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Unternehmensnachrichten

Deutsche Börse hat das Nachsehen im Rennen um Mailänder Rivalen

FILE PHOTO: The London Stock Exchange Group offices are seen in the City of London, Britain, December 29, 2017. REUTERS/Toby Melville

London/Mailand (Reuters) - Die Deutsche Börse ist im Rennen um die Mailänder Börse auf dem Abstellgleis.

Die London Stock Exchange (LSE) kündigte am Freitag an, exklusive Verhandlungen mit der Mehrländerbörse Euronext über einen Verkauf ihrer Tochter Borsa Italiana zu führen, die Insidern zufolge bis zu vier Milliarden Euro wert ist. Für Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer wäre die Übernahme in Mailand der größte Deal gewesen seit seinem Antritt im Januar 2018. Solche Gelegenheiten gibt es nicht oft. Erst vor ein paar Monaten schnappte sich der Schweizer Wettbewerber SIX die Madrider Börse für 2,8 Milliarden Euro. Die Züricher sind auch an der Borsa Italiana interessiert.

“An der von uns formulierten Wachstumsstrategie der Roadmap 2020 ändert sich nichts”, erklärte die Deutsche Börse. Sie sei gut aufgestellt, aus eigner Kraft und durch Zukäufe zu wachsen. Weimer hatte mehrfach betont, Kern seiner neuen Strategie seien auch Übernahmen. Denn die Konkurrenz ist weltweit groß, die Margen im Wertpapierhandel sind seit Jahren unter Druck. Immer wieder gab es in der Vergangenheit auch Anläufe einer Fusion von LSE und Deutscher Börse, zuletzt waren sie 2017 gescheitert. Die Londoner wollen nun für 27 Milliarden Dollar den Datenanbieter Refinitiv schlucken und unabhängiger vom schwankungsanfälligen Handel werden. Um grünes Licht für die Transaktion zu erhalten, müssen sie nun die Tochter in Mailand verkaufen.

Für die Euronext wäre der Zukauf in Italien, der drittgrößten Industrienation Europas, ein großer Schritt. “Durch die Zusammenlegung von Borsa Italiana und Euronext entstünde ein führender Akteur auf den kontinentaleuropäischen Kapitalmärkten”, erklärte Euronext, die in Städten wie Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon präsent ist. Sie bietet gemeinsam mit der italienischen Staatsbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) und dem italienischen Institut Intesa Sanpaolo. Die Regierung in Rom, die ein Mitspracherecht bei der Transaktion hat, favorisierte Insidern zufolge von Anfang an die Mehrländerbörse - vor allem wegen ihrer Anleihe-Plattform, über die Italien seine Staatsanleihen handelt.

Bei den Euronext-Anlegern kam die Ankündigung der exklusiven Gespräche gut an. Die Titel legten in Paris um 4,7 Prozent zu. Deutsche-Börse-Aktien notierten unverändert.

EURONEXT MACHT ROM VIELE ZUGESTÄNDNISSE

Die Deutsche Börse erklärte, sie habe ein aus ihrer Sicht “attraktives Angebotspaket” für Borsa Italiana abgegeben. “Als globales Unternehmen und führende Börse in Europa hätten wir materiell für die Borsa Italiana einen hohen Wert durch zukünftiges Wachstum und des Ausbaus des italienischen und europäischen Kapitalmarktes schaffen können.” Ihr sei es vor allem um strategische Synergien und eine hohe Eigenständigkeit der Borsa gegangen und weniger um eine Beteiligung der italienischen Partner auf Gruppenebene der Deutsche Börse. Die SIX erklärte, sie nehme die Entscheidung der LSE zur Kenntnis und wolle sich darüber hinaus nicht äußern.

Italien würde durch die Übernahme der Mailänder Börse zum größten Ertragsbringer der Euronext-Gruppe werden, erklärte die Euronext. CDP und Intesa Sanpaolo würden im Rahmen einer geplanten Kapitalerhöhung Anteilseigner des paneuropäischen Börsenbetreibers. Der CDP versprach die Euronext einen Sitz in ihrem Verwaltungsrat. Vorsitzender des Gremiums des fusionierten Börsenbetreibers solle ebenfalls ein Italiener werden. Wichtige Geschäftsbereiche und zentrale Funktionen sollen künftig in Mailand und Rom angesiedelt sein. Außerdem versprach Euronext den Italienern Selbständigkeit innerhalb des Konglomerats.

LSE-Chef David Schwimmer will den Deal mit der Euronext vor Mitte Dezember in trockene Tücher bringen. Denn dann will die EU entscheiden, ob sie dem Refinitiv-Kauf zustimmt. Refinitiv ist eine Gemeinschaftsfirma vom US-Finanzinvestor Blackstone und dem Datenanbieter Thomson Reuters, zu dem die Nachrichtenagentur Reuters gehört.

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