May 17, 2011 / 11:10 AM / 9 years ago

Strauss-Kahn ins Gefängnis Rikers Island verlegt

New York/Paris (Reuters) - Der unter dem Verdacht der versuchten Vergewaltigung stehende IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ist zur Untersuchungshaft in das berüchtigte New Yorker Gefängnis Rikers Island verlegt worden.

Dort werde er zu seiner eigenen Sicherheit in einer Einzelzelle untergebracht, teilte die New Yorker Justizbehörde am Montag mit. Zuvor hatte ein Gericht einen Antrag auf Freilassung gegen eine Kaution von einer Million Dollar wegen Fluchtgefahr abgelehnt. Die Entscheidung wurde in Frankreich mit Empörung aufgenommen. Dort berieten die Sozialisten, wie sie sich nun für die Präsidentschaftswahl aufstellen sollen. Strauss-Kahn galt als aussichtsreichster Kandidat gegen Präsident Nicolas Sarkozy. Unterdessen schaltete sich China in die Debatte über einen Nachfolger an der Spitze des IWF ein.

Die Haftanlage Rikers Island liegt auf einer Insel im East River und ist Amerikanern aus Krimis bekannt. In dem Komplex sind um die 11.000 Häftlinge in zehn einzelnen Gefängnissen untergebracht. Strauss-Kahn wurde der Behörde zufolge in eine 3,5 x 4 Meter große Zelle im West Facility eingewiesen, das eigentlich für Häftlinge mit ansteckenden Krankheiten vorgesehen ist. Das Gebäude ermögliche es, den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor gefährlichen Insassen zu schützen. Zu der Ausstattung gehören ein Bett, eine Trinktasse, Seife, Shampoo sowie Zahnpasta. Um 23.00 Uhr wird das Licht ausgeschaltet. “Es ist überfüllt, und das Essen ist furchtbar”, sagte der Anwalt Gerald Lefcourt. Die besonders schweren Gitterstäbe und Gefängnistore machten beim Öffnen und Schließen großen Lärm.

In der Nacht auf Samstag hatte Strauss-Kahn noch in einer Hotelsuite für 3000 Dollar die Nacht gewohnt. Dem 62-Jährigen wird versuchte Vergewaltigung eines Zimmermädchens, sexuelle Nötigung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Der nächste Gerichtstermin ist für Freitag angesetzt.

“EIN MUTIGER MANN”

Französische Politiker und Kommentatoren zeigten sich am Dienstag entsetzt, dass Strauss-Kahn die Freilassung auf Kaution verweigert wurde. “Er ist ein mutiger Mann, dem ein abscheuliches Schicksal zuteil wurde”, sagte der ehemalige Kulturminister Jack Lang dem Sender Europe 1. “Es ist nicht ausgeschlossen, dass gewisse Justizbehörden, insbesondere der Staatsanwalt oder die Richterin, von dem Wunsch angetrieben werden, einen Franzosen auszuschalten, einen Franzosen, der zudem gut bekannt ist.”

Strauss-Kahn galt als Kandidat der Sozialisten für die Präsidentschaftswahl im April 2012. Die Parteispitze beriet am Mittag über das weitere Vorgehen. Parteichefin Martine Aubry sagte dem Sender France Info, die Sozialisten würden an ihrem Fahrplan festhalten, im Juli Kandidaten für das innerparteiliche Auswahlverfahren zu benennen.

Auch die Diskussion über einen etwaigen Nachfolger als Chef des IWF ging weiter. Ein Sprecherin des chinesischen Außenministeriums erklärte in Peking, die Auswahl der Führungsspitze solle auf der Basis von “Fairness, Transparenz und Leistung” vorgenommen werden. “Wir haben die Situation zur Kenntnis genommen, weitere Anmerkungen dafür wären unangemessen.” Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich am Montag wegen der Schuldenkrise für einen Europäer als Chef der mächtigen Finanzinstitution ausgesprochen, sollte ein Führungswechsel notwendig werden.

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