichten zufolge zu den Unterstützern des Mohammed-Films zählt.

In Kalifornien wurde unterdessen ein Mann im Zusammenhang mit dem Film befragt. Der 55-Jährige sei freiwillig auf das Polizeirevier gekommen, sagte ein Sprecher des Sheriffs in einem Vorort von Los Angeles. Der Befragte hat Gerichtsunterlagen zufolge eine Gefängnisstrafe wegen Bankbetrugs abgesessen und wurde im Juni 2011 aus der Haft entlassen. Zumindest Teile des Films wurden anschließend produziert. Damit könnte er gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen haben. Allerdings hat er einem Telefongespräch mit seinem koptischen Bischof eine Verwicklung zurückgewiesen.

Der Film selbst ist nicht Gegenstand von Ermittlungen, weil die Darstellungen unter den starken Schutz der Meinungsfreiheit in der amerikanischen Verfassung fallen. Auch Blasphemie und die Verunglimpfung von Religionsgemeinschaften sind in den USA nicht strafbar.

US-Präsident Barack Obama bekräftigte, das amerikanische Volk habe tiefen Respekt für Menschen aller Glaubensrichtungen. Allerdings: “Es gibt keine Entschuldigungen für die Angriffe auf unsere Botschaften und Konsulate.” Zum Schutz seiner Bürger verstärkten die USA ihre militärische Präsenz in der Region. Vor die libysche Küste wurden zwei Zerstörer beordert. Ebenso entsandte Obama Marines gen Jemen. Der Sudan verweigerte den Vereinigten Staaten die Erlaubnis, die Soldaten in das nordostafrikanische Land zu lassen. Daraufhin wies die US-Regierung den Großteil ihres Botschaftspersonals in Khartum sowie Angehörige an, die Vertretung zu verlassen. Gleiches galt für die US-Botschaft in Tunis, die am Freitag ebenfalls angegriffen worden war.

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