March 28, 2011 / 7:27 AM / 8 years ago

Plutonium-Funde an mehreren Stellen in AKW Fukushima

Tokio (Reuters) - Neue Hiobsbotschaften vom schwerbeschädigten Atomkraftwerk Fukushima haben Ängste vor einem Super-GAU in Japan geschürt. Die Regierung in Tokio berichtete am Montag von einer teilweisen Kernschmelze in einem der sechs Reaktoren. Die Betreibergesellschaft Tepco räumte später zudem den Fund von Plutoniumspuren an mehreren Bodenstellen ein. Dies hätte die Auswertung von Proben ergeben, die bereits vorige Woche genommen worden seien. Der wegen seiner Informationspolitik ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Stromriese erklärte, die Plutoniumspuren seien nicht gesundheitsschädlich. Die Internationale Atomenergieagentur IAEA nannte die Lage in Japan unverändert ernst, die Krise sei noch nicht überwunden. Besorgniserregend sei die Verstrahlung von Wasser und Lebensmitteln in Japan.

Waves approaches the Fukushima nuclear power plant immediately after a tsunami struck, about 40 minutes following a magnitude 9 earthquake in Tomioka, Fukushima prefecture, in this still image taken from a March 11, 2011 video. REUTERS/Ministry of Transport Tohuku Regional Bureau via Reuters TV

Tepco erklärte am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit), trotz der Funde würden die Reparaturarbeiten im Atomkraftwerk fortgesetzt. Plutonium ist ein hochgiftiges und extrem krebserregendes Schwermetall. Seine Halbwertszeit beträgt 24.000 Jahre. Das Element kommt in der Natur nicht vor und wird in Kernreaktoren erzeugt. Plutonium wird auch zur Herstellung von Atomwaffen benötigt.

Das teilweise Schmelzen von Brennstäben habe die hohe Strahlenbelastung im Wasser eines der Kraftwerksreaktoren verursacht, teilte die Regierung mehr als zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami mit. Deshalb sei zudem hoch belastetes Material mit Kühlwasser in Berührung gekommen, sagte ein Regierungssprecher in Tokio. Am Montag wurde in der Umgebung des AKW erneut eine hohe Strahlung gemessen.

Die Kernschmelze im Reaktor 2 habe wahrscheinlich schon kurz nach dem Erdbeben der Stärke 9,0 und dem Tsunami am 11. März eingesetzt, erklärte die Regierung. Noch trete die radioaktive Strahlung hauptsächlich im Inneren des Reaktors auf. Jetzt müsse sichergestellt werden, dass das verseuchte Wasser nicht in den Boden und das Meer entweiche. Diesen Fall wollte Kraftwerksbetreiber Tepco nicht ausschließen, nachdem erneut überhöhte Strahlung in der Umgebung des AKW festgestellt worden war. Bei Wasser in Gräben am Reaktorblock 2 sei am Sonntag eine Strahlenbelastung von 1000 Millisievert pro Stunde gemessen worden. Die natürliche Strahlenbelastung liegt zwischen einem und zehn Millisievert pro Jahr.

Zwischen der Regierung und Tepco gibt es mittlerweile Streit wegen der Korrektur von Strahlungswerten durch den Konzern. Sie seien zu hoch gewesen, erklärte das Unternehmen. Ein solcher Fehler sei “absolut unverzeihlich”, weil auf der Grundlage der Messergebnisse Sicherheitsentscheidungen getroffen würden, kritisierte der Regierungssprecher. Am Wochenende mussten die Arbeiten wegen zu hoher Strahlenbelastung zweitweise ganz eingestellt werden.

FRANZOSEN SOLLEN TEPCO HELFEN

Tepco räumte zudem ein, dass es keine klaren zeitlichen Vorstellungen für ein Ende der Krise gebe. Der Konzern bat Medienberichten zufolge französische Unternehmen wie EDF und Areva um Hilfe. In Südkorea beschaffte Japan vier Notstrom-Generatoren, die in Kürze am Katastrophenreaktor eintreffen sollen.

Der Atomexperte Murray Jennex von der Universität San Diego sprach davon, dass es zu kleinen Schritten zum Kühlen der Reaktoren keine Alternative gibt. “Wir stehen vor einer lagen, mühevollen Zeit mit vielen kleinen und unattraktiven Schritten, um das Ganze zusammenzuhalten.” Jennex’ Kollege Najmedin Meshkati von der Universität Südkalifornien sieht Japan mit dem Kampf gegen den Super-GAU überfordert. “Das ist deutlich mehr als das, was eine Nation alleine bewältigen kann”, sagte Meshkati und forderte ein Eingreifen des UN-Sicherheitsrats. Das Eingreifen der Vereinten Nationen in Japan sei wichtiger als ihr Beschluss für eine Flugverbotszone über Libyen.

Bei dem schwersten je in Japan gemessenen Erdbeben der Stärke 9,0 und dem Tsunami kamen nach neuesten Informationen 27.000 Menschen ums Leben oder werden vermisst. Zahlreiche Arbeiter in Fukushima erlitten Strahlenschäden. In der rund 240 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernten Hauptstadt Tokio wurde im Trinkwasser eine erhöhte radioaktive Belastung nachgewiesen.

In der wurde der Nordosten Japans erneut von einem Erdbeben erschüttert. Es hatte eine Stärke von 6,5.

- von Mayumi Negishi und Chisa Fujioka -

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