September 21, 2012 / 9:38 AM / in 7 years

15 Tote bei Krawallen in Pakistan wegen Islam-Schmähfilm

Protesters hold placards while they take part in an anti-American demonstration during a protest rally in Lahore on September 20, 2012. Some 2000 protesters gathered in a demonstration to condemn a film produced in the U.S. mocking the Prophet Mohammad. REUTERS/Mohsin Raza (PAKISTAN - Tags: POLITICS CIVIL UNREST RELIGION)

Islamabad (Reuters) - Aus Wut über die Beleidigung des Propheten Mohammed im Westen haben sich Demonstranten in Pakistan am Freitag Straßenschlachten mit der Polizei geliefert und Kinos niedergebrannt.

In der südlichen Stadt Karatschi kamen dabei zehn Menschen ums Leben. Einem Sprecher der Provinz Sindh zufolge wurden mehr als hundert Personen verletzt. Bei den Auseinandersetzungen wurden 20 Fahrzeuge, drei Banken und fünf Kinos angezündet. Auch in anderen Städten Pakistans gingen Zehntausende Menschen nach den Freitagsgebeten auf die Straße und protestierten. In Peschawar wurden mindestens fünf Demonstranten getötet. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen die aufgebrachte Menge ein.

Auf der Autobahn nahe der Hauptstadt Islamabad setzte ein wütender Mob eine Mautstation in Brand. Im nordwestlichen Mardan wurde nach Polizeiangaben eine christliche Kirche angezündet. Um eine weitere Eskalation der Proteste zu verhindern, legte die Regierung das Mobilfunknetz in mehr als einem Dutzend Städten lahm. Politische und religiöse Führer der islamischen Welt hatten vor den Freitagsgebeten zu friedlichen Protesten aufgerufen.

Auch in einigen deutschen Städten waren am Freitag und Samstag Demonstrationen gegen das Video geplant, das die Muslime als beleidigend empfinden. Frankreich dagegen verbat öffentliche Proteste.

Die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney appellierte an die Muslime, friedlich zu protestieren. Gewalttätige Demonstrationen erwartet sie allerdings ohnehin nicht. Die Muslime in Deutschland seien recht moderat im Vergleich etwa zu ihren Glaubensbrüdern in Frankreich, sagte die SPD-Politikerin dem SWR. Ein Verbot des Mohammed-Schmähfilms lehnte sie ab. Meinungs- und Pressefreiheit seien ein hohes Gut in Deutschland, betonte sie. Man müsse damit leben, dass auch Meinungen, die nicht so angenehm seien, ihren Ausdruck fänden.

Aus Angst vor Übergriffen verschärften die westlichen Botschaften in der islamischen Welt ihre Sicherheitsvorkehrungen vor den Freitagsgebeten, etliche Vertretungen schlossen gleich ganz. Die US-Botschaft in Pakistan schaltete Fernseh-Werbespots, um die Lage zu beruhigen. Sie zeigten unter anderem US-Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton. Die USA respektieren alle Religionen und hätten nichts mit dem Mohammed-Schmähfilm zu tun, heißt es in dem TV-Spot, für den die US-Regierung bei mehreren pakistanischen Fernsehsendern Sendezeit kaufte.

In Bangladesch versammelten sich nach den Freitagsgebeten etwa 10.000 Islamisten in der Hauptstadt Dhaka. Sie skandierten Sprüche gegen die USA und Frankreich und verbrannten Flaggen beider Staaten. In anderen islamisch geprägten Ländern blieben die Proteste überwiegend friedlich.

Frankreich verbat am Freitag alle öffentlichen Demonstrationen gegen die neuen Mohammed-Karikaturen in der Satire-Zeitschrift “Charlie Hebdo”. Es werde keine Ausnahmen geben, sagte Innenminister Manuel Valls. Auch der größte französische Muslim-Verband CFCM rief dazu auf, nicht auf die Straße zu gehen. “Jeder Protest könnte missbraucht werden und wäre kontraproduktiv”, sagte Verbandspräsident Mohammed Moussaoui dem Rundfunksender RFI. In Paris war die Polizei an zentralen Orten zu sehen, hielt sich jedoch im Hintergrund.

Ein in den USA gedrehter Schmähfilm über den Propheten sowie neue, in Frankreich veröffentlichte Mohammed-Karikaturen sorgen seit Tagen für Aufruhr in der islamischen Welt. Die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum war am vergangenen Freitag von einem wütenden Mob angegriffen und in Brand gesetzt worden. Frankreich schloss aus Furcht vor Übergriffen am Freitag vorübergehend Botschaften, Konsulate, Schulen und Kulturzentren in 20 Ländern.

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