August 17, 2018 / 9:31 AM / 4 months ago

Noch bis zu 20 Menschen nach Brückeneinsturz in Genua vermisst

A woman look at the collapsed Morandi Bridge, in the port city of Genoa, Italy August 16, 2018. REUTERS/Stefano Rellandini

Genua (Reuters) - Drei Tage nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua geht die Suche nach den noch bis zu 20 vermissten Menschen unvermindert weiter.

Rettungskräfte suchten auch am Freitag unter Einsatz von schwerem Räumgerät und Suchhunden in den tonnenschweren Trümmern nach weiteren Opfern. Feuerwehrleute erklärten, sie hofften, dass sich unter den Trümmern Hohlräume befänden, in denen noch Überlebende gefunden werden könnten. Man sei noch nicht zu allen verschütteten Autos vorgedrungen und gebe die Hoffnung nicht auf. Bisher wurden 38 Tote geborgen.

Feuerwehrleute löschten einen Brand in einem Lagerhaus unter der Brücke, der wohl durch einen Funken bei Metallschneidearbeiten beim Abräumen von Trümmern entstanden war. Mehr als 600 Menschen sind aus Sicherheitsgründen aus ihren Wohnungen in Gebäuden rund um den Unglücksort ausquartiert, weil ein Einsturz weiterer Brückenteile nicht ausgeschlossen werden kann. Die Behörden haben den Abriss dieser Häuser beschlossen, da der Standort zu gefährlich sei.

Für Samstag wurde Staatstrauer angeordnet. Am Samstagmorgen ist auf dem Messegelände von Genua eine staatliche Trauerfeier für die Opfer geplant, an der auch Präsident Sergio Mattarella und Ministerpräsident Giuseppe Conte teilnehmen werden. Der Staatssender Rai wird die Zeremonie live übertragen und hat angekündigt, aus Respekt vor den Opfern an diesem Tag keine Werbung zu senden. Einige Familien wollen die Zeremonie aber boykottieren und eigene Trauerfeiern abhalten. Sie machen schlechte Wartung für den Einsturz der Brücke verantwortlich und wollen mit ihrer Abwesenheit dagegen protestieren. Das Verkehrsministerium hat dem Brückenbetreiber Autostrade per l’Italia 15 Tage Zeit gegeben, um zu belegen, dass er alle vertraglichen Pflichten erfüllt hat. Zudem verlangt die Regierung von dem Unternehmen, die Brücke auf eigene Kosten wiederaufzubauen. Der stellvertretende Ministerpräsident Luigi Di Maio bekräftigte, die Regierung sei entschlossen, dem Unternehmen die Konzession für den landesweiten Betrieb der Autobahnen zu entziehen. Einige Koalitionspolitiker hatten angedeutet, die Regierung erwäge ein weniger drastisches Vorgehen wie etwa den Entzug der Konzession für den Betrieb der vom Unglück betroffenen Autobahn.

PRÜFBERICHT: ABNORMALE VIBRATIONEN FESTGESTELLT

Unterdessen berichteten die Zeitungen “La Stampa” und “Repubblica”, eine von Autostrade in Auftrag gegebene Studie der politechnischen Universität Mailand weise auf Zweifel an der Stabilität der Brücke hin. In der Expertise vom November 2017 würden vor allen die von Beton ummantelten Stahlträger und Spannseile der Brücke als Sicherheitsrisiko bezeichnet. In dem Teil der Brücke, die kollabierte, hätten die Träger abnormal auf Vibrationen reagiert. Dies sei möglicherweise auf Korrosion zurückzuführen und müsse weiter untersucht werden, zitierte die Zeitungen aus dem Bericht.

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