April 27, 2020 / 5:17 AM / a month ago

Japans Geldpolitik noch lockerer - "Krise womöglich schlimmer als Lehman-Schock"

Female office workers wearing high heels and clothes of the same colour walk at a business district in Tokyo, Japan, June 4, 2019. REUTERS/Kim Kyung-Hoon

Tokio (Reuters) - Im Kampf gegen die Corona-Krise öffnet Japans Notenbank ihre Geldschleusen sperrangelweit.

Sie erhöhte am Montag das Programm zum Kauf von Firmenanleihen und ähnlichen Schuldtiteln auf ein Volumen von 20 Billionen Yen (rund 171 Milliarden Euro). Bislang hatte es lediglich einen Umfang von sieben Billionen Yen. Die Bank von Japan (BoJ) bekräftigte zudem, im Zweifel unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen. Ihren Strafzins auf Einlagen von Geschäftsbanken beließen die Währungshüter in Tokio wie erwartet bei minus 0,1 Prozent.

“Die derzeitige Krise könnte schlimmere Folgen als der Lehman-Schock haben”, warnte BoJ-Chef Haruhiko Kuroda mit Blick auf den Auslöser der Weltfinanzkrise im Jahr 2008 - die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Die Corona-Pandemie treffe Japans Wirtschaft hart. Bei Bedarf werde die Notenbank nachsteuern und ihre Geldpolitik ohne Zögern weiter lockern. Auch die Zinsen noch weiter in den negativen Bereich zu schleusen, sei dabei eine Option.

Die Notenbank kündigte an, den Kauf von Staatsanleihen und Geldmarktpapieren vorerst “aktiv” zu steuern, um den Markt liquide und stabil zu halten. Die Regierung in Tokio muss verstärkt am Kapitalmarkt Geld aufnehmen, um ihre umfangreichen Notmaßnahmen in der Krise zu refinanzieren. “Mit diesem Schritt heute kann die Bank von Japan vorerst geldpolitisch Kurs halten, es sei denn, am Markt kommt es zu Verwerfungen”, meint Ökonom Toru Suehiro vom Finanzhaus Mizuho Securities.

Japans Regierung hat die Bürger angesichts der Krise gebeten zuhause zu bleiben. Zudem sind Firmen aufgefordert, ihre Werkstore geschlossen zu halten. All dies belastet eine Wirtschaft, die ohnehin bereits am Rande einer Rezession stand. Die Regierung hält mit einem kürzlich auf 1,1 Billionen Dollar ausgeweiteten Hilfspaket dagegen, das auch Barschecks für alle Japaner vorsieht. Die Regierung hat dazu einen Nachtragshaushalt aufgelegt, der teilweise durch die Ausgabe neuer Anleihen refinanziert werden soll.

Laut Kuroda betreibt die Notenbank mit der Ausweitung ihres Anleihenprogramms keine monetäre Staatsfinanzierung. Es gehe vielmehr darum, die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen wirksam zu flankieren. Wirtschaftsminister Yasutoshi Nishimura begrüßte denn auch die Entscheidung der Notenbank, die Fremdkapitalkosten angesichts der umfangreichen Staatshilfen im Kampf gegen die Krise niedrig zu halten.

Die neuen Geldspritzen der BoJ hoben auch die Stimmung an den asiatischen Aktienmärkten. Börsianer spekulierten zugleich auf ein zusätzliches Konjunkturpaket der Regierung in China.

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