April 22, 2012 / 11:04 AM / 7 years ago

Netanjahu hält den Iran für demokratiefähig

Berlin (Reuters) - Arabische Revolutionsländer sind nach Einschätzung von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorerst noch nicht demokratiefähig.

Diese Gesellschaften müssten erst eine Phase der islamistischen Diktatur durchlaufen, bevor sie zur liberalen Demokratie finden, sagte Netanjahu in einem Interview der “Welt am Sonntag”. Neben Israel sei im Moment in der Region nur der Iran demokratiefähig.

“Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Orte im Nahen Osten, wo die Allgemeinheit eine starke Neigung zur Demokratie westlicher Prägung zeigt: Der eine ist ganz eindeutig Israel und der andere ist Iran. Warum? Nun, als die Iraner vor drei Jahren eine relativ freie Wahl hatten, warfen sie die Radikalen raus und Ahmadinedschad und Chamenei fälschten daraufhin Millionen von Stimmen und tyrannisierten ihr Volk”, sagte Netanjahu. “Iran ist anders, weil man dort schon seit 30 Jahren islamisches Recht anwendet, und jeder dort weiß, es ist dunkelste Misere: Es bedeutet Brutalität und Unzivilisiertheit, und die Menschen haben genug davon. Hätte das iranische Volk die freie Wahl, es würde sich der Mullahs entledigen.”

Eine ähnliche Entwicklung müssten laut Netanjahu die arabischen Staaten durchlaufen. “Auch die arabischen Gesellschaften müssen diesen schweren Weg gehen, das ist ihre Tragödie. Erst erlebten sie den Panarabismus, dann gingen sie über zu säkularen Diktaturen und nun, ohne mit der Wimper zu zucken, zur islamistischen Herrschaft mit Scharia. Ja, vielleicht müssen sie durch diese dunkle Gasse, bis sie es mit einer liberalen Regierung versuchen”, sagte der israelische Regierungschef.

NETANJAHU: IRANISCHE ATOMBOMBE DIENT DER VERNICHTUNG ISRAELS

Zugleich äußert sich Netanjahu überzeugt, dass die derzeitige Führung des Irans mit dem Bau einer Atombombe die Zerstörung Israel zum Ziel hat. “Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich das iranische Regime unsere Vernichtung zum Ziel gesetzt hat. Und es wird mit Sicherheit alles in seiner Macht Stehende tun, um dieses Ziel zu erreichen”, sagte er. Iran greife Israel an, weil es die liberale und freie westliche Welt symbolisiere. Iran hingegen steinige Frauen und hänge Schwule auf. “Das ist ein düsteres, mittelalterliches Regime, das sein eigenes Volk tyrannisiert, es totschießt auf der Straße, in die Häuser eindringt, das Internet zensiert, Menschen bei Nacht verschwinden lässt”, sagte Netanjahu in dem Interview.

Israels Regierungschef äußerte auch die Ansicht, dass sich ein atomar bewaffneter Iran nicht abschrecken ließe, so wie es einst dem Westen im Kalten Krieg mit der Sowjetunion gelungen sei. “Sie haben diesen bizarren Glauben, dass ein verborgener Imam in einem Feuersturm zurückkehren werde und es eine Katastrophe brauche, um sein Wiedererscheinen zu bewirken. Ich würde nicht auf die Rationalität eines solchen Regimes wetten”, sagte er. Es gebiete der gesunde Menschenverstand, die Bombe in den Händen eines solchen Regimes zu verhindern.

Netanjahu betonte auch, Israel könne sich nicht auf Zusicherungen etwa des amerikanischen Präsidenten Barack Obama verlassen, eine iranische Bombe zu verhindern: “Die entscheidende Frage ist doch nicht, ob andere versprechen, den Iran zu stoppen. Für uns geht es darum, ob der jüdische Staat seine Fähigkeit aufgeben darf, sich selbst zu verteidigen.”

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