November 12, 2019 / 5:41 AM / in 23 days

Israel tötet Islamisten-Anführer - Tel Aviv unter Raketenbeschuss

- von Nidal al-Mughrabi und Dan Williams

Palestinian Islamic Jihad militants patrol at the scene of an Israeli strike that killed the group's field commander Baha Abu Al-Atta in Gaza City November 12, 2019. REUTERS/Mohammed Salem

Gaza-Stadt/Jerusalem (Reuters) - Nach Israels gezielter Tötung eines Befehlshabers der Extremistengruppe Islamischer Dschihad im Gazastreifen droht eine neue Eskalation des Nahostkonflikts.

Militante Palästinenser feuerten am Dienstag Dutzende Raketen auf mehrere israelische Städte ab, darunter Tel Aviv. Es handelte sich um die schwersten Gefechte in der Region seit Monaten. Parallel berichteten staatliche syrische Medien über einen israelischen Raketenangriff auf das Haus eines Islamisten in Damaskus. Die Angriffe im Gazastreifen und in Syrien seien koordiniert gewesen, sagte ein Vertreter des Islamischen Dschihad. Das sei eine Kriegserklärung. Auf der Beerdigung des Islamistenführers wurden Rufe nach Rache laut und Schüsse in die Luft abgegeben.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, sein Land sei nicht an einer Eskalation interessiert. “Aber wir werden alles tun, um uns zu schützen. Das könnte einige Zeit dauern.” Er führt die Regierung derzeit kommissarisch, nachdem die Wahl im September keine klaren Machtverhältnisse brachte. Netanjahu war Regierungschef beim letzten Gaza-Krieg im Jahr 2014, schien nun aber eher zu Mäßigung aufzurufen. “Man braucht Durchhaltevermögen und einen kühlen Kopf”, sagte er. Den getöteten Baha Abu Al-Atta beschrieb Netanjahu als “tickende Bombe”. Er sei verantwortlich für diverse Angriffe gewesen und habe vermutlich weitere Aktionen geplant.

Die israelisch Armee verteidigte die von ihr relativ selten genutzte Taktik eines gezielten Angriffs als alternativlos. “Wir haben den Angriff ausgeführt, weil wir keine andere Wahl hatten”, sagte ein Sprecher. Neben Al-Atta kam auch die Frau des 42-Jährigen ums Leben. Bei zwei weiteren Luftangriffen im Gazastreifen wurden den dortigen Behörden zufolge drei Palästinenser getötet und 24 verletzt.

HAMAS: TOD AL-ATTAS BLEIBT NICHT UNGESTRAFT

Der Islamische Dschihad ist eine vom Iran unterstützte radikale Palästinensergruppe. Ob sich die Lage in Nahost verschärft, hängt Beobachtern zufolge aber vor allem von der Reaktion der deutlich größeren radikal-islamischen Hamas ab, die den Gazastreifen kontrolliert. Sie erklärte, Israel sei verantwortlich für “alle Konsequenzen dieser Eskalation”. Der Tod Al-Attas werde nicht unbestraft bleiben.

Kurz nach dem Angriff im Gazastreifen ertönten in mehreren israelischen Städten Sirenen, um die Bewohner vor Raketenangriffen zu warnen. Nach Angaben des Militärs konnten einige Geschosse abgefangen werden. Dennoch wurden 22 Personen leicht verletzt, wie die Behörden mitteilten.

Die Bundesregierung verurteilte diesen Raketenbeschuss auf das Schärfste. “Es gibt keine Rechtfertigung für Gewalt gegen unschuldige Zivilisten”, teilte das Auswärtige Amt auf Twitter mit. “Besonnenheit und das ernsthafte Bemühen um Deeskalation müssen in der aktuell fragilen Lage oberste Priorität haben.” Die Bundesregierung zeigte sich insgesamt äußerst besorgt über die Lage im Süden Israels und im Gaza-Streifen.

Israel lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten über den Angriff in der syrischen Hauptstadt Damaskus ab. Nach Angaben staatlicher syrischer Medien wurde das Haus eines führenden Vertreters des Islamischen Dschihads mit mehreren Raketen beschossen. Zwei Menschen seien getötet worden, darunter ein Sohn des Hausbesitzers. Israel hat in den vergangenen Jahren Hunderte Angriffe in Syrien ausgeführt. Oft richteten sie sich gegen die ebenfalls vom Iran unterstützte libanesische Hisbollah-Miliz, die im syrischen Bürgerkrieg zu den Verbündeten von Machthaber Baschar al-Assad zählt.

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