June 28, 2019 / 12:09 PM / 4 months ago

Kapitänin der "Sea-Watch 3" unbeeindruckt von Ermittlungen

A tourist boat passes by search and rescue ship Sea-Watch 3 as it remains blocked near the island of Lampedusa, Italy, June 28, 2019. REUTERS/Guglielmo Mangiapane

Rom/Berlin (Reuters) - Die Kapitänin des Flüchtlings-Rettungsschiffs “Sea-Watch 3”, Carola Rackete, gibt sich angesichts der Strafandrohung italienischer Behörden unbeeindruckt.

Sie werde sich den Vorwürfen mit Hilfe von Rechtsanwälten und ihrer Organisation stellen, twitterte die 31-Jährige am Freitag. “Ich wollte nur Menschen an Land bringen.” Die Staatsanwaltschaft in Sizilien hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Unterstützung von Menschenhändlern eingeleitet. Ein Sea-Watch-Sprecher wies die Vorwürfe zurück und erklärte, Rackete habe streng an internationales Recht gehalten. Sie hatte diese Woche die Insel Lampedusa mit Dutzenden aus Seenot geretteten Flüchtlingen an Bord angesteuert. Die Behörden untersagten aber das Anlanden. Die “Sea-Watch 3” liegt seitdem in Sichtweite des Hafens. Einige der Flüchtlinge durften inzwischen aus medizinischen Gründen an Land gehen.

Der Streit über die Aufnahme der von aus Seennot geretten Flüchtlinge der “Sea-Watch 3” entwickelt sich immer mehr zu einer direkten Auseinandersetzung zwischen Rackete und dem rechtspopulistischen Innenminister Matteo Salvini. Die Kapitänin hatte ihr Engagement für Flüchtlinge mit einer moralischen Verpflichtung begründet, die aus ihrem privilegiertem Leben erwachse. “Mein Leben war leicht. Ich bin weiß, Deutsch, in einem reichen Land geboren und mit dem richtigen Pass”, sagte die ehemalige Greenpeace-Aktivistin in einem Interview mit mehreren Reportern via Skype.

Matteo, Chef der rechten Lega, kritisierte dies umgehend via Twitter: “Die Dame sagt, sie muss freiwillig dienen, weil sie als Weiße, Deutsche und Reiche geboren wurde. Aber nicht jeder, der weiß, reich und deutsch ist, muss losziehen, um Italien auf die Eier zu gehen. Hilf den Kindern in Deutschland.” Auf den Tweet angesprochen sagte Rackete am Freitag: “Um ehrlich zu sein, ich habe die Kommentare nicht gelesen. Ich habe dafür keine Zeit. Ich muss mich um 40 Menschen kümmern.”

Salvini hat erklärt, er werde nur dann das Anlegen der “Sea-Watch 3” erlauben, wenn andere EU-Staaten sich verpflichteten, die Flüchtlinge auf dem Schiff aufzunehmen. Aber auch in dem Fall werde das Schiff beschlagnahmt und gegen die Kapitänin wegen Unterstützung von Menschenschmugglern ermittelt. Die italienische Nachrichtenagentur AGI meldete allerdings, die EU-Kommission habe erklärt, die Verteilung von Migranten müsse erst noch festgelegt werden.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, er sei zuversichtlich, dass es sehr zügig zu einer Lösung komme. Deutschland sei grundsätzlich bereit, sich zu beteiligen und Flüchtlinge aufzunehmen. Weil es um eine europäische Außengrenze gehe, müsse es eine gemeinsame Antwort der EU geben.

Die italienische Staatsanwaltschaft stützt ihre Ermittlungen auf ein jüngst verschärftes Gesetz, das verhindern soll, dass Flüchtlingsschiffe Migranten nach Italien bringen. Salvini bezeichnete Rackete und ihre Mannschaft als “Piraten”, die kriminellen Banden den Schmuggel von Afrikanern nach Europa ermöglichten. Nach Sea-Watch-Angaben droht Rackete ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro

Rackete hatte jüngst den europäischen Staaten vorgeworfen, kein Interesse an einer Lösung für die geretteten Migranten zu haben. Sie habe erfolglos versucht, mit Behörden in Italien, Deutschland, Malta und Frankreich zusammenzuarbeiten. “Wir sind vollkommen alleingelassen worden.”

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