November 7, 2019 / 3:39 PM / 14 days ago

Rochade bei Mediobanca hält Italiens Finanzbranche in Atem

The UniCredit-Banca di Roma bank headquarters is seen in Rome, Italy September 30, 2018. REUTERS/Alessandro Bianchi

Mailand (Reuters) - Der überraschende Ausstieg von Italiens größter Bank UniCredit beim Rivalen Mediobanca schürt Fusions-Spekulationen in der Finanzbranche des Landes.

Denn der italienische Milliardär Leonardo Del Vecchio sicherte sich einen Teil des UniCredit-Aktienpakets und stockte seine Beteiligung an der traditionsreichen Investmentbank auf fast zehn von zuletzt 7,5 Prozent auf, wie ein Insider am Donnerstag sagte. Der 84-Jährige ist damit nun der größte Aktionär der Mediobanca. Del Vecchio hatte deren Chef Albert Nagel kritisiert und fordert eine Rückbesinnung auf das Investmentbanking, das durch Zukäufe ausgebaut werden solle. Nun könnte Del Vecchio seinen wachsenden Einfluss auch beim Versicherungsriesen Generali geltend machen.

Mediobanca hält 13 Prozent an Generali, Del Vecchio selbst knapp fünf Prozent. Branchenkreisen zufolge will er auch dort auf grenzüberschreitende Fusionen dringen. Generali-Aktien sprangen am Donnerstag um 3,3 Prozent nach oben. Eine Sprecherin von Del Vecchios Holdinggesellschaft Delfin wollte sich nicht zu der Aufstockung äußern. Der Milliardär ist Aufsichtsratschef des Brillenkonzerns EssilorLuxottica.

Die HVB-Muttergesellschaft UniCredit hatte in der Nacht zum Donnerstag ihre gesamte Mediobanca-Beteiligung von 8,4 Prozent auf den Markt geworfen und damit 785 Millionen Euro erlöst. Del Vecchio hatte dabei zugegriffen. Die Bank hatte 1946 zu den Gründern der Mediobanca gehört, die als Industriefinanzierer ins Leben gerufen worden war. Nun erklärte Vorstandschef Jean Pierre Mustier das Aktienpaket für strategisch nicht mehr von Belang. Unter seiner Ägide hat sich der Bankkonzern bereits von diversen Finanzbeteiligungen und Tochterfirmen getrennt. Die Bank habe sich bei Mediobanca stets aus dem Machtkampf herausgehalten, sagte der Franzose bei der Vorstellung der Geschäftszahlen zum dritten Quartal.

Von den Verkaufserlösen sollen nun auch die Anleger profitieren: Erstmals seit einem Jahrzehnt will das Geldhaus wieder eigene Aktien zurückkaufen. Investoren freute das: Die Titel legten an der Mailänder Börse zeitweise um 7,1 Prozent zu. Das war der höchste Kursanstieg seit fast zweieinhalb Jahren.

Im dritten Quartal verdiente das Institut mit 1,1 Milliarden Euro mehr als Analysten erwartet haben. “Wir haben das beste Quartalergebnis in einem Jahrzehnt erreicht”, sagte Mustier. Im Sommer hatte das Institut seine Gewinnziele für das Gesamtjahr wegen der anhaltend niedrigen Leitzinsen in der Euro-Zone zurückgeschraubt. Die Zinserträge fielen von Juli bis September zwar um fünf Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Zugutekamen der Bank aber drei Prozent höhere Provisionseinnahmen von 1,6 Milliarden Euro. Außerdem sanken die Kosten um 1,8 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Mustier will Anfang Dezember seine neue Strategie vorstellen. Insidern zufolge sollen dabei weltweit rund 10.000 Arbeitsplätze wegfallen.

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