June 13, 2018 / 9:51 AM / 9 days ago

Schlagabtausch zwischen Frankreich und Italien wegen Flüchtlingsschiff

Rom (Reuters) - Der Streit zwischen Frankreich und Italien über die Aufnahme Hunderter Migranten vom Schiff “Aquarius” im Mittelmeer nimmt an Schärfe zu.

Migrants, part of a group intercepted aboard two dinghies off the coast in the Mediterranean Sea, are led by a police officers after arriving on a rescue boat at the port of Malaga, Spain June 9, 2018. REUTERS/Jon Nazca

Das italienische Außenministerium bestellte am Mittwoch den französischen Botschafter in Rom ein. Grund war die Kritik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an der Entscheidung Italiens, der “Aquarius” das Einlaufen in einen italienischen Hafen zu verweigern. Macron hatte gesagt, dass Italien nach internationalem Recht verpflichtet sei, die Migranten aufzunehmen. “Es gibt mit Blick auf die dramatische humanitäre Situation einen Grad an Zynismus und Verantwortungslosigkeit im Verhalten der italienischen Regierung.” Gabriel Attal, ein Sprecher von Macrons Partei, sagte dem Fernsehsender des französischen Parlaments: “Die italienische Position lässt mich kotzen.”

Scharfe Töne kamen auch vom neuen italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte, der Macron am Freitag in Paris treffen will. “Italien kann keine scheinheiligen Lehrstunden von Ländern akzeptieren, die es immer bevorzugt haben sich abzuwenden, wenn es um Immigration geht.” Innenminister Matteo Salvini, Chef der rechten Partei Lega, sagte der Zeitung “Corriere della Sera”, dass die Regierung in Rom ihre Haltung nicht ändern werde. “Schiffe, die ausländischen Organisationen gehören und unter fremder Flagge unterwegs sind, können nicht die italienische Einwanderungspolitik diktieren.” Von der französischen Regierung erwartet Salvini nach eigenen Worten eine Entschuldigung. Am Mittwochmorgen legte in Sizilien ein Schiff der italienischen Küstenwache mit 937 Migranten an Bord an.

Die “Aquarius” der Organisation SOS Mediterranee wartete nach einer Rettungsaktion in internationalen Gewässern im Mittelmeer zunächst auf die Genehmigung, einen Hafen ansteuern zu dürfen. An Bord des Schiffes befinden sich 629 Migranten, darunter elf Kinder und sieben Schwangere. Nachdem Italien und Malta das Anlegen des Schiffes untersagt haben, darf es nach Spanien.

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