September 17, 2012 / 1:02 PM / 7 years ago

Japanische Werke in China wegen Inselstreit geschlossen

Peking/Tokio (Reuters) - Der Streit zwischen Japan und China um eine Inselgruppe beeinträchtigt nun auch die Produktion mehrerer Großkonzerne:

Demonstrators chant slogans and carry a Chinese national flag as they march past riot police outside the main entrance to the Japanese embassy in Beijing September 17, 2012. REUTERS/David Gray (CHINA - Tags: CIVIL UNREST POLITICS)

Wegen gewaltsamer Proteste in China haben zahlreiche japanische Unternehmen ihre Werke in der Volksrepublik vorübergehend geschlossen. Zudem rieten japanische Firmen ihren Mitarbeitern in China, aus Sicherheitsgründen vorerst lieber nicht aus dem Haus zu gehen. Der Konflikt alarmiert auch die USA: Bei einem Besuch in Tokio zeigte sich Verteidigungsminister Leon Panetta am Montag besorgt über die jüngste Gewalt und rief beide Länder auf, ihren Territorialstreit friedlich zu lösen. Der Konflikt könnte sich jedoch weiter verschärfen, weil sich 1000 chinesische Fischerboote auf den Weg in die umstrittenen Gewässer machten.

Der japanische Kamerahersteller Canon setzte die Fertigung in drei von vier chinesischen Werken bis Dienstag aus, wie japanische Medien berichteten. Panasonic teilte mit, wegen Sabotage durch chinesische Mitarbeiter die Produktion in einem seiner chinesischen Werke ebenfalls bis voraussichtlich Dienstag einzustellen. Beim Autohersteller Mazda soll die Produktion am Standort Nanjing ab Dienstag für vier Tage ruhen, wie ein Sprecher mitteilte. Konkurrent Honda wird die Produktion in China ebenfalls ab Dienstag stoppen und in zwei Tagen wieder hochfahren. Auch bei Nissan sollen zwei Tage die Bänder still stehen.

Viele japanische Schulen im ganzen Land, darunter in den Großstädten Peking und Shanghai, sollten die ganze Woche geschlossen bleiben. Der Unterhaltungsriese Sony teilte mit, man habe seinen Mitarbeitern geraten, vorerst nur noch dringende Reisen nach China zu unternehmen. Ein Sony-Sprecher in Shanghai sagte, bislang verliefen die Geschäft in China normal. Das Unternehmen hielt es sich aber offen, gegebenenfalls zu reagieren. Toyota ließ seine Produktion im Gegensatz zu Honda und Mazda vorerst weiterlaufen.

SUPERMÄRKTE GEPLÜNDERT

Die Proteste in China waren am Sonntag eskaliert: Die Wut der Demonstranten richtete sich vor allem gegen diplomatische Einrichtungen Japans. Es wurden aber auch japanische Supermärkte geplündert und Firmengebäude angezündet. Toyota und Honda berichteten von heftigen Schäden in der ostchinesischen Stadt Qingdao. Einige japanische Einzelhändler schlossen Filialen oder verkürzten die Öffnungszeiten, darunter Fast Retailing, Seven & I Holdings und Aeon.

Die Proteste hatten sich entzündet, nachdem die japanische Regierung vergangene Woche trotz eindringlicher Warnungen Chinas einen Teil einer unbewohnten Inselgruppe im Ostchinesischen Meer einem privaten, japanischen Besitzer abgekauft hatte. Die japanische Regierung wollte dadurch nach eigenen Angaben verhindern, dass die Inselgruppe bebaut wird. In China löste der Schritt dennoch Wut und Empörung aus. Das chinesische Außenministerium teilte am Montag mit, die Regierung werde japanische Firmen und Bürger schützen. Sie appellierte an die Demonstranten, das Gesetz zu beachten. Den Kauf der Insel durch die Regierung in Tokio bezeichnete das Ministerium als illegal.

Die Inselgruppe birgt seit längerem politischen Zündstoff. Die Inseln werden in China Diaoyu und in Japan Senkaku genannt. Sie liegen in fischreichen Gewässern, zudem werden umfangreiche Gasvorkommen unter dem Ozean vermutet. Die Regierung in Peking hatte am Freitag sechs Überwachungsschiffe in die umstrittene Region entsandt. Der Streit droht auch den Handel zwischen den beiden wichtigen asiatischen Volkswirtschaften zu beeinträchtigen. Das Volumen der Handelsaktivitäten zwischen den beiden Ländern belief sich vergangenes Jahr auf 345 Milliarden Dollar.

“Natürlich sind wir besorgt über die Demonstrationen und den Konflikt über die Inselgruppe”, sagte Panetta in Tokio. Wichtig sei nun, dass beide Länder Ruhe bewahrten und Zurückhaltung übten. Der Konflikt müsse auf diplomatischem Weg gelöst werden. Der Inselstreit dürfte auch Thema beim anstehenden China-Besuch von Panetta sein. Dabei soll der US-Verteidigungsminister am Mittwoch auch Vizepräsident Xi Jinping treffen, der als künftiger Staatschef der Volksrepublik gehandelt wird und kürzlich ein Treffen mit Außenministerin Hillary Clinton abgesagt hatte.

Nach Angaben von Panetta verstärken die USA zugleich ihre Raketenabwehr in Japan. Ziel sei es, besser auf eine Bedrohung durch ballistische Raketen aus Nordkorea reagieren zu können. Japans Außenminister Koichiro Gemba erklärte, beide Länder seien sich einig, dass auch im Falle der Inseln der japanisch-amerikanische Sicherheitspakt greife. Panetta betonte aber zugleich, dass die USA in dem Territorialstreit keine Partei ergreifen würden.

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