October 15, 2018 / 8:54 AM / a month ago

IWF-Tagung zwischen Alarm und Beschwichtigung

(L-R) World Bank Group President Jim Yong Kim, International Monetary Fund Managing Director Christine Lagarde, Indonesia's Coordinating Minister for Maritime Affairs Luhut Binsar Pandjaitan, Indonesia's Finance Minister Sri Mulyani Indrawati and Bank Indonesia Governor Perry Warjiyo during the closing of the International Monetary Fund - World Bank Group Annual Meeting 2018 in Nusa Dua, Bali, Indonesia October 14, 2018. Antara Foto/Fikri Yusuf/ via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. MANDATORY CREDIT. INDONESIA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN INDONESIA.

Nusa Dua (Reuters) - IWF-Konferenzen haben ihre eigenen Gesetze.

“Man kommt, um über Probleme zu reden”, beschreibt das dieser Tage ein hochrangiger, langjähriger Besucher, der zur diesjährigen Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf der indonesischen Insel Bali angereist war.

Dann passiert, was er ein IWF-Phänomen nennt: erst bildet sich irgendein Top-Thema heraus. “Dann reden alle ständig darüber und sind am Schluss davon überzeugt, dass dieses Problem noch größer geworden ist als es bei ihrer Ankunft war.” Dabei können schnell Züge von Panik und Hysterie in die hitzige Debatte einfließen.

Es gibt auch IWF-Konferenzen, denen das überstrahlende Thema fehlt - etwa die im vergangenen Jahr, wie sich der deutsche Sparkassenpräsident Helmut Schleweis erinnert. In Nusa Dua auf Bali dieses Jahr war es aber ganz anders: es gab gleich drei offizielle und halboffizielle Großthemen, die die Furcht vor der nächsten Krise nährten. Da war der Handels- und Währungsstreit der beiden größten Volkswirtschaften USA und China, die massiv gewachsene Schuldenlast in der Welt, die der IWF allein bei den Staaten auf inzwischen 182 Billionen Dollar taxiert, und damit als Beigabe das Thema der Haushaltsstreit Italiens mit der EU-Kommission. Letzteres war auf der IWF-Agenda offiziell zwar wenig prominent. Das galt aber nicht für die Gespräche am Rande, und die sind bei solchen Konferenzen immer das Wichtigste.

Beim Handels- und Währungsthema hatte der IWF und seine Chefin Christine Lagarde selbst Dramatik geschürt. Lagarde sprach von der Gefahr von “Kriegen” in diesen beiden Feldern mit höchstem Krisenpotential für die weltweite Wirtschaft. Ihr Fonds garnierte das mit Abwärtskorrekturen seiner Wachstumsprognosen und einem Bericht zur globalen Finanzstabilität, in dem offen vor Turbulenzen an den Märkten und abrupten Anpassungsprozessen gewarnt wird - ein Szenario, was Märkte Grausen lässt. Und da die derzeit ohnehin nervös sind, sackten die Aktienkurse ab.

SCHOLZ UND WEIDMANN VERSUCHEN ZU DÄMPFEN

Es gab dann aber einige wie Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, die versuchten, etwas Dramatik herauszunehmen. Sie sprachen von “Normalisierungen” und verwiesen auf das nach wie vor robuste Wachstum von 3,7 Prozent in der Welt auch in den Jahren 2018 und 2019. Doch auch wenn Weidmann davon sprach, dass er die Einflüsse der Handelskonflikte für den Moment entspannt betrachtet - die Furcht bleibt. Die aktuelle argentinische G20-Präsidentschaft machte dazu klar: lösen können das Problem im Grunde nicht irgendwelche Foren, sondern nur die Betroffenen selbst: also vornehmlich China und die USA.

Zum Schuldenproblem brachte die Konferenz nach Darstellung der Beteiligten eher mäßige Fortschritte. Mehr Transparenz und hoffentlich gemeinsame Verhaltensregeln, wie damit umzugehen ist, hatte Scholz angemahnt. Das aber ändert nichts daran, dass nicht nur in den großen Industrieländern, allen voran die USA mit den teuren Steuerentlastungen von Präsident Donald Trump, weiter Schulden gemacht werden. Denn auch in China sind die Schleusen für Kredite an die Regionen und Unternehmen wieder weiter aufgegangen. Zudem hat die Volksrepublik in den letzten Jahren in viele Entwicklungsländer etwa in Afrika viel Geld gepumpt, das einmal zurückgezahlt werden muss. Es ging um Rohstoffsicherung, um politischen Einfluss. Damit stehen nun viele Staaten, die vor rund 20 Jahren von einer internationalen Entschuldungsaktion profitiert hatten, inzwischen wieder vor Zahlungsproblemen.

Auch der Fall Italien ist ein Schuldenproblem - aber ein besonderer. Das Land lebt schon lange mehr oder weniger gut mit einer staatlichen Schuldenquote von rund 130 Prozent der Wirtschaftsleistung - nach Griechenland mit 180 Prozent die zweithöchste im Euro-Raum. Aber im Gegensatz zu dem wirtschaftlichen Leichtgewicht gehört Italien zum Kern des Währungsraums und ist dessen drittgrößte Volkswirtschaft. Drei Dinge sind es vor allem, die die Börsen und manche Politiker nervös machen: die populistische Regierung will beim Schuldenmachen nicht kürzer treten. Das wird durch steigende Risikoaufschläge bei Staatsanleihen aber immer teurer. Und Italiens Banken schieben vergleichweise hohe Bestände an Problemkrediten vor sich her. In Bali sorgte das zwar für sorgenvolle Diskussionen. Am Ende schlug hier aber niemand Alarm. “Man ist nicht am hyperventilieren”, sagte der deutsche Bankenpräsident Hans-Walter Peters.

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