October 15, 2019 / 1:17 PM / in a month

IWF senkt erneut Wachstumsprognosen - Deutschland stark betroffen

Washington/Berlin (Reuters) - Der von US-Präsident Donald Trump entfachte Handelsstreit wirkt sich immer stärker auf die Weltwirtschaft aus.

The Goethe Galerie shopping mall next to the headquarters of Jenoptik is pictured in Jena, Germany March 21, 2019. Picture taken March 21, 2019. REUTERS/Fabrizio Bensch

Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte am Dienstag erneut seine Wachstumsprognosen für die allermeisten Länder. Deutschland ist wegen seiner exportorientierten Industrie weit überdurchschnittlich betroffen. Der IWF forderte die Bundesregierung angesichts der Negativzinsen auf, finanzielle Spielräume zu nutzen und mehr zu investieren. Bundesfinanzminister Olaf Scholz verwies darauf, dass die Investitionen bereits auf Rekordniveau lägen.

Für Deutschland prognostiziert der IWF ein Wachstum von 0,5 Prozent im laufenden Jahr und von 1,2 Prozent im nächsten Jahr. Letzteres sind 0,5 Punkte weniger als in der jüngsten Schätzung im Juli. Die Bundesregierung ist sogar noch skeptischer. Ein Regierungsmitarbeiter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Wirtschaftsminister Peter Altmaier werde am Donnerstag die Prognose für 2020 von 1,5 auf 1,0 Prozent senken.

“Die konjunkturelle Entwicklung ist besorgniserregend”, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einer Veranstaltung der Maschinenbauer in Berlin mit Blick auf die Branche. Diese sei oft ein guter Frühindikator. “Die Party ist noch nicht vorbei, aber man sollte nahe am Ausgang tanzen”, sagte der Präsident des Maschinenbauverbandes VDMA, Carl Martin Welcker.

ES KANN NOCH VIEL SCHLECHTER WERDEN

Für die Weltwirtschaft rechnet der IWF nun mit einem Wachstum von 3,0 (bislang: 3,2) Prozent 2019. Das wäre der schlechteste Wert seit der Weltwirtschaftskrise vor zehn Jahren. 2020 dürften es dann 3,4 (3,5) Prozent werden - primär wegen Fortschritten in Schwellenländern wie Brasilien, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien und der Türkei.

Immer neue Sonderzölle hätten die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen gedämpft, hieß es im Weltwirtschaftsbericht des IWF. Zahlreiche Wertschöpfungsketten funktionierten nicht mehr. So wuchs das globale Handelsvolumen im ersten Halbjahr nur um ein Prozent - das langsamste Tempo seit 2012. Fürs Gesamtjahr wird hier nur noch mit einem Plus von 1,1 (2,5) Prozent und für 2020 von 3,2 (3,7) Prozent gerechnet.

Sollte der Handelsstreit nicht bald beigelegt werden, könne sich der Ausblick noch deutlich verschlechtern, warnte der IWF. Die neue IWF-Chefin Kristalina Georgiewa rechnete zuletzt vor, dass der Konflikt bis 2020 rund 700 Milliarden Dollar kostet - 0,8 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung oder die gesamte Größe der Schweizer Wirtschaft.

DEUTSCHLAND IM VISIER

Laut IWF wäre die Lage ohne die lockere Geldpolitik in vielen Ländern und Wirtschaftsregionen bereits wesentlich schlechter. Die Geldpolitik dürfe aber nicht die einzige Stütze sein. Die Finanzpolitik müsse tätig werden, sollten Spielräume dafür vorhanden sein. Explizit wurde hier Deutschland genannt. Die Bundesregierung solle die aktuell negativen Zinsen nutzen, um mehr zu investieren. Sollte das Wachstum auf der Welt noch weiter nachlassen, sei eine koordinierte Antwort der Staaten womöglich erforderlich.

Scholz sagte Reuters, Deutschland betreibe eine sehr expansive Haushaltspolitik. “Und wir haben die Vorteile, die sich durch unsere geringere Zinsbelastung ergeben, komplett genutzt.” In den nächsten zehn Jahre werde es Investitionen von zusammen rund 400 Milliarden Euro geben, hinzu kämen in einem Jahrzehnt dann noch 150 Milliarden durch das jüngste Klimapaket der Regierung. “Eine Menge ist unterwegs.” Deutschland sei handlungsfähig, sollte es zu einer Krise kommen. Scholz verwies auch auf den Soli: “Die weitgehende Abschaffung für 90 Prozent der Steuerzahler ist auch ein mächtiger Konjunkturimpuls.”

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